Der Zanderzug ? « » Ja . Er ist nur einmal im Jahr und von seinem Ausfall hängt alles ab . In der Regel bringt er sechshundert , oft eintausendfünfhundert Taler , mitunter freilich auch gar nichts . Dann muß das nächste Jahr den Schaden decken . Aber weil es unsicher ist , was der Zanderzug bringen wird , deshalb können unsere Fischer den See nicht pachten . « » Wann ist der Zug ? « » Im Januar und Februar . Immer im Winter , denn die Netze werden unterm Eis gespannt und gezogen . Es ist jedesmal ein Festtag für Teupitz . « Die Sternwirtin begann nun mit vieler Lebhaftigkeit mir die verschiedenen Phasen des Zanderzuges zu beschreiben , dabei mehr ermutigt als gestört durch meine Fragen , die ganz ernsthaft darauf aus waren , das Verfahren nach Möglichkeit kennenzulernen . Die Handgriffe beim Spannen und Ziehen der Netze blieben mir aber unklar und nur so viel sah ich , daß es die größte Ähnlichkeit mit einer Treibjagd und zwar mit einem Kesseltreiben haben müsse . Die Fischer , wohl vertraut mit dem See , fegen mittelst weitgespannter Netze den Zander in ihnen bekannte Kesselvertiefungen hinein , umstellen ihn hier und schöpfen ihn dann , wie man Goldfische aus einem Bassin schöpft , aus der fischgefüllten Tiefe heraus . Inzwischen erfuhr ich , daß das Boot bereit läge , das mich laut Verabredung auf den See fahren sollte . Gleich vom Goldnen Stern aus läuft ein schmaler Gang auf die Anlegestelle zu . Rechts und links standen Hof- und Gartenzäune , sämtlich in jenen seltsamen Biegungen und Wellenlinien , die bemoostes Zaunwerk im Lauf der Jahre zu zeigen pflegt . Über die Zäune hinweg wuchsen die Kronen der Bäume von hüben und drüben zusammen , was sich namentlich in Nähe des Wassers überaus malerisch ausnahm , wo zugleich der See bis zwischen das Plankenwerk vordrang und mal höher mal tiefer mit seinem gelblichen Schaum eine Grenzmarke zog . An dieser Stelle lag auch das Boot . Ein Fischermädchen vom andern Ufer stand in der Mitte desselben und während ihr weißes Kopftuch im Winde flatterte , stießen wir ab . Der Teupitzsee ist fast eine Meile lang und eine Viertelmeile breit , an einigen Stellen , wo er sich buchtet , auch breiter . Sein Wasser ist hellgrün , frisch und leichtflüssig ; Hügel mit Feldern und Hecken fassen ihn ein , und außer der schmalen Halbinsel , die das Schloß trägt und sich bis tief in den See hinein erstreckt , schwimmen große und kleine Inseln auf der schönen Wasserfläche umher . Die kleinen Inseln sind mit Rohr bestanden , die größeren aber , auch Werder geheißen , sind bebaut und tragen die Namen der beiden Seedörfer , Egsdorf und Schwerin , denen sie zunächst gelegen sind . Also der Egsdorfer und der Schweriner Werder . Wir fuhren von Insel zu Insel , von Ufer zu Ufer ; abwechselnd mit Ruder und Segel ging es auf und ab , planlos , ziellos . Die Teupitzer Kirche , der alte Schloßturm hinter Pappeln , die roten Dächer der Stadt , das Schilf , die Hügel – alles spiegelte sich in dem klaren Wasser , aber , so schön es war , ich hatte doch ein Gefühl , all dies schon einmal gesehn zu haben , nur schöner , märchenhafter , und diese Märchenbilder sucht ' ich nun in Näh und Ferne . Lächelnd gestand ich mir endlich , daß ich sie nicht finden würde . Noch einmal umfuhr der Kahn die Halbinsel , auf der die Überreste des alten Teupitzschlosses gelegen sind ; dann trieben wir , durch den Schilfgürtel hindurch , den Kahn wieder ans Land . Die Stelle , wo wir landeten , lag in dem Winkel , den Ufer und Landzunge bilden , und das alte Teupitzschloß oder mit seinem vollen Namen » das alte Schloß der Schenken von Landsberg und Teupitz « stieg fast unmittelbar vor uns auf . Ich schritt ihm zu . Das alte Teupitzschloß , das in frühe Jahrhunderte zurückreicht , galt ehedem für sehr fest . Es lag an der Grenze zwischen Mark und Lausitz und scheint abwechselnd eine märkische oder sächsische Grenzfestung gewesen zu sein , je nachdem die Waffen oder die Verträge zugunsten des einen oder andern Teils entschieden hatten . Im dreizehnten sowie in der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts waren die Plötzkes Herren von Teupitz , um 1350 aber kam die Herrschaft Tupitz oder Tuptz , wie sie damals genannt ward , in Besitz der Schenken von Landsberg und nahm seitdem den Namen des » Schenkenländchens « an . Dies Ländchen umfaßte vier Quadratmeilen ; in seiner Mitte lag Teupitz die Stadt , mit See und Burg . Die Lehnsverhältnisse des » Schenkenländchens « blieben noch geraume Zeit hindurch verwickelter und schwankender Natur , bis endlich der Einfall der Hussiten in die Mark den Ausschlag gab und die Schenken von Landsberg und Teupitz veranlaßte , sich in den Schutz des Brandenburgischen Kurfürsten ( Friedrich I. ) zu begeben . Zwar geschah dies zunächst noch mit der Bemerkung : » unbeschadet unserer Untertänigkeitsverpflichtung gegen den Kaiser und den Herzog von Sachsen « , diese Hinzufügung indes scheint nicht allzu ernsthaft gemeint gewesen zu sein , da Schenk Heinrich von Landsberg schon wenige Jahre später erklärte » daß , sintemalen der Kurfürst , sein gnädiger Herr , mit den Herzögen von Sachsen in Fehde stehe , auch er ( Schenk Heinrich ) mit seinen Helfern und Knechten ihnen , den Herzögen , den Krieg erklären müsse . « Die Schenken von Landsberg und Teupitz blieben nah an vierhundert Jahr im Besitz der Herrschaft . Nachdem aber Schloß und Land infolge des Dreißigjährigen Krieges sehr vernachlässigt , die Weinberge verwildert , die Heiden verwüstet waren , ging das ganze Schenkenländchen im Jahre 1718 durch Kauf an König Friedrich Wilhelm I. über . Er bezahlte dafür die geringe Summe von 54000 Taler , kaufte verlorengegangene Güter zurück , machte das Schloß