' s Gemüth gerieth in immer tiefere Spannung - abwechselnd der Freude und Trauer ... Er sah in die hellgrünen Wellen wie in einen Krystallspiegel mit magischen Bildern ... Er verglich , was ihm wohler gethan : Sein alter Irrthum oder jetzt die Wahrheit ! ... Die grünen Berge , die den Strom verengten , konnte er nicht sehen , ohne sich nicht auf ihren Spitzen Armgart zu denken ... Welche neue Erscheinungen standen ihm bevor ... Wie sollte er sich ihnen nähern ... Unter welchen Veranlassungen ... Er sah voraus , daß er , wie sein Bruder gesagt hatte , vielleicht vorziehen würde , das zu bleiben , was er war ... In scharfen Contouren lagen die schon von frischgefallenem Schnee glänzenden steirischen Alpen vor seinem wehmuthumflorten Auge ... Die an den Ufern des buchten- und windungsreichen Stromes liegenden Städte schimmerten in heller Pracht mit ihren über und über weißgetünchten Häusern und Kirchen ... Linz war erreicht ... Ein kurzes Nachtlager ... Dann die » Wirbel und Strudel « , die mehr zu reden als zu fürchten gaben ... Mitten in der Strömung auftauchende » Auen « und Inseln erinnerten an die » Weerthe « des andern geliebten Stromes - an » Lindenwerth « ... Mit schmerzlichem Sinnen gedachte Benno des vorjährigen Herbstes und seiner verklungenen Hoffnungen ... Eine verlorene Liebe ist wie die zerstoßene Perle , die den Becher eines ganzen Lebens würzt - wie der Tropfe zerflossenen Goldes , mit dem auf der Palette ein Maler alle seine Farben mischt ... Benno sah jetzt , je näher er Wien kam , alles feierlich und geheimnißvoll ... Mit einem Herzen voll Gluck hätte sich ihm manches zugänglicher und verständlicher gemacht ... Das Schöne weckt vielen Gemüthern ohnehin nur Trauer ... Und schön war hier alles ... Auch hier ragten die hohen Bergkanten schroff empor wie der Geierfels und das Hüneneck ... Auch hier blinkten im wilden Gestrüpp der Büsche , im Geröll zerbröckelnder Burgmauern die Edelsteine der Sagen aus alten Zeiten ... Auch hier konnte auf so mancher Altane das Auge einen im Wind wehenden Schleier und das Winken der Gefangenen mit ihres Geliebten bunter Schärpe sehen ... Hohe Schlösser ragten wie Schloß Neuhof , seines Vaters stolzer , erinnerungsdüsterer Stammsitz ... Diese hier bargen Chorherren und Mönche ... Bonaventura hatte große Verehrung vor ihnen , weil ihre Bewohner , Benedictiner , den Wissenschaften oblägen ... Oft im Frühjahr , nach dem Kampf mit Rother , äußerte er die Meinung , sich hieher oder in die alten Bibliotheken der Schweiz flüchten zu können ... In einzelnen Booten und auf Flößen sah man Processionen , die zu Maria-Taferl wallfahrteten ... Viele von den Pavillon-Passagieren kamen jetzt erst aus den Bädern zurück ... Es fanden Erkennungen und Begrüßungen statt , auch Misverständnisse und Entschuldigungen ... Dicht an vier in Linz aufgefahrenen kleinen Wägen mit dem überraschenden Inhalt von Löwen und Tigern , die als Nachzügler zu einer in Wien schon befindlichen Menagerie gehörten , erklärte ein Witzbold die Gefangennahme Richard Löwenherzens auf dem gegenüberliegenden Dürrenstein dahin : » Aber erlaubens , wann so ein Engländer auch mit einem Löwen statt ' nem Pudel reist , hat der Herzog von Oesterreich dazumal Ursach ' gehabt , den Mann einstecken zu lassen ! « ... Schnuphase war wie im Vorhof des Paradieses ... In Linz war ihm schon der Geschäftsfreund entgegengekommen , an den er empfohlen war , der Mitbesitzer der Paramentenhandlung Pelikan & amp ; Tuckmandl auf der Currentgasse ... Herr Calasantius Pelikan war eine kleine , dicke und sehr entschieden auftretende Natur , mit pechschwarzen , fast zottigen Augenbrauen , Ringen an den Fingern , in grünem Frack , rothem Halstuch , gelber Weste , dem lustigsten Farbencontrast , ganz als wäre das Erdenleben ein ewiger Fasching ... Schnuphase schwamm in Entzücken über diese Aufmerksamkeit , ihm so auf Meilen entgegenzureisen ... Er zog Benno in die Besiegelungen ewiger Freundschaft hinein , die den Mittelpunkt der ganzen Schiffsconversation zu bilden anfingen ... Ja , im Bewußtsein seiner vertraulichen Beziehung zu dem zweitersten Manne dieses großen Staates ergab sich Schnuphase der sorglosesten Sicherheit , die auch bereits mit allen feineren Nuancen der von ihm erprobten Weine des Schiffskellers übervertraut war ... Er sah im Geist den Stephansthurm umringelt von oben bis unten mit Praterwürsteln ... Im » Sperl « hatte er durch Herrn Pelikan sogut wie schon einen » belegten « Eckplatz und in » Dommayer ' s « , in » Hietzing « wurden durch ihn und die mit ihnen speisten , bereits die Backhändln rar ... An der Table-d ' hôte that es Schnuphase nun unter Champagner nicht mehr und Benno mußte nur immer hinterrücks an seinem Sommerrockärmel zupfen , um ihn nur zu bewegen , gegen seine Tischnachbarn den großen Allmächtigen aus dem Spiele zu lassen , den er halb schon seinen besten Freund nannte ... Schnuphase ' s eigenthümliche » S - pröche « nannte Herr Calasantius Pelikan zum tiefsten Schmerz des Stadtraths : » Wol preußisch ? « ... Nach dem Diner schmollte darüber Schnuphase ... Dann aber , wieder ausgesöhnt , war er so neckisch gestimmt , daß er ' s nun auf die » Donauweibeln « abgesehen hatte ... Er begab sich schwankenden Fußes nach der Vorderkajüte und band dicht neben den reißenden Thieren ein Gespräch mit den blassen volksthümlichen Mädchen in goldenen Helmen an , sie fragend , ob sie keine Furcht hätten vor den furchtbaren Löwen , Panthern und Hyänen oder , wie der sich ebenso schmunzelnd hinter ihm hertrottelnde Calasantius ausdrückte » vor oall den talketen Koatzen ? « ... Immer fester aber und enger schlang sich das Band der neuen Eindrücke um Benno ... Eine » Musikbanda « kam aufs Schiff und spielte gellend auf ... Bei einer Frage um den Grafen Hugo von Salem-Camphausen verwickelte sich Benno in Gespräche mit Offizieren ... Seines fesselnden Eindrucks wegen gab man sich ihm gern hin ... Er studirte das eigenthümliche , zwischen Französisch und Wienerisch gehaltene Plauschen der österreichischen Aristokratie ... Der