daher vom hochaufwogenden Pontus an den Felsenschlössern vorüber , den genuesischen Castellen , von Murad IV. wieder erneut , - jetzt Anatoli- und Rumili-Kawak geheißen , - wo einst die eherne Kette den Eingang zu Byzanz den thracischen Räubern wehrte , wo über der Kapelle der heilgen Maria von den Zinnen des Furris Timäa das Feuerbecken hoch durch die Nacht den Schiffern im Pontus leuchtete ; - über den geheiligten Hain von Petra rauscht er , dessen Bäume die Axt nicht berühren darf , damit das mächtige Wasserbecken nicht vertrockene , das Werk des Comnenen Andronikus , das noch heute das große Byzanz tränkt ; - über das große Thal von Buyukdere , wo neben den sieben Platanen der sieben Brüder die stolzen Flaggen der europäischen Ambassaden sich brüsten . Oder er streift drüben am asiatischen Ufer das Ancyräum , von dem Jason seine Anker mitnahm , die bythinianischen Berge des Olymp , wo der Argyrer Phrygos den Tempel der zwölf Götter baute , Poseidon seinen Altar hatte und die Heruler mit ihrer Flotte ankerten ! An Hieron treibt er die Wogen hin , wo unter Kaiser Romanos 942 der Patrizier Theophanes die Schiffe der Russen schlug , die jetzt die letzten Freunde seines geknechteten Volkes sind ; wo die Genuesen und Venetianer1 ihre ehrgeizigen Kämpfe um die Herrschaft des alternden Byzanz fochten ; wo die türkische Mythe das antike Bett des Herkules zum Riesengrabe Josua ' s gewandelt , das von Derwischen bewacht wird ; - stößt , weiterstreichend , an das Vorgebirge Argyconium mit seinen phantastischen Schlössern der Sultana ' s , berühmt als Unkiar Skelessi , wo am 26. Juni 1853 , im Angesicht der lagernden russischen Armee , jener Tractat geschlossen wurde , der die Dardanellen den Flotten England ' s und Frankreich ' s sperrte und die Ursache des großen Kampfes geworden ist . Diesseits aber bricht sich der kühlende Luftzug , der Strom der Wellen in der Bucht von Therapia , ehe Beide weiter fluthen . Therapia - Pharmacia - wo Medea ihr Gift auf die Küste streute , Perle des Bosporus , wo die fürstlichen Familien des alten Byzanz ihre Sommerpaläste bauten und in den kühlenden Lüften des Pontus schwelgten ! Therapia , dessen Wässer so oft das Blut der Venetianer und Genuesen röthete , wohin Nicolo Pisano sich flüchtete , als er am 13. und 14. Februar 1352 mit dem Feind und den Stürmen gekämpft : - sei mir gegrüßt , lieblichste Bucht des lieblichen Bosporus am Thale der kühlen Quelle , wie Dein leuchtendes Bild vor meiner erinnernden Seele steht ! - - - Nahe dem Palast , den Fürst Ypsilanti erbaut und der jetzt zu einem französischen Lazareth eingerichtet worden , taucht ein stattliches , im orientalischen Styl gebautes , Landhaus den kurzen Mauervorsprung seines untern Stockwerks in die zum goldenen Horn eilenden Wogen . Zur Seite öffnet sich , wie bei all ' diesen Villen , welche die Ufer des Bosporus zieren , das Wasserthor zum Einlaß der Kaïks , und das Haus umgeben , auf der Rückseite von hoher Mauer eingeschlossen , Terrassen mit Oleander , Geranium , Myrthen und Lorbeer bedeckt . Die erste Terrasse trägt , an das Vorderhaus stoßend , einen großen Pavillon . In diesen Winkel des Edens von Constantinopel hat sich der tiefe Kummer und die zügelloseste Lust geflüchtet . Der griechische Banquier , dem das Haus gehört und der das Reich bis zu Ende des Krieges verlassen mußte , hat es durch seinen bulgarischen Agenten vermiethet ; den geräumigen , mit einem besonderen Ausgang versehenen , Seiten-Pavillon bewohnt der englische Baronet mit dem kranken Griechen , dessen Erwachen aus dem lethargischen Zustand er - selbst ein Schatten und dem Grabe verfallen - hartnäckig bewacht , gemeinsam mit dem jungen Araber , der seinem Gefangenen hierher gefolgt . In dem ersten Geschoß des Vorderhauses aber wohnt Celeste Bibesco , die Geliebte des Garde-Capitains Grafen Bretanne , der im mißlungenen Sturm der Verbündeten auf den Malachof am 18. Juni verwundet , sich an die Ufer des Bosporus hat bringen lassen , um hier unter der Pflege von Frauenhand zu genesen . Die schöne Lorette ist nicht blos mehr die Geliebte des reichen Offiziers ; das Testament Alfred de Sazé ' s hat sie selbst zur Besitzerin von Reichthum gemacht , den sie bereits mit vollen Händen zur Befriedigung all ' ihrer Lüste und Launen verschwendet . In der Wohnung der übermüthigen Coquette und ihres ausschweifenden Beschützers feiern jede Freude , jeder wollüstige Genuß des Orients ihre nächtlichen Orgien , während die Hitze des Tages die Bewohner im Schutz ihrer luftigen Gemächer an ' s Lager oder in die kühlen Baderäume fesselt . Es ist Mitternacht - die Jalousieen des großen Gemachs , das , nach orientalischer Sitte , den ganzen Flügel des Hauses einnimmt , sind geöffnet und lassen durch die schützende Hülle der Muskitairs die köstliche milde Seeluft eindringen . Eine Tafel , bedeckt mit den feurigen Weinen von Cypern und Santorin , dem dunklen Olymp , Bordeaur , Scherbet und Champagner in großen Eiskufen , mit prächtigen dunkelglühenden Trauben von Brussa , den süßen Pfirsichen von den Felsenwänden des Hellespont und den Feigen von Smyrna ; besetzt mit den schwelgerischen Confitüren , die auf Chios aus Rosenblättern und Geranium , Quitten und Mastix bereitet werden , - steht in der Mitte des halb europäisch , halb asiatisch möblirten und rings an den Wänden mit breiten Divans umgebenen Saales . Sechs Paare befinden sich darin in höchst ungenirten Situationen . Der Zustand der Tafel , die zerbrochenen Gläser und Teller , die auf dem Boden umhergeworfenen seidenen Kissen der langen Divans an den Wänden , der tolle Uebermuth der Einen und die stumpfe schlaftrunkene Haltung der Andern beweisen , daß die Orgie schon stundenlang gedauert hat . Zwei Mänaden , die Verderbniß des Occidents und des Orients gleichsam repräsentirend , führen den Vorsitz . An dem untern Ende des Tisches , auf den weichen indischen Matten , ruht die junge Smyrniotin , die