ward . Es ging dann viel heitrer hier her , als man jetzt wohl beim Anblick dieser weißgetünchten Öde glauben möchte . Frauen waren ausgeschlossen . Es war ein Männerfest . Zwanzig bis dreißig Offiziers , meist alte Generale , die unter Eugen und Marlborough mitgefochten hatten , saßen dann um den Tisch herum und Rheinwein und Ungar wurden nicht gespart . Der » starke Mann « mußte kommen und seine Kunststücke machen ; zuletzt , während die Lichter flackerten und qualmten und die Piqueurs auf ihren Jagdhörnern bliesen , packte der König den alten Generalleutnant von Pannewitz , der von Malplaquet her eine breite Schmarre im Gesicht hatte , und begann mit ihm den Tanz . Dazwischen Tabak , Brettspiel und Puppentheater , bis das Vergnügen an sich selbst erstarb . Wir treten nun aus diesem Eßsaal wieder in die Halle zurück . Zur Linken derselben befinden sich ebenfalls zwei Zimmer , die Zimmer der Königin . Sie sind verhältnismäßig noch wohl erhalten und geben einem ein deutliches Bild von der » Elegance « jener Tage . Beide Zimmer sind durch eine Tür von Eichenholz miteinander verbunden , wie denn auch niedrige Eichenholzpaneele die Wände bekleiden , während in den vier Ecken oben vier Lyras angebracht sind , die so geniert dreinsehen , als befänden sie sich lieber wo anders . Und doch haben sie wenigstens Gesellschaft : zwei Basreliefs ( in jedem Zimmer eins ) , die sich als Wandschmuck zwischen Kamin und Decke schieben . Das eine stellt eine » Toilette der Venus « , das andere eine » Venusfeier « dar . Auf jenem erblicken wir nichts als die herkömmlichen Amoretten , schnäbelnde Tauben , Rosengirlanden usw. , das zweite dagegen tut ein übriges und nackte Gestalten von ganz unglaublichen Formen umtanzen eine Venusstatue , während ein Satyr von hinten her eine Bacchantin umklammert und die Widerstrebende zum Tanze zwingt . An anderem Orte würde dieser lustige Heidenspuk wenig bedeuten , hier im Schlosse zu Wusterhausen aber nimmt er sich wunderlich genug aus und paßt seltsam zu dem Waschbecken drüben mit dem dicken steinernen Stöpsel . Das erste dieser Zimmer , das sich mit der » Toilette der Venus « begnügt , führt durch eine Seitentür auf eine Art Rampe , die ziemlich steil nach dem Park hin abfällt . Diesen Weg machte wahrscheinlich der König , wenn er in seinem Gichtstuhl in den Garten hinein und wieder zurückgerollt wurde . Bekanntlich war Treppensteigen nicht seine Sache . Wir aber treten jetzt ebenfalls ins Freie hinaus und atmen auf im Sonnenlicht und in dem Wiesendufte , den eine Luftwelle herüberträgt . Eine mächtige alte Linde , hart zu Füßen der Rampe , ladet uns ein , unter ihrem Zweigwerk Platz zu nehmen , und wir sitzen nun mutmaßlich unter demselben Blätterdach » unter dem die Damen , wenn ' s regnete , bis an die Waden im Wasser saßen « . Die Parkwiese liegt vor uns , Hummel und Käfer summen darüber hin und das Mühlenfließ uns zur Rechten fällt leis über das Wehr . Träume nehmen den Geist gefangen und führen ihn weit weit fort in südliche Lande , zu Tempeltrümmern und Götterbildern . Aber ein Satyr lauscht plötzlich daraus hervor . Es ist derselbe , der der tanzenden Bacchantin da drinnen im Nacken sitzt und siehe , die Prosabilder von Schloß Wusterhausen schieben sich plötzlich wieder vor die Bilder klassischer Schönheit . Hatte die Memoirenschreiberin doch recht ? Ja und nein . Ein prächtiger Platz für einen Weidmann und eine starke Natur , aber freilich ein schlimmer Platz für ästhetischen Sinn und einen weiblichen esprit fort . 2. Teupitz 2. Teupitz Winde hauchen hier so leise , Rätselstimmen tiefer Trauer . Lenau Teupitz verlohnt eine Nachtreise , wiewohl diese Hauptstadt des » Schenkenländchens « nicht das mehr ist , als was sie mir geschildert worden war . All diese Schilderungen galten seiner Armut . » Die Poesie des Verfalls liegt über dieser Stadt « , so hieß es voll dichterischen Ausdrucks , und die pittoresken Armutsbilder , die mein Freund und Gewährsmann vor mir entrollte , wurden mir zu einem viel größeren Reiseantrieb , als die gleichzeitig wiederholten Versicherungen : » aber Teupitz ist schön . « Diesen Refrain überhörte ich oder vergaß ihn , während ich die Worte nicht wieder loswerden konte : » das Plateau um Teupitz herum heißt › der Brand ‹ , und das Wirtshaus darauf führt den Namen › der tote Mann ‹ . « Ich hörte noch allerhand anderes . Ein früherer Geistlicher in Teupitz sollte bloß deshalb unverheiratet geblieben sein , » weil die Stelle einen Hausstand nicht tragen könne « , und ein Gutsbesitzer , so hieß es weiter , habe jedem erzählt : » ein Teupitzer Bettelkind , wenn es ein Stück Brot kriegt , ißt nur die Hälfte davon ; die andere Hälfte nimmt es mit nach Hause . So rar ist Brot in Teupitz « . All diese Geschichten hatten einen Eindruck auf mich gemacht . Zu gleicher Zeit erfuhr ich , König Friedrich Wilhelm IV. habe gelegentlich halb in Scherz und halb in Teilnahme gesagt : » die Teupitzer sind doch meine Treuesten ; wären sie ' s nicht , so wären sie längst ausgewandert « . Dies und noch manches der Art rief eine Sehnsucht in mir wach , Teupitz zu sehen , das Ideal der Armut , von dem ich in Büchern nur fand , daß es vor hundert Jahren zweihundertachtundfünfzig und vor fünfzig Jahren dreihundertzweiundsiebzig Einwohner gehabt habe , daß das Personal der Gesundheitspflege ( wörtlich ) » auf eine Hebamme beschränkt sei « , und daß der Ertrag seiner Äcker 1 1 / 4 Sgr . pro Morgen betrage . Angedeutet hab ' ich übrigens schon , und es sei hier eigens noch wiederholt , daß ich die Dinge doch anders fand , als ich nach diesen Schilderungen erwarten mußte . Wie es Familien gibt , die , trotzdem sie längst leidlich wohlhabend geworden sind , den guten