Er stand da , mondbeschienen , mit der friedlichsten Miene von der Welt , eher an Idyll und goldene Zeit als an Fegfeuer und Hölle gemahnend . Es war noch nicht spät und der Weg nicht zwei Minuten weit . So beschloß ich noch einen Abendbesuch zu machen und die jetzt freilich von holdem Dämmer umwobene Wirklichkeit des Schlosses mit der Beschreibung seiner ehemaligen Bewohnerin zu vergleichen . Ich trat in den weiten Vorhof ein . Da lagen die Flügel rechts und links , vor mir Brück ' und Graben , und dahinter , großenteils versteckt , das Schloß selbst . Die Bären fehlten , der Springbrunnen auch . Keine Stufen zeigten sich mehr , auf denen irgendwer seine Abendpfeife hätte rauchen können ; nur eine weiße Pumpe stand inmitten eines Fliederbosketts und nahm sich besser aus , als Pumpen sonst wohl pflegen . Ich näherte mich der Brücke , von der aus ich die Fundamente des Schlosses in dunklen Umrissen , die Giebel aber , auf die das Mondlicht fiel , in scharfen Linien erkennen konnte . Was zwischen Giebel und Grundmauer lag , blieb hinter Bäumen versteckt . Der » Styx « existierte nicht mehr ; halb zugeschüttet war aus dem Graben ein breiter Streifen Wiesenland geworden . Allerlei blühende Kräuter würzten die Luft und im Rücken des Schlosses , wo die Notte fließt , hört ' ich deutlich , wie das Wasser des Flüßchens über ein Wehr fiel . Ich kehrte nun in die Straße zurück und setzte mich unter die Linden des Gasthauses . Das war keine » Hölle « , was ich gesehn , oder aber die Beleuchtung hatte Wunder getan . Der Wirt setzte sich zu mir , und angesichts des Schlosses , dessen Turmdach uns argwöhnisch zu belauschen schien , plauderten wir von Wusterhausen . In alten wendischen Zeiten stand hier ein Dorf namens » Wustrow « , eine hierlandes sich häufig findende Lokalbezeichnung . Als die Deutschen ins Land kamen , gründeten sie das noch existierende Deutsch-Wustrow zum Unterschiede von Wendisch-Wustrow , schließlich aber wurden beide Worte durch ein angehängtes » hausen « germanisiert und Deutsch- und Wendisch-Wusterhausen waren fertig . Wendisch-Wusterhausen , nur mit diesem haben wir es zu tun , wurde eine markgräfliche Burg . Sie verteidigte – wie » Schloß Mittenwalde « , von dem wir in einem der nächsten Kapitel sprechen werden – den Notteübergang und war eine der vielen Grenzburgen zwischen der Mark und der Lausitz . Wendisch-Wusterhausen blieb markgräfliche Burg bis gegen 1370 und es ist eher wahrscheinlich als nicht , daß der alte , von der Prinzessin als » Diebswinkel « bezeichnete Turm bis in jene markgräfliche Zeit zurückdatiert . Etwa 1375 kamen die Schlieben in den betreffenden Besitz , eine Familie , die damals in der Umgegend reich begütert war . Sie besaßen es ein Jahrhundert lang , auch während der Quitzowzeit , ohne daß besondere » Räubertaten « aus dieser ihrer Besitzepoche bekannt geworden wären . 1475 kauften es die Schenken von Landsberg , damalige Besitzer der Herrschaft Teupitz , aus deren Händen es , kleiner Mittelglieder zu geschweigen , 1683 an den Kurprinzen Friedrich , den späteren König Friedrich I. kam . Dieser aber überließ es 1698 seinem damals erst zehn Jahre alten Sohne , dem späteren König Friedrich Wilhelm I. Friedrich Wilhelm I. nahm Wendisch-Wusterhausen von Anfang an in seine besondere Affektion und hielt bei dieser Bevorzugung aus bis zu seinem Tode . Was es jetzt ist , verdankt es ihm , dem » Soldatenkönig « ; Straßen- und Parkanlagen entstanden und mit Recht wechselte der Flecken seinen Namen und erhob sich aus einem Wendisch-Wusterhausen zu einem Königs-Wusterhausen . Königs-Wusterhausen ist vielleicht mehr als irgendein anderer Ort , nur Potsdam ausgeschlossen , mit der Lebens- und Regierungsgeschichte König Friedrich Wilhelms I. verwachsen . Hier ließ er als Knabe seine » Kadetten « und einige Jahre später seine » Leib-Compagnie « exerzieren . Hier übte und stählte er seinen Körper , um sich wehr- und mannhaft zu machen , und hier , nach erfolgtem Regierungsantritte , fanden jene weidmännischen Festlichkeiten statt , die Wusterhausen recht eigentlich zum Jagdschloß par excellence erhoben . Hier auf dem Schloßhof , den jetzt die friedliche Pumpe ziert , war es , wo jedesmal nach abgehaltener Jagd den Hunden ihr » Jagdrecht « wurde . Das war die Nachfeier zum eigentlichen Fest . Der zerlegte Hirsch ward wieder mit seiner Haut bedeckt , an der sich noch der Kopf samt dem Geweih befinden mußte . So lag der Hirsch auf dem Hof , während hundert und mehr Parforcehunde , die durch ein Gatter von ihrer Beute getrennt waren , laut heulten und winselten und nur durch Karbatschen in Ordnung gehalten wurden . Endlich erschien der König , der Jägerbursche zog die Haut des Hirsches fort , das Gatter öffnete sich und die Meute fiel über ihr » Jagdrecht « her , während die Piqueurs im Kreise standen und auf ihren Hörnern bliesen . Wenigstens zwei Monate alljährlich wohnte König Friedrich Wilhelm I. in Wusterhausen . Spätestens am 24. August traf er ein und frühestens am 4. oder 5. November brach er auf . Die ersten acht Tage gehörten der Rebhuhnjagd , vorzüglich auf der Groß-Machnower Feldmark ; später dann folgten die Jagden auf Rot- und Schwarzwild . Zwei Festlichkeiten im größeren Stil gab es herkömmlich während der Wusterhausener Saison : die Jahresfeier der Schlacht bei Malplaquet am 11. September und das Hubertusfest am 3. November . Bei Malplaquet war der König , damals noch Kronprinz , zum ersten Mal im Feuer gewesen ; das erheischte , wie billig , ein Erinnerungsfest . Das Hubertusfest war zugleich das Abschiedsfest von Wusterhausen . Nur einmal fiel es aus , am 3. November 1730 . Am 28. Oktober , sechs Tage vor dem Hubertustag , hatte das Kriegsgericht in Schloß Köpenick gesessen , das über Kronprinz Friedrich und Katte befinden sollte . Hier in Wusterhausen spielten später die Hof- und Heiratsintrigen und hier schwankte die Waage bis zuletzt , ob