sagte er ... In dem Gewühl der Weltstadt war er dem Obersten von Hülleshoven , seinem Lebensretter , nur ein einziges mal begegnet und - ohne Armgart ... Letztere war auf dem Lande bei Lady Elliot ... Und da er erfuhr , daß auch gerade Terschka dort zum Besuch war , hielt er es für » unter seiner Würde « , sich dort anmelden zu lassen ... Nur die Gräfin Erdmuthe und Porzia Biancchi sah er in London und begleitete beide in ein Bibelgesellschaftsmeeting , zu dem sie vom Lande hereingekommen waren , und dann eine Strecke am Themseufer entlang auf der Rückreise nach dem Landsitz der Lady ... Er hätte , erzählte er , nur aus allem , was er mit ihr verhandelt , das Eine herausgehört , wie Terschka wieder in höchsten Gnaden bei ihr stünde ... Vom Obersten wußte schon Benno , daß seine kühle Gesinnung gegen den katholischen Glauben von den Erfahrungen herstammte , die er in Canada gemacht ... Das Leben in den Klöstern von Monreal hätte Anlaß zu gerichtlichen Untersuchungen gegeben und Hedemann hätte dann mit einer angeborenen pietistischen Anlage den Obersten auf ihren Reisen vollends angesteckt ... Auch Bonaventura erfuhr diese Mittheilungen ... Da sein Auge , träumerisch und irrend , immer nach dem Thal von Castellungo gerichtet war , so mußten die reformatorischen Bestrebungen auf dem Gebiet der katholischen Kirche mehr denn je Gegenstand auch der Unterhaltungen werden , zu denen er die Freunde öfters bei einem einfachen Mahl in seinen Zimmern einlud ... Benno ' s Gesichtspunkte waren ausschließlich politische ... Er sah in der Kirchenspaltung den Untergang Deutschlands ... Er haßte das Betonen kirchlicher Streitigkeiten und lehnte deshalb auch die Ansprüche ab , die der Protestantismus auf größere Vorzüglichkeit machte ... Wenn man den katholischen Glauben , sagte er , von dem Zwang , innerhalb kirchlicher Gemeinschaft leben zu müssen , befreien und die Verbindlichkeit der Autorität für die Freiheit des Gewissens aufheben könnte , so liegt eine freundlichere Lebensauffassung in all unsern Ceremonien , als im Pietismus ... Haben Sie in Gegenwart der Gräfin je eine wahre Freude über die Schönheit des Meeres und den blitzenden Spiegel der Wellen äußern dürfen , als Sie mit ihr die Rückreise machten , oder haben Sie irgendeinen weltlichen Gegenstand unbefangen nennen können ? Hedemann hat uns wenigstens in Witoborn auf jede natürliche Aeußerung unserer Empfindungen einen scheinbar frommen , im Grund aber rechthaberischen Dämpfer zu legen gewußt ... Bonaventura nannte indessen seinerseits die Erscheinung des Protestantismus nur deshalb unvollkommen , weil er nur durch das Bedürfniß , einen polemischen Gegensatz aufzustellen , hervorgerufen wäre ... Der Pietismus , sagte er , das ist ein Versuch , aus dem Protestantismus wieder zur Religion zurückzukommen ; denn Protestant sein , heißt nicht : Christ sein , sondern nur : Nicht-Katholik sein ... Und man müsse sich allerdings , fuhr er fort , eine Zeit denken können , wo auch der Katholicismus in seiner jetzigen Gestalt aufhörte ... Die Verbreitung der Philosophie würde dann bis in die kleinsten Hirtenthäler Spaniens und Siciliens gedrungen sein ... Ich verstehe , sagte er , unter Philosophie eine Aufklärung , die ihre Resultate mit verständlichen Allgemeinbegriffen in die Welt hinausgehen lassen kann ... Dann wird die Frage nur noch lauten : Was ist rein christlich ? ... Dann werden sich Protestanten und Katholiken begegnen müssen im apostolischen Gemeindeleben ... Auf welchem andern Grunde soll man sich zuletzt wieder die Hände reichen , als auf dem der Bibel ? ... Mit Thiebold ' s schüchterner , aber fast mit latentem Fanatismus hingeworfener Bemerkung zu Benno : » Vorausgesetzt daß man überhaupt kein Heide ist , wie denn doch wol mehr oder weniger Ihr Fall , mein bester Freund ! « schloß die Debatte im Scherz ... Ohne zu auffallende Erlebnisse , ohne ein Lebenszeichen von Westerhof , ohne die Ankunft der Gräfin Erdmuthe , nahte sich schon der Spätsommer ... Benno wurde indeß erkoren , der Ueberbringer der Pacten zu sein , die bereits die Agnaten der Familie Paula ' s , die Landschaft und die Curie von Witoborn dem Grafen Hugo zur Unterschrift vorlegen wollten ... Der Präsident von Wittekind , Bonaventura selbst waren an diesen Pacten betheiligt und jener erschien dann auch plötzlich in der Residenz des Kirchenfürsten ... Benno und Bonaventura wurden durch seinen Besuch in jeder Beziehung überrascht ... Kein stürmischer , aber auch kein kalter Gruß war es , mit dem er Benno in der That seinen - Bruder nannte ... In der darauf folgenden kurzen Umarmung lag ein ganzes Leben ... Die Sehnsucht Benno ' s , Mutter und Schwester kennen zu lernen , fand der sonst dem Abenteuerlichen wenig geneigte Mann natürlich ... Die Mittel , eine Reise nach Wien und Italien zu unternehmen , wurden reichlich von ihm dargeboten ... Das Band des Blutes zwischen beiden Männern war so eigenthümlich bedingt , daß sie sich anfangs ohne Wallung des Erröthens nicht ansehen konnten ... Die in solchen Lagen so oft vom Gemüth vorausgesetzte Gegenwart eines unsichtbaren Geistes , der vom Land der Seligen herüber die Hände zweier so widerstrebender Interessen ineinander legt mit dem Friedenswort : Seid einig ! konnte hier nicht vorausgesetzt werden ... Was sie umrauschte war der mitternächtige Flügelschlag der Eule ... Der Hinblick auf Wien - auf die gemeinsame - Schwester mehrte den unheimlichen , erschütternden Eindruck ... Der Präsident kam als Vertreter der Agnatenansprüche und als nächster Verwandter Paula ' s , er dachte über die Nothwendigkeit dieser Ehe ganz wie Monika ... Eine Schonung Bonaventura ' s , wenn sie ihm auch vielleicht als zu üben bewußt war , forderte nicht die Stellung eines Priesters und überhaupt eines solchen , wie sein Sohn ... Eher war die Erwähnung des Grafen Hugo um Benno ' s willen mislich ... Er erzählte von Angiolina , von der Herzogin von Amarillas , was er mit Vorbedacht erkundschaftet hatte . Sie werden vorziehen , den Namen der Asselyns für immer zu behalten und fortzupflanzen , da er ohne Sie aussterben