in der ich leben mochte , zaubern . Da fand ich sie ! Ein Weib , das mich liebte , schüttete die Freuden der Bequemlichkeit auf mich herab . Ich reiste mit ihr . Sie liebte mich , ich erwiederte wenigstens äußerlich ihre Hingebung und mußte mir sagen , weil ich besser , weil ich edler in meinen Regungen war , als sie selbst in ihren angebornen , ehrgeizigen , unwahren , so hielt ich sie in ihrer sittlichen Haltung empor und diente ihr als Stamm und Anlehnung . Allein es war eine Sklaverei . Lieben sollen , wo man nicht liebt ! Schön finden müssen , was uns nicht gefällt ! O mein Freund , ich erkenne in dem Freunde des Fürsten Egon , so bescheiden und anspruchlos Sie auch sind , doch ein Auge , das auf die Tiefe des Herzens geht und sage Ihnen , ich verachtete mich . Ein junger Mann , geliebt von einer älteren Frau , die für ihn sorgt , ihn nur für sich und nur für sich in Beschlag nimmt , ist in neunzig bei hundert Fällen tief , tief verächtlich . Ich klirrte mit meiner glänzenden Kette . Ich riß mich heimlich zuweilen los . Ich fand Wesen , die mich bemitleideten , weibliche Wesen , die schöner , lieblicher , edler als meine Herrin waren . Ich genoß kurze Triumphe meiner Freiheit und mußte doch zu meinem Joch zurückkehren , denn ein eigner Zufall wollte , daß meine Gebieterin von der festen Vorstellung beherrscht war , daß sie früh sterben würde . Ich kann Ihnen den ganzen Roman meines Herzens nicht erzählen . Nur andeuten wollt ' ich , was mir dies Leben da in den Städten und unter den civilisirten Menschen zum Ekel vergällte . Ich fand ein kindlich reines Gemüth , das mich liebte , die Mutter meiner Selma . Es war eine einfache Weiblichkeit , die nichts zu bieten hatte als sich selbst . Wie fühlt ' ich mich veredelt von ihrer reinen Ursprünglichkeit ! Da lag noch Alles unentweiht in der jugendlichen Brust , nichts vergeudet , nichts angegriffen von Dem , was zu ihren edelsten Schätzen gehörte . Ich fühlte wohl , daß bei diesem jungen Kinde , das durch eine sonderbare Fügung von meiner früheren Geliebten systematisch dahin erzogen wurde , mich liebenswerth zu finden und ihr Grauen vor mir zu besiegen , ich fühlte wohl , daß eine bedeutende , ihre Umgebungen umgestaltende Entwickelung bei Selma ' s Mutter nie eintreten würde , aber gerade , daß ich ihr so viel von dem Meinen zu geben hatte und daß es nur das Gute war , was ich aus meinem Wesen ausscheiden mußte zu ihrem Dienste , das hob mich wieder sittlich empor und bestärkte mich in meinem Entschluß , mir eine große , starke , lebenerschütternde Läuterung aufzulegen . Ich ging nach Amerika . Da hab ' ich am Missouri einsam gelebt und mir die Reste der besseren Bestimmung noch wohlweise und sorglich einmal zusammengelegt . Es gab ein Ganzes ! Es war nichts Halbes mehr , was mich erfüllte . Ich lebte einem Berufe , der mir anfangs schwer wurde , dann mich aber unterhielt , mich sogar begütert werden ließ . Ich sah wohl , daß Selma ' s Mutter durch die Trennung litt . Da hatt ' ich eine geistige Aufgabe zu lösen , einen Mollton durch unser Leben durchzuführen . Auch dieser Schmerz dessen Ursache ich sogleich doch nicht aufheben konnte , wirkte milde und gut . Ich verwies auf zukünftige Hoffnung und versprach Rückkehr nach Europa . Die Gute erlebte sie nicht . So mußt ' ich ihrem Kinde , Selma , mein Wort halten . Ich kehrte ungern zurück . Aber wenn ich diese Ehrenschuld , die ich abzutragen hatte , gern bezahlen soll , so mußt ' es so kommen , wie jetzt ! Ich bin ein Ascetiker der Weltlichkeit ! Ich bin ein Egoist der Universalität ! Ich weiß nicht , ob ich Ihnen verständlich bin . Ich will nur sagen , daß ich in meinem kleinen Dasein das ganze All wiederzuspiegeln suche und nichts thue , nichts im Geringsten und Kleinsten ergreife , ohne mir zu sagen : Das muß so sein ! Das ist gut so ! Die alte Zeit , wo mir Alles nur provisorisch war , wo ich immer rannte , hoffte , mich und Andre vertröstete , liegt hinter mir . Was ich beginne , ist nützlich , und was ich sehe und erlebe , ist gut . Ich will nichts mehr vom Überfliegenden . Da jenen Strauch an diesem Fenster zu beobachten , wie lange ihn der Schnee decken wird und wann er sein erstes grünes Keimchen schießen wird , Das ist mir eine Wonne , und auf solche Freuden beschränk ' ich mich . So sehen Sie denn , daß ich mit Bauern bäurisch , mit Handwerkern handwerksmäßig , mit Dichtern dichterisch empfinden und reden kann , ohne verdrießlich zu werden und wie in jungen Zeiten etwa mein Schicksal zu beklagen . So sprach Ackermann ... Hätte ihn Pauline von Harder reden hören , den geliebten Heinrich Rodewald , sie würde doch vor Wehmuth und Wonne gezittert haben , ob er sie gleich anklagte . Sie besaß die Fähigkeit , auch diese Größe seiner Worte zu verstehen ... Louis Armand mußte während dieser ihn ehrenden Geständnisse eines solchen Mannes an Murray denken . Es war derselbe Geist der Reue , der beide Männer ergriffen hatte , hervorgegangen aus unähnlichen Zuständen . Er hätte gern gewünscht zu wissen , ob in Ackermann die religiöse Färbung seiner Gefühle auch so stark war , wie bei dem ehemaligen , in sich gekehrten , leichtsinnigen Verbrecher . Deshalb warf er das Wort hin : Die strebende Jugend , die nicht ruhen kann , muß Sie um diese Läuterung beneiden . Sollte man diese Weisheit , zu der Sie sich aufgeschwungen haben , nicht Religion nennen ? Es ist meine Religion , erwiderte