und ihnen bequemen Ruf der Armut durch eine gewisse Passivität geschickt aufrecht zu erhalten wissen , so auch die Teupitzer . Solche vielbedauerten » kleinen Leute « leben glücklich-angenehme Tage , und unbedrückt von den Mühsalen der Gastlichkeit oder der Repräsentation , lächeln sie still und vergnügt in sich hinein , wenn sie dem lieben , alten Satze begegnen , daß » geben seliger sei denn nehmen « . Um zwölf Uhr nachts geht oder ging wenigstens die Post , die die Verbindung zwischen Teupitz und Zossen und dadurch mit der Welt überhaupt unterhielt . Zossen ist der Paß für Teupitz : » es führt kein andrer Weg nach Küßnacht hin « . Während der ersten anderthalb Meilen haben wir noch Chaussee , deren Pappeln , soviel die Mitternacht eine Musterung gestattet , nicht anders aussehen als andern Orts , und erst bei Morgengrauen biegen wir nach links hin in die tiefen Sandgeleise der recht eigentlichen Teupitzer Gegend ein . Es ist ein ausgesprochenes Heideland , mehr oder weniger unsern Weddingpartien verwandt , wie sie vor hundert oder auch noch vor fünfzig Jahren waren . Selbst die Namen klingen ähnlich : » Sandkrug , Spiesberg « und » der hungrige Wolf « . Immer dieselben alten und wohlbekannten Elemente : See und Sand und Kiefer und Kussel ; aber so gleichartig die Dinge selber sind , so apart ist doch ihre Gruppierung in dieser Teupitzer Gegend . Die Kiefer , groß und klein , tritt nirgends in geschlossenen Massen auf , nicht en colonne steht sie da , sondern aufgelöst in Schützenlinien . Und die Dämmerung unterstützt diese Vorstellung eines Heerlagers . Auf der Kuppe drüben stehen drei Vedetten und lugen aus , am Abhang lagert eine Feldwacht und eine lange Postenkette von Kusseln zieht sich am See hin und reicht einem andern Lagertrupp die Hand . Dazwischen Sand und Moos und dann und wann ein Ährenfeld , dünn und kümmerlich , ein bloßer Versuch , eine Anfrage bei der Natur . Inzwischen ist es am Horizont immer heller geworden . Das Grau wurde weiß , das Weiß isabell- und dann rosenfarben , und nun schießt es wie Feuerlilien auf . Der Sand verschwindet , Wasser- und Morgenkühle wehen uns an , und während der Sonnenball hinter einem alten Schloßturm aufsteigt , fahren wir in die noch stille Straße von Teupitz ein . Der Wagen hält vor dem » Goldnen Stern « , an dessen Laubenvorbau der Wirt sich lehnt , seines Zeichens ein Bäcker . Ich nehm ' es als eine gute Vorbedeutung , denn unter allen Gewerksmeistern steht doch der Bäcker unserm innern Menschen am nächsten . Er weist mich auch freundlich zurecht ; ein Lager ist leicht gefunden und dem Müden noch leichter gebettet . Durch das Gazefenster zieht die Luft , die Akazie draußen bewegt sich hin und her , und die Tauben auf dem eingerahmten Geburtstagswunsch am Bettende werden immer größer . Und nun fliegen sie fort und – meine Träume fliegen ihnen nach . Aber nicht auf lange . Das Picken des Nagelschmieds von der Ecke gegenüber weckt mich , und während die Frühstücksstunde kommt und die braunen Semmeln neben die noch braunere Kanne gestellt werden , setzt sich die Sternwirtin zu mir und unterhält mich von Teupitz und dem Teupitzer See . » Ja « , so sagt sie , » was wäre Teupitz ohne den See . Wir wären längst ein Dorf , wenn wir das Wasser nicht hätten . Freilich wir dürfen nicht mehr drin fischen , die Fischereigerechtigkeit ist verpachtet , aber das Wasser ist uns mehr als alles was drin schwimmt . Mit gutem Winde fahren wir in sechs Stunden nach Berlin und alles was wir kaufen und verkaufen , es kommt und geht auf dem See . Wir bringen keine Fische mehr zu Markte , denn wir haben keine mehr , aber Garten- und Feldfrüchte , Weintrauben und Obst , und Holz und Torf . Das gibt so was wie Handel und Wandel , mehr als mancher denkt und mehr als wir selber gedacht haben . Große Spreekähne kommen und gehen jetzt täglich , das machen die neuen Ziegeleien . Überall hier herum liegt fetter Ton unterm Sand , und wenn Sie nachts über Groß-Köris hinaus bis an den Motzener See fahren , da glüht es und qualmt es rechts und links , als brennten die Dörfer . Öfen und Schornsteine , wohin Sie sehen . Meiner Mutter Bruder ist auch dabei . Er wird reich , und alles geht nach Berlin . Viele hunderttausend Steine . Immer liegt ein Kahn an dem Ladeplatz , aber er kann nicht genug schaffen , so viel wie gebraucht wird . Ich weiß es ganz bestimmt , daß er reich wird , und andere werden ' s auch . Aber daß sie ' s werden können , das macht der See . « Die Sternwirtin verriet hier eine bemerkenswerte Neigung , sich über die Vermögensverhältnisse von » ihrer Mutter Bruder « ausführlicher auszulassen , weshalb ich , ohne jede Neugier nach dieser Seite hin , die Frage zwischenwarf : wem denn eigentlich der See gehöre , was er Pacht trage und wer ihn gepachtet habe ? » Der See gehört zum Gut . Zum Gut gehören überhaupt zweiunddreißig Seen , aber der Teupitzsee ist der größte . Der Fischgroßhändler in Berlin , der ihn vom Gut gepachtet , zahlt achthundert Taler und die Teupitzer Fischer , die hier fischen und die Fische zu Markte bringen , sind nicht vielmehr als die Tagelöhner und Dienstleute des reichen Händlers . Meiner Mutter Bruder .... « » Achthundert Taler « , unterbrach ich , » ist eine große Summe . Ich kenne Seen , die nur vier Taler Pacht bezahlen . Ist der Teupitzsee so reich an Fischen ? « » Ob er ' s ist ! Die Stadt führt nicht umsonst einen Karpfen im Wappen . Unser See hat viel Fische und schöne Fische ; freilich wenn der Zanderzug fehlschlägt – « »