Er saß unter all ' den heiligen Werken und sollte sie durch Abschriften noch vermehren . Am Fenster vor den bunten Scheiben stand ein Lindenbaum , dessen Zweige schattig und kühlend in die Bücherei fielen . Da stand sein Tisch , da am Fenster sollte er schreiben . Nun aber kamen die jungen , hübschen Mädchen am Kloster vorüber und Alle grüßten den jungen Schreiber . Wie gern hätt ' er sie aufgehalten ! Wie gern mit ihnen geplaudert ! Von seiner Liebe durfte der Arme ja nicht sprechen und doch plauderte er so gern mit der Jugend und der Schönheit . So suchte er sie anfangs mit dem Lindenbaum zu fesseln und pries ihn als so kühl und schattig . Setzt Euch doch ! Aber sie gingen bald wieder fort , die jungen Mädchen . Dann pries er den Gesang der Vögel in dem Baume . Aber sie zwitscherten nicht gerade dann immer , wenn die hübschen Mädchen kamen . Da nahm er die alten Legendenbücher mit den bunten kostbaren Buchstaben und den herrlichen Heiligen auf Pergament gemalt . Jede , die nun kam und vorüber wollte , fragte er : wer ihr Schutzpatron wäre und Jeder schenkte er , wenn sie mit ihm geplaudert hatte und auch wol an einer Bank unter dem Fenster hinaufgestiegen war und ihm einen Kuß gegeben hatte , ein schönes Bild ihres Schutzpatrons . Bald hatte der Glückliche einen solchen Zulauf von allen Schönen der Umgegend , daß er die ganze Bücherei zerschnitt , bis die Klosterbrüder dahinter kamen und er seine Liebe zu den schönen Mädchen und seine Misachtung der Wissenschaft durch lange , lange Leiden theuer bezahlen mußte . Die Geschichte kenn ' ich , sagte Oleander . Sie endet besonders gut mit dem naiven Geständnisse des verliebten Bibliothekars , daß ja in der Bibel alle Bücher der Welt enthalten wären . Ja , ja , um die Poesie möchte der Dichter auch alle Weisheit der Welt hingeben , alle Sprachen und alle andern Künste . Nach einem längern Gespräch , in welchem sich Louis Armand wohlweislich hütete , seine eigenen Verse zu erwähnen , fragte er Oleander , wo er herstamme , ob nicht seine Geburt auf das südliche Deutschland verweise . Wohl ! sagte Oleander . Ich bin auf der schwäbischen Alb geboren ... Louis war nicht Geograph genug , um die schwäbische Alb sogleich im Königreich Württemberg unterzubringen . Er ließ also nur so obenhin die Bemerkung fallen , daß auch er von einer Deutschen herstamme , Namens Anna Oleander ... Und nun hatte er die Freude zu vernehmen , daß Oleander sogleich mit der Frage einfiel , ob er jene Oleander meine , die den flüchtigen Polen Thaddäus Kaminski heirathete und mit ihm nach Frankreich zog ? Dieselbe ! sagte Louis Armand . Es sind meine Großeltern ... Diese Entdeckung brachte die Gefährten inniger zusammen . Zwar war die Verwandtschaft sehr entfernt , aber sie bot doch Gelegenheit zum Austausch mancher Frage , mancher wohlthuenden Antwort . Louis Armand fühlte sich heimischer und Oleandern bot diese seltsame überraschende Begegnung einen solchen Fernblick in fremdes Leben , fremde Sitte , daß er sich bei seinem naiven Sinne kaum fassen , kaum beruhigen konnte . Als Louis endlich den Wunsch äußerte , ob man nicht hier auf kürzerem Wege nach dem Forsthause einlenken könnte , wollte Oleander , da es nur einen Fußsteig dorthin gab , aussteigen und ihn begleiten . Louis lehnte diese Gefälligkeit ab und begnügte sich mit des Vikars genauerer Beschreibung . Es hieß , dieser Weg führe an der Sägemühle vorüber , dann an das sogenannte schwarze Kreuz und von da in wenig Hundert Schritten auf das Jägerhaus . Louis stieg aus . Oleander gab ihm herzlich , noch immer überrascht von der entfernten Verwandtschaft , die Hand . Der Knecht schlug anfangs eine Erkenntlichkeit , die ihm Louis anbot , aus , dann nahm er sie , gab aber Louis dafür noch den Rath , sich von der Sägemühle an , immer oben auf dem Felsenwege , nicht unten an dem Waldbach zu halten . Nur gerade auf das schwarze Kreuz zu ! sagte er und dann bergab . Da wird ' s trockner sein bis zum Jägerhaus . Louis hörte , wie er schon auf dem Seitenwege wandelte , noch in der Ferne das Knallen der Peitsche und den Widerhall des rasch dahinrollenden kleinen Wagens . Es war schon dunkel , als er sich der Bergwand näherte . Es trieb ihn mit einer unerklärlichen Sehnsucht zu Franziska . Mit Gewalt drängte er die neugeweckte Theilnahme für Heinrich Sandrart zurück . Warum soll ich es nicht wagen , sprach er zu sich , endlich das entscheidende Wort zu sprechen , das schon so oft auf meinen Lippen lag ! Kann ich es länger vor ihr und dem Onkel verbergen ! Ich werde in Deutschland bleiben , diesem Boden , der meine mütterliche Heimat ist . Wie fühl ' ich mich in dies neue Leben so wunderbar schnell hinein ! Wie traulich sprechen mich alle diese Menschen an ! Wie wecken sie in mir das Tiefste und mildern meine Leidenschaften , statt sie aufzuregen ! Wohl mahnte den jungen Mann der Ruf seiner sozialen Bestrebungen . Doch seit dem Abend , wo Dankmar den Bund der Ritter vom Geiste begründet und die Aufgabe jedes gesinnungsvollen Menschen als nicht zu unmittelbar , nicht zu dringend herausfordernd dargestellt hatte , war eine große Beruhigung über ihn gekommen . Er fühlte , wie sonst , lebhaft für die Sache des Volkes , aber es trieb ihn nicht mehr so gewaltsam , gleichsam den ersten besten Stein , der ihm nahe lag , zu heben und auf die Feinde des Erdenglückes zu schleudern . Wie sehnte er sich nach Siegbert und Dankmar , denen jetzt sein Herz mehr gehörte , als Egon , der so Vieles that , sich seine Freunde zu entfremden ! In der Ausmalung seiner nächsten Aufgabe , für Murray bei Zeck oder der Ursula Nachforschungen