der Nachbarschaft will sehen lassen . Jetzt grade nicht ! Aber , Nachbar , wie ist mir denn , so viel ich weiß , ist das Mädchen Eurem Sohne nicht einmal zugethan . Jeder Brief , den ich Euch vorlesen muß , erzählt von seinem Kummer , daß es Fränzchen mit ihm nicht mehr mag wie sonst . Heimtückerei ! sagte Sandrart . Sie wird wol Gott danken , wenn sie meine Permission kriegt . Mit dem Förster ! Mit denen da in dem Forsthaus verwandt ? Mit dem Blinden in der Schmiede ? Die haben Geld ! Wer weiß , wie gewonnen ! Landläuferisches Volk ! Wenn mir der Heinrich so käme ... wozu hab ' ich denn das Haus aufgerichtet , das Ihr bewohnt , Nachbar ? Wozu ließ ich ihn , den Jungen , denn was lernen , lesen , schreiben , rechnen ; er bläst Flöte ... er wird Soldat ... das mußt ' er ... nimmt seinen Abschied , er bringt mir ein Mädchen zu aus Randhartingen oder Schönau , wo die fettesten Bauern sitzen . Will ich sie doch hier nicht in dies alte Haus führen , obgleich es vor zehn Jahren erst renovirt ist , ich lege den Bau da oben an und nun , für wen ? für die da im Forsthause ? Nein ! Dies Nein hatte etwas im Ton , das man nur mit fletschenden Zähnen hervorbringen konnte . Der Alte war gewiß fern von aller ursprünglichen Bosheit , aber im Punkte seines Stolzes und seines Eigennutzes kannte er nichts , was seine Empfindung milderte . Vorläufig hoff ' ich , sagte Ackermann , daß Euer Sohn General wird und seinen Abschied erst auf dem Felde der Ehre nimmt . Das von wegen des Hauses . Nun , sagte Sandrart beschwichtigend , für drei Jahre , Nachbar , ist ' s ja Euer ! Wenn er eine brächte der Heinz , die mir gefällt , muß sie erst noch ... Hier hinter dem grünen Kachelofen mit Euch schmoren , unterbrach ihn Ackermann . Ich sag ' Euch , Nachbar , gebt Euren Eigenwillen auf ! Der Heinz thut einmal nicht , was Euch gefällt . Was habt Ihr ihn Flöte blasen lassen ! Wer Flöte bläst , Alter , setzt sich hier nicht im Winter unter Eure Lerchen da im Bauer , die bei jedem Sonnenblick denken : draußen ist Frühling und stoßen sich den Kopf , weil sie singen wollen ! Der sucht die Lerchen draußen auf dem Feld ! Rechnet doch auf Kinder nicht , die sich verlieben und im Kummer Flöte blasen können ! Seid froh , wenn ihn nicht das Auswanderungsfieber befällt ... Das wäre ? sagte der Alte zum Tod erschrocken . Nun ? Ein Vagabund ! Oho ! Ja so , Nachbar ! Vergebt ! Das hatt ' ich ganz vergessen ... Ihr war ' t auch draußen . Aber ... lest mir den Brief , wenn Ihr die Güte haben wollt ! Ackermann nahm das Papier , das der Bauer in Händen hatte , warf einen verstohlnen Blick auf den mannichfach bewegten Louis und las ein Schreiben vor , in welchem zuvörderst nur von Schinken , Würsten , Butter und Käse die Rede war . Der Feldwebel ließ danken , drei Unteroffiziere dankten , Alle versorgte der Bauer aus dem Ullagrunde mit Lebensmitteln . » Vater , hieß es aber nun weiter , Vater , ich muß Sie recht um Gottes Willen bitten , seien Sie christlich mit der Franziska , die nun jetzt doch zu ihrem Onkel nach Plessen ist ! Sie hat von mir in Güte Abschied genommen und mir gesagt : Sandrart , wenn ich im Frühjahr noch lebe und Sie kommen zu Ihrem Vater , so will ich Ihnen recht gut werden , wie eine Schwester . Ich weiß nun auch , daß sie gern einen Andern möchte lieber leiden , aber ich habe doch von Märtens , die grüßen lassen , auf Ehre und Seligkeit gehört , daß es bei dem nur guter Wille ist und Freundschaft , aber keine reelle Absicht . Sagen Sie ja in das Försterhaus hinein , daß ich Franziska grüße und ihr wünsche , daß ihr die Zeit nicht sollte lang werden bis zum Frühjahr und daß ich keinen Ball in diesem Winter besuche . Lieber Vater , ich habe dieser Tage ein großes Malheur können haben . Ich muß es Ihnen doch auch schreiben , was es war . Es war wieder , wo ich Ihnen schon öfters geklagt habe , von wegen meinem Lieutenant . Ich hatte , weil die Franziska nun abgereist ist , die Flöte mitgenommen in die Kaserne und Alle hören gern , wenn ich manchmal des Abends blase . So blas ' ich vorgestern Abend um fünf Uhr , wie ' s schummrig ist , und da kommt der Lieutenant hereingestürzt und der Portepéefähnrich auch und sie fluchen ein Donnerwetter über das andre , weil ich hätte ein demokratisches Lied geblasen . Das war aber nur die Melodie gewesen , die ich ... Ackermann meinte , hier wäre etwas verwischt . Blus ! sagte der Bauer ; blus - blus - heißt es wol . Blus ? Blus ! Blus ! wiederholte der Alte . Nun ? setzte er drängend hinzu . Allein , fuhr Ackermann fort zu lesen , was ist es meine Schuld gewesen , daß die Soldaten nun Alle laut ein Lied sangen , das auf diese Melodie gar nicht gesetzt ist ? Der Lieutenant schimpfte uns einen Strauchbuben und Demokraten über den andern , worauf ich ärgerlich wurde und ihm etwas sagte , was er sagte , daß ich es ihm schon einmal gesagt haben sollte . Ich sagte aber nichts , als : Herr Lieutenant , wir sind jetzt nicht im Dienst ! Da wurde er fast toll , zog die Plempe und schrie , daß ich ein Landesverräther und alle Tage wol capabel wäre , dem König meinen Eid zu brechen