würde ! sagte er zum Bruder , den er - nicht Du nannte ... Die Gültigkeit der betrügerisch geschlossenen Ehe des Kronsyndikus mußte wiederholt zur Sprache kommen ... Geld würde es auf alle Fälle reichlich kosten , sagte er , bis die Sacra-Dataria in Rom , natürlich erst nach dem Tod des Dechanten , zu Ihren und Angiolinens Gunsten Ihre Deutungen des kanonischen Rechts geltend machte ... Auch in unserm Land würde dann die Anerkennung nur ein Gnadenact der Krone sein können , der sich kaum verbürgen ließe , da die Herzogin von Amarillas nicht einmal die Klägerin ist ... Sie wird sich hüten , das Verbrechen der Bigamie auf sich zu laden ... Sie wird immer sagen , daß sie zuletzt den Betrug durchschaut hätte ... Ich bin begierig auf Ihre Begegnung mit ihr ... Die Auffassungen des Präsidenten widerstrebten zwar einer Verbindlichkeit derjenigen Ergebnisse nicht , die etwa Benno von einer Begegnung mit seiner Mutter heimbringen würde , nannten aber die katholische Lehre von der Ehe gefahrvoll und den bekannten Ehen des Schmieds von Gretna-Green nicht im mindesten unähnlich ... Julius Cäsar von Montalto war ein von der Mutter hergenommener Name , die sich Maldachini nur als Sängerin nannte ... Bonaventura vertheidigte die Einfachheit der katholischen Ehe ... Sie ist ein letzter Rest der apostolischen Zeit ... sagte er ... Die bürgerliche Gemeinde war damals die Kirche und die Kirche war die bürgerliche Gemeinde ... Zwei Liebende sagten vor dem gemeinschaftlichen Genuß des Abendmahls : Wir sind Eins ! und keine Macht der Erde konnte sie trennen ... Leider auch die Kirche nicht mehr ! ... setzte der Präsident seufzend hinzu ... Gewiß sollte dann auch hier der eigene Wille höher stehen als ein Mysterium , das ein Mysterium zu sein aufhört , wenn sein Duft verflogen ist , die Liebe ... Die eignen Familienbeziehungen wurden für die Fortsetzung des Gesprächs zu schmerzlich ... Den heftigen Anklagen des Präsidenten gegen Terschka , Rom , die Jesuiten , Nück konnten die Freunde nicht widersprechen ... Auch hier hatte Friedrich von Wittekind Zusammenhänge , deren Kenntniß ihm nur aus amtlichen Quellen gekommen sein konnte ... Dennoch rieth er Benno , Nück nicht ganz aufzugeben und jedenfalls die Reise nach Wien im Auftrag der Dorste ' schen Agnaten zum äußern Anlaß seiner weitern südlichen » Entdeckungsfahrt « zu machen ... Nur lassen Sie sich kein rothes Kreuz aufheften , um in päpstliche Dienste zu treten ! fügte er hinzu ... Wenn Sie indeß von Nück an den Staatskanzler empfohlen werden , das nehmen Sie als interessante Reiseerinnerung ! ... Ich würde wie Posa reden ! ... scherzte Benno ... Thun Sie das ja nicht ! Dann gibt er Ihnen eine Anstellung ! entgegnete der Präsident ... Man stritt über diesen Scherz ... Der Präsident sagte : Glauben Sie mir , der Staatskanzler stellt jeden noch so freisinnigen Posa an , der von guter Familie und katholisch ist ... Es hat aber gute Wege damit ... Sprächen Sie ihn , Sie würden den klugen Mann so liebenswürdig finden , daß Sie nicht ein einziges freisinniges Wort gegen ihn aufbrächten ... Er wird sogar liberaler sein als Sie - wenigstens fürchtet er mehr als wir die Jesuiten ... Wenn er jetzt den Schein annimmt , Rom beizustehen , so ist es nur , um unsern Staat zu schwächen ... Aber auch das wird er in Abrede stellen und dem jugendlichen Sinn jede Zustimmung abschmicheln ... Bonaventura und Benno blieben Welfen - nicht im hierarchischen Sinn , sondern so wie Bonaventura einst zu Klingsohr hatte sagen können : » Nichts will im Grunde die Freiheit der Völker und des Menschen mehr , als die katholische Kirche ! « ... Der Präsident besuchte , zur Beruhigung des Dechanten , noch Kocher am Fall ... Er hatte sich als Beamter zur Disposition stellen lassen , weil seine Erbschaft ihn zu sehr in Anspruch nahm ... Einige Wochen später war Benno zur Abreise bereit ... Bonaventura hatte kein Wort von Paula gehört ... Ihre ekstatischen Zustände dauerten fort , aber ihn selbst schien sie aus ihrem Leben gestrichen zu haben ... Es lag eine seltsame Strenge , eine Strafe in diesem Schweigen ... Er litt unsäglich ... Benno erhielt von Nück die Papiere , die dem Grafen Hugo vorzulegen waren . So sehr er sich dagegen sträubte , mußte er dennoch Depeschen an Ceccone und den Staatskanzler mitnehmen ... Er konnte dies in der Fülle der ihm übergebenen Aufträge nicht ablehnen ... Der Dechant empfahl ihn an alle seine alten wiener Freunde und besonders Einen , bei dem er wohnen sollte ... Benno nahm dies an , obgleich er einsah , daß es ihn sofort nach Rom ziehen würde ... An die Möglichkeit , daß und in welcher Form Ceccone wagen könnte , die Herzogin von Amarillas sich nachkommen zu lassen , konnte niemand von den enger Verbundenen glauben ... Thiebold blieb außerhalb aller dieser Geheimnisse und litt unter der Trennung von Benno wie ein Liebender unter der Trennung von seiner Geliebten ... Sein » Halt « , seine » Führung « war dahin ... Doch zerfloß er nur in jene bekannte Sentimentalität , die sich vor dem Uebermaß der Selbstrührung durch Poltern zu bewahren sucht ... Er packte Benno ' s Koffer , revidirte seine Garderobe und zerstörte ihm seine alten Brieftaschen , Haar- und Nagelbürsten , um ihm nur ein prachtvolles englisches Reisenecessaire zum Andenken mitgeben zu dürfen ... Nicht ebenso » unausstehlich « aufmerksam , aber theilnehmend waren auch alle andern Bekannte Benno ' s ... Nur Piter hatte sich seit einiger Zeit zurückgezogen ... Noch am Abend vor Benno ' s Reise kam Thiebold zu Bonaventura ins Domkapitel , wo er hoffen konnte Benno zu finden , und erzählte athemlos einen » schönen Skandal « ... Piter hatte Treudchen Ley gewaltsam aus dem Kloster entführt ... Denken Sie sich , erzählte er , Piter soll bereits schon einmal im Kloster gewesen sein und zwar auf welchem hoffentlich » nicht mehr ungewöhnlichen « Wege