er ihn gesehen hätte , ausgefragt . Den Fürsten , den er auf seinem Leiterwagen gar schnöde behandelt haben mußte , wagte er nicht zu erwähnen . Louis Armand war in der eignen Lage , von Heinrich Sandrart mit Interesse sprechen zu müssen . Er räumte ihm all ' die vortrefflichen Eigenschaften von Herzen ein , die er an dem jungen Nebenbuhler kannte und trotz seiner getheilten Empfindung zugestehen mußte . Als Ackermann mit Louis allein war und zu seinem Wohnhause die Schritte zurücklenkte , verwünschte er den Eigennutz dieser besitzenden Klasse auf dem Lande und fand alle Fehler des deutschen Charakters in unserm Bauernstande wieder . Man spräche , sagte er , vom Egoismus der Fürsten und des Adels , diese Bauern wären die ärgsten Verbündeten jenes auf Vorrechte und ein gieriges Mein ! oder Dein ! begründeten stabilen Prinzipes . In der weiteren Ausführung dieser Thatsache und ihrer Vergleichung mit den Verhältnissen andrer Länder , besonders dem freien Blicke der amerikanischen Farmer kehrten sie zu dem Wohnhause zurück , wo schon der Knecht mit dem Einspänner harrte . Selma und Oleander waren noch nicht sichtbar . Ackermann horchte an der Thür , wo die Lection gehalten wurde und ersuchte Louis , da sie noch nicht zu Ende schien , noch so lange bei ihm einzutreten . Louis fand dadurch Gelegenheit , die Eindrücke dieses Besuches noch einmal zusammenzufassen , für die freundliche Aufnahme zu danken und Ackermann den glücklichsten Fortgang seiner Unternehmungen zu wünschen . Empfehlen Sie mich dem Fürsten , sagte Ackermann , indem er Louis ' Hand ergriff , sagen Sie ihm , daß ich mich bemühen werde , das in mich gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen . Zu Neujahr treffen die Hülfsmittel meiner künftigen Thätigkeit ein . Sehen Sie , der elende und geringe Sinn , den Sie bei jenem Bauer , meinem Nachbar , gefunden haben , ist er nicht eine Folge der elenden und geringen Hülfsmittel , mit welchen man bisher der Natur ihre Geheimnisse , die sie ungern hergibt , zu entlocken suchte ? Da wo der Mensch und immer nur der Mensch allein , höchstens mit einem dummen Stiere , einem geduldigen Pferd der großen allgewaltigen Natur gegenübersteht und sie sich allerdings in gewissem Sinne dienstbar macht , da wächst auch der Dünkel , der Hochmuth , wenn nun wirklich diese kleinen Handgriffe gelingen und sich ihre Erträgnisse in Geld verwandeln , das man nicht zu benutzen versteht . Sagen Sie dem Fürsten ... doch ich spreche Sie ja morgen noch ! Wie lange denken Sie zu bleiben ? Wenn Egon leidet , sagte Louis , wenn ich höre , daß ihn sein politisches System vielleicht zu gewaltsamen Schritten treibt , so hab ' ich einen Drang , bei ihm zu sein , der mich in wenig Tagen von hier entfernen wird . Bleiben Sie in seiner Nähe , schloß Ackermann mit einem eignen Tone der Rührung . Schützen Sie ihn vor der Welt , auch vor sich selbst . Ich fürchte , er kam zu jung auf einen Platz , der gereifte Männer erfordert . Ich fürchte , die traurige Ideenlosigkeit des Momentes , die schwierige Lage des Hofes und die Rathlosigkeit , mit der sich die privilegirten Stände nach Geistern umsehen , die für sie mit einer leidlichen Theorie in die Schranken treten , hat hier etwas zu Stande gebracht , was weder jene zu ihrem , noch ihn zu seinem Ziele führt . Entweder zerfällt jene Gesellschaft mit Egon oder Egon mit sich selbst - das Letztere - Wäre entsetzlich ! fiel Louis ein . Wenn Sie Ihren Freund und Gönner recht in Gefahr wissen , in geistiger Gefahr , wollen Sie mir es dann schreiben ? sagte Ackermann . Versprechen Sie mir Das ? Ich versprech ' es Ihnen ! antwortete Louis überrascht ... Ich verstehe mehr als den Feldbau , fuhr Ackermann fort . Ich kenne das Leben - und die Wissenschaft war einst mein Beruf . Wie ist es nur möglich , mußte ihn Louis , den diese Bemerkung schon lange brannte , jetzt fragen , wie ist es nur möglich , daß ein Mann von Ihrer Weltbildung , die ihn recht eigentlich auf den Verkehr der großen Städte anzuweisen scheint , sich durch dies einfache Landleben befriedigt fühlen kann ! Sie stehen geistig so hoch und müssen hier so niedrig steigen . Es umgeben Sie Menschen , die unbedingt keine andre Sprache verstehen als die der Beschränktheit und Selbstgenügsamkeit . O mein junger Freund , antwortete Ackermann , schon seit einer Reihe von Jahren hab ' ich mir dies Leben der Beschränkung und Einsamkeit anfangs als eine Läuterung , die mir schwer wurde , dann als eine Pflicht , die mir Vergnügen machte , auferlegt . Was ist diese Welt ? Ich habe sie durchgekostet bis zur Hefe . Ich bin in den Irrthümern des ringenden Ehrgeizes , der ungebändigten Herzensregungen aufgewachsen . Ich habe mich auf seidene Polster gestreckt und aus goldenen Bechern die Lust des Lebens getrunken . Ich war nie vermögend , aber ich besaß angeboren das Talent des Reichthums . Ich konnte Denen , die besaßen , meine Phantasie leihen und ihnen sagen , was den Genuß steigere und veredle . Ich lag wie auf Rosenblättern und über mir herab hingen die vollen braunen Trauben . Ich durfte nur zugreifen . Freilich war ich dabei ein Sklave . Ich hatte die Freiheit des Herzens nicht . Für Glück und Annehmlichkeit , die mich umgaben , für Liebe sogar , die mich mit weichen Sammethänden pflegte , mußte ich doch die Kette dieser Liebe , die meinem Ideale nicht entsprach , hart empfinden . Wissen Sie , was eines der kläglichsten Loose des gebildeten Menschen ist ? Empfindungen heucheln zu müssen , die man nicht hat , erkenntlich sein müssen für eine Hingebung , deren Gründe uns verdächtig scheinen . Ich war jung , strebsam , ehrgeizig . Ich hatte eine Phantasie wie Sardanapal . Ich konnte mir die glänzendste Welt ,