! Und eher wollt ' er mich niederstechen , wobei ihm der Portepéefähnrich , Sie kennen ihn ja , es ist der kleine blonde , er heißt von Flottwitz , den Arm hielt , daß er nicht so schändlich konnte ausführen , was er drohte . Aber eine Rede hielt er nun , daß er schon längst wisse , was die dritte Compagnie zum Abschaum in der Armee mache und daß wir die Cocarde verlieren sollten und solche niederträchtige Sachen mehr , bis er dann sagte , daß er alles Dieses aufschreiben und mich wegen meiner Rebellion auf acht Tage in Mittelarrest bringen würde . Das nahm auch seinen Fortgang . Beim Appell wurde ich vorgerufen und mein guter Major , der Herr Major von Werdeck , für den das Bataillon sein Leben in die Schanze schlägt , sagte mir : Hören Sie , Sandrart , ist es wahr , Sandrart , sagte er , daß Sie ein demokratisches Lied geblasen haben ? Herr Major , sagt ' ich , ich habe eine Melodie geblasen , auf die die Soldaten einen Vers sungen , der darauf paßte wie die Faust aufs Auge . Was blusen Sie ? fragte der Major . » Wenn ich in stiller Mitternacht « , sagte ich . Und was sungen die Soldaten ? » Was ist des Deutschen Vaterland ? « Darauf kehrte sich mein braver Major zu unserm Lieutenant um , sagte gar nichts , sondern nahm seinen Tschako ab . Das war prächtig ! Auf unserm Tschako haben wir jetzt nämlich zwei Cocarden , die von unserm Landesvater und die vom deutschen Vaterland . Da sagte er gar nichts , sondern zeigte blos auf die kleine Cocarde , daß die noch gälte und er ging dann seiner Wege . Der Lieutenant warf mir aber einen giftigen Blick zu und wird mir ' s wol noch gedenken . Lieber Vater , es ist hier nicht Alles so , wie es sein sollte . Unser Fürst Egon ist Minister geworden . Ich sah ihn heute früh in die Kammer fahren . Er sah schon recht blaß aus . Den werden sie bald mürbe kriegen ! Adie , lieber Vater ! Sie brauchen mir vor Weihnachten nichts mehr zu schicken , seien Sie nur freundlich mit Franziska und grüßen Sie sie von mir , auch Herrn Armand , der jetzt auf dem Schlosse ist , aber bald wiederkommen wird . Er ist Franziska zugethan und sie hat ihn gern , das weiß Gott ! Leben Sie wohl , lieber Vater , und bleiben Sie noch lange am Leben ! Dies wünscht Ihr Sie aufrichtig liebender Sohn Heinrich Sandrart , Sergeant in der dritten Compagnie , Leibregiment . « Der Eindruck dieses Briefes war auf jeden der drei Anwesenden ein andrer . Ackermann schien erst an den naiven Wendungen und dem gutmüthigen Charakter des jungen Bauernsohnes den lebhaftesten Gefallen zu haben , stockte aber am Schluß bei der Stelle über die Nachricht von Egon ' s schwieriger Stellung und seinem bedenklichen Aussehen . Auch Louis hörte die Mittheilung voll Besorgniß , war aber von dem gläubigen , vertrauenden Tone seines Nebenbuhlers beschämt , während er sich vorwurfsvoll sagte : Wie unwahr bist Du ! Wie grausam und wie thöricht ! Der Bauer aber , der eben , als der Brief zu Ende ging , sich anschicken wollte , auf die verdammte demokratische Richtung seines Sohnes loszuwettern , erschrak über den Schluß , bei welchem Ackermann im Lesen auf Louis Armand deutete , so sehr , daß er in Verlegenheit gerieth , jetzt erst zu begreifen , wen er vor sich hatte ! Den bekannten Freund des Prinzen ! Den Abgesandten desselben Egon , den er auf der Landstraße einst zu sich genommen hatte , in seinem Wagen in die Stadt führte und für einen Landstreicher hielt und so behandelte ! Er hatte Ackermann oft genug davon erzählt , mit Beklommenheit sich von Heunisch und Herrn von Zeisel berichten lassen , was Se . Durchlaucht selbst über diesen Vorfall gemunkelt hätten und nun war dies jener im ganzen kleinen Fürstenthume bekannte Freund und Gefährte der sonderbaren Jugendschicksale des Fürsten , der , wie Alle einstimmig versicherten , ein einfacher Tischlergesell sein sollte . Vor Erstaunen blieb ihm der Mund offen . In seiner Verlegenheit hätt ' er gern dem Franzosen einen Beweis seiner Achtung , auch gern einen Einblick in seine gute Lage geben mögen . Er sprach von einem Staatszimmer , das er hätte sollen aufschließen lassen und äußerte sogar etwas von Wein , den er doch im Keller hätte . Da kommt es heraus ! sagte Ackermann , der wieder zu seiner Laune zurückkehrte . Nun schämt er sich , daß er uns so bärbeißig empfangen hat ! Am besten , Nachbar , könnt Ihr es dadurch gut machen , daß Ihr diesen freundlichen Herrn ersucht , bei dem Fränzel , das ich nun auch kennen lernen muß , ein gutes Wort für Euern Sohn einzulegen , damit der arme Flötenbläser , der für den König nicht zu taugen scheint , erhört wird , seinen Abschied nimmt und hier zum Vater herzieht . Eine Probe ihrer Liebe soll die sein , daß sie noch drei Jahre mit Euren heißen Kachelöfen , in deren Nähe eine luftliebende Lunge umkommen kann , vorlieb nimmt . Ne ! sagte der alte Bauer wieder mit demselben Ausdruck bestimmter , ruhiger und kalter Malice . So nicht ! Eigensinniges Volk , das Ihr seid ! polterte Ackermann und brach nun auf . Kommen Sie , Freund , es ist hier zu heiß . Der Bauer begleitete mit vieler Umständlichkeit und dem Drange , sich eigentlich jetzt erst recht lebhaft mit dem jungen Franzosen zu verständigen , seinen Besuch vor die Thür und über den Hof . Es regnete nicht mehr . Der Weg war nur zu schlecht , sonst hätt ' er Louis gern ausführlicher über seinen Sohn , ob er ihn kenne , wo er ihn gesehen hätte , wie