' ins Boot , um noch einmal über den See zu fahren . Und diesmal allein . Die kurzen Wellen tanzen um mich her , das Wasser zeigt eine leichte Trübe , der Himmel ist grau . Ein Gefühl beschleicht mich wieder , stärker noch als zuvor , als ruhe hier etwas , das sprechen wolle , – ein Geheimnis , eine Geschichte . Ich ziehe die Ruder ein und horche . Die Wellen klatschen an den Kiel und der Wind biegt das Rohr knisternd nieder . Sonst alles stumm . Die Wolken sinken immer tiefer ; nun öffnen sie sich und hinter der grauen Wand , die der niederfallende Regen nach allen Seiten hin aufrichtet , verschwindet die Landschaft , Stadt und Schloß . So sah ich den Teupitzsee zuletzt und ich habe Sehnsucht ihn wieder zu sehen . Ist es seine Schönheit allein , oder zieht mich der Zauber , den das Schweigen hat ? Jenes Schweigen , das etwas verschweigt . 3. Mittenwalde 3. Mittenwalde » Befiehl Du Deine Wege Und was das Herze kränkt Der allertreusten Pflege Deß , der den Himmel lenkt « ... Und kaum das Lied vernommen , Ist über sie gekommen Der Friede Gottes aus der Höh . Schmidt von Lübeck Teupitz war der äußerste Punkt unserer Pfingstfahrt ; auf dem Rückwege lassen wir es uns angelegen sein , an Mittenwalde nicht ohne Ansprache vorüber zu gehn . Im allgemeinen darf man fragen : wer reist nach Mittenwalde ? Niemand . Und doch ist es ein sehenswerter Ort , der Anspruch hat auf einen Besuch in seinen Mauern . Nicht als ob es eine schöne Stadt wäre , nein ; aber schön oder nicht , es ist sehenswert , weil es alt genug ist , um eine Geschichte zu haben . Es hat sogar eine Vorgeschichte : Sagen und Traditionen von einem Alt-Mittenwalde , das , in unmittelbarer Nähe der jetzigen Stadt , auf der westlichen Feldmark derselben gelegen war . Und in der Tat , unter Wiesen- und Ackerland finden sich an dieser Stelle noch allerlei Steinfundamente vor , und während das Auge des Fremden über Felder und Schläge zu blicken glaubt , sprechen die Mittenwalder vom » Vogelsang « , vom » Pennigsberg « , vom » Burgwall « usw. , als ob all diese Dinge noch sichtbarlich vor ihnen stünden . Daß hier früher und zwar in einem enggezogenen Halbkreis um die jetzige Stadt her ein anderes Mittenwalde stand , scheint unzweifelhaft . Es finden sich beispielsweis allerlei Münzen am » Pennigsberg « , und als Ende der fünfziger Jahre Kanalbauten und Erdarbeiten am » Burgwall « zur Ausführung kamen , stieß man auf Eichenbohlen , die wohl drei Fuß hoch mit Feldsteinen überschüttet waren . Ersichtlich ein Damm , der früher – mitten durch den Sumpf hindurch – erst nach dem Burgwall und von diesem aus nach der inmitten desselben gelegenen Burg führte . So die Traditionen , und so das Tatsächliche , das jene Traditionen unterstützt . Aber so gewiß dadurch der Beweis geführt ist , daß auf der westlichen Feldmark ein anderer längst untergegangener Ort existierte , so wenig ist dadurch bewiesen , welcher Art der Ort war und in welchem Verhältnis er zu der Burg und dem Pennigsberge stand . Wie verhielt es sich damit ? War die Burg ein Schutz der Stadt oder umgekehrt ein Trutz derselben ? Waren Stadt und Burg wendisch oder waren sie deutsch ? Befehdeten sie einen gemeinschaftlichen Feind , oder befehdeten sie sich untereinander ? Alle diese Fragen drängen sich auf , ohne daß eine Lösung bisher gefunden wäre . Die Tradition scheint geneigt , einen alten Wendenort anzunehmen , der inmitten des » Burgwalls « seine Burg und auf dem » Pennigsberg « seine Begräbnisstätte hatte . Bevor Besseres geboten ist , ist es vielleicht am besten , dabei zu verharren . Ausgrabungen auf dem westlichen Stadtfelde würden gewiß zu wirklichen Aufschlüssen führen , aber diese Ausgrabungen wurden in unbegreiflicher Weise vernachlässigt . Die Kommunen entbehren in der Regel des nötigen Interesses und unsere Vereine der nötigen Mittel . Indessen lassen wir das vorgeschichtliche Mittenwalde und wenden uns lieber dem mittelalterlichen zu , das , aller Verheerungen ungeachtet , in einzelnen Baulichkeiten immer noch existiert . Da haben wir die Mauer mit ihren Tortürmen , da haben wir die Propsteikirche und da haben wir vor allem auch den » Hausgrabenberg « , von dessen Höhe herab nach allgemeiner Annahme » Schloß Mittenwald « in die Mark und die Lausitz hineinblickte . Die Lage dieses » Hausgrabenberges « im Norden des zu verteidigenden Notteflüßchens , dazu das Fortifikatorische der an andere Hügelbefestigungen jener Zeit erinnernden Anlage , würden es wie zur Gewißheit erheben , daß das Schloß an diesem Punkt und nur an diesem gestanden haben müsse , wenn nicht der eine Umstand , daß , soviel ich weiß , keine Spur von Steinfundamenten innerhalb des Berges gefunden worden ist , das Urteil wieder schwankend machte . Gleichviel indes , was auf seiner Höhe gestanden haben mag , jetzt steht ein Häuschen auf demselben , das sich in Weinlaub versteckt und über dessen Dach hin , als ob es doppelt geschützt werden sollte , sich die Wipfel alter Birnbäume wölben . Im Spätsommer , wenn die blauen Trauben an den Wänden hängen und die goldgelben Birnen entweder vom Wind oder der eigenen Schwere gelöst polternd über das Dach hin rollen , muß es schön sein an dieser Stelle . » Der Hausgrabenberg « hat ein reizendes Haus . Aber ein baulich größeres Interesse bietet doch der alte Torturm der Stadt , dem wir uns jetzt zuwenden . Er liegt nach Norden hin , auf dem Wege nach Köpenick und Berlin , und führt deshalb den Namen : das Köpenicker oder Berliner Tor . In alter Zeit , als Mittenwalde noch » fest « war , war dieser Torbau von ziemlich zusammengesetzter Natur und bestand aus einem quer durch den Stadtgraben führenden Steindamm , dessen Mauerlehnen hüben und drüben in