Erzähler dieser Geschichten hat das Wesen der meisten Menschen nach dem Durchtönen der von ihnen am häufigsten gebrauchten Vocale unterscheiden wollen , je nachdem die Menschen in A gesetzt sind ( sie sind würdevoll und gleichmäßig ) , in I ( sie sind verwundert und fröhlich ) , in O ( Hypochonder ) , in U ( Mystiker ) , in E ( Tadelnde , Nergelnde , Mäkelnde ) . Die österreichische Aristokratie ist entschieden auf E gesetzt . Sie tadelt und kritisirt in einem fort ... Alle Erscheinungen fremder Küchen , Keller , Sitten sind ihr » mechant « ; einiges wenige ausgenommen , das sie dann freilich auch ebenso entzückt » charmant « oder » supeeerb « findet , wozu das Zusammentreffen von Bedingungen gehören mußte , die Benno erst zu ergründen suchte ... Seltsame Welt , die ebenso viel Selbstbewußtsein wie einen plötzlichen Mangel aller Unterlagen offenbarte ... Selbst die allgemeine Heiterkeit und Lust schien sich zuweilen in eine nur vorgehaltene Maske zu verwandeln ... ... Als Schnuphase in der Kajüte schnarchte , erwies sich Herr Calasantius dem Herrn Baron als ein Mann von Gefälligkeit ... Es war ein » nach Wien geheiratheter « Böhme ... Er hatte gehört , Benno würde in einem geistlichen Hause auf der Freyung wohnen und stellte nun den Paramentenhändler heraus ... Der Onkel Dechant hatte Benno an einen alten Freund und Correspondenten , den ehemaligen Chorherrn der Prämonstratenser , Herrn Pater Grödner , empfohlen , einen Gelehrten , der an öffentlichen Anstalten Unterricht gab ... Herr Calasantius Pelikan beschrieb den Mann und sein Haus ... Von seiner eigenen Niederlassung in der Currentgasse erzählte er , es wäre nahe jener Behausung , wo einst die allerseligste Jungfrau dem heiligen Stanislaus von Kostka erschienen wäre und ihm das Jesuskind zum Spielen aus die Bettdecke dargereicht hätte ... Der Herr Stadtrath würde bei ihnen wohnen ... Sein Schwager , der Herr Nepomuck Tuckmandl , wäre der Herbergsvater der Goldsticker , bewahre die Innungslade und ginge bei den Processionen voran ... Alles das würde jetzt wieder » so schön und neu « aufgerichtet und der Herr Stadtrath würde , im Vertrauen gesagt , unter sehr hoher Protection , einen » christlichen Gesellenverein « einrichten , was bei dem » Geist der Zeit « allerdings einige » Schwürigkeiten « haben würde ... Auf jedes Uebermaß der Freude folgt Ernüchterung ... Schnuphase hatte nach dem Erwachen besorgliche Zustände - Nachwehen , Beklemmungen ... Die kommende große Stadt fiel ihm schwer aufs Herz ... Er beschwor Benno , ihn in dem Gewirr nicht zu verlassen ... Auch seine » Mission « flößte ihm Besorgnisse ein ... Er wiederholte in allem Ernst , daß er die » Audienz « lieber anträte mit » Unters-tützung « eines » gewöndteren Redners « ... Könnt ' ich mich Ihnen doch nur ganz » öffenbören « - hauchte er ... Nach Ihrer vornehmen Kiste zu schließen , sagte Benno , vermuth ' ich , daß es der Protection des fürstlichen Kellermeisters bedarf , um in der ehrenvollen Eigenschaft Ihres Mitbeaustragten zu erscheinen ... Schnuphase seufzte wie unter einer schweren Last ... Es war schon dunkel , als endlich Nußdorf erreicht war ... Die Mauth ist dann ein chemisches Reagens , das alle Verbindungen löst ... Jeder muß an sich selbst denken ... Benno fuhr auf diese Art in die innere Stadt allein ... Der aufgehobene Chorherr der Prämonstratenser , Herr Pater Grödner , war vollkommen unterrichtet und nahm ihn freundlich , wenn auch etwas befangen , in einem großen geistlichen Hause auf ... Der Onkel Dechant hatte ihm vorausgesagt : Pater Grödner ist ein Hypochonder , wie im Grund ganz Wien nur deshalb ausgelassen lustig ist , um seine plötzlichen Anfälle von Hypochondrie zu vergessen ... Benno erhielt einige ganz ihm allein angehörende Zimmer ... So spät es war , eilte er den Abend doch noch ins Freie ... Das Gefühl : Hier leben dir eine Mutter - eine Schwester ! drohte ihm die Brust zu zersprengen ... Jede weibliche Gestalt , die er an sich vorübergehen sah , betrachtete er mit prüfendem Auge ... Von Angiolinen hatte er gehört , daß sie Lucinden ähneln sollte ... So schritt er planlos dahin und athmete ebenso das allgemeine Leben der großen Stadt wie das Geheimleben , das diese Steinkolosse gerade nur für ihn erschließen sollten ... Erst ein Regenschauer führte ihn nach Hause zurück ... Da der Chorherr ihn in nichts stören wollte , fand er ein Nachtmahl für sich allein ... Am folgenden Morgen war das Wetter wunderschön ... Es hatte die Nacht hindurch geregnet ... Eine laue Luft wehte wie im Frühling ... Sein Wirth war schon freundlicher ... Der lange hagere Herr , bejahrter als er aussah , lud zu einer Spazierfahrt ein , sogar zum » Speisen « in Hietzing ... Er wollte vom Dechanten , von Monika , von der Seherin von Westerhof hören ... Und mit der Aebtissin der Hospitaliterinnen , Schwester Scholastika , bei welcher Monika so lange Jahre im Kloster gelebt hatte , war er auch bekannt ... Selbst von Bonaventura hatte er gehört ... Er sprach von Ceccone ... Dieser wohnte ganz nahebei ... Benno wollte die Depeschen an den Cardinal und den Staatskanzler übergeben ... Der Chorherr schlug einen Fiaker vor , den man nehmen wollte , um alle diese Commissionen mit Bequemlichkeit auszurichten ... Er gehörte , nach Aufhebung seines Klosters , schon seit Jahren einer höhern Studienanstalt an , die gerade Herbstferien hatte ... Alle Erläuterungen , die er gab , begleitete er mit einem eigenen seufzenden Lächeln ... Er sprach nicht drei Worte , ohne sich nicht selbst zu ironisiren ... Als sie einen Fiaker genommen hatten , fuhren sie erst bei Ceccone in einem nahen und bescheidenen Palais vor ... Benno gab die Briefe von der Stellvertretung des Kirchenfürsten ab ... Ihre Adresse ist nicht nöthig , sagte der Chorherr mit trockener Ironie ... Wo Sie wohnen , das weiß heute früh schon jeder - Polizeivertraute ... Auf der Herrengasse