Werft und Haselbüsche , die den Bienen im April schon eine bevorzugte Nahrung boten ; im Mai dann begannen sommerlang die Wiesen zu blühn , bis endlich , von Monat August an , die weiten Heidekrautstrecken – gelegentlicher weißer Kleefelder ganz zu geschweigen – eine fast nicht auszunutzende Bezugs- und Nahrungsquelle schufen . Und wirklich , die daraus resultierenden Erträge waren zuzeiten sehr bedeutend , und das Dorf , das fast aus lauter Zeidlern und Beutnern bestand , erfreute sich trotz seiner Ackerarmut einer gewissen Wohlhabenheit . Der Schulzenhof hatte neunundneunzig Stöcke und so im Verhältnis bis zum Büdner und Tagelöhner herab . Ein Stock entsprach in guten Jahren einem Eimer Honig und den Eimer zu zehn Quart gerechnet , hätte der Schulzenhof in guten Jahren neunhundertundneunzig Quart Honig gewonnen . Von dieser Höhe nun ist Kienbaum freilich längst herabgestiegen . Der Bienenkonvent tagt nicht mehr inmitten des Dorfs und der Schulzenhof , der es sonst bis auf neunundneunzig Körbe brachte , begnügt sich jetzt mit neun . Der gewonnene Honig hat längst aufgehört ein Handelsartikel zu sein und spielt nur noch die Rolle des Surrogats . Er vertritt die Butter , die ( beinah mehr noch als der Zucker ) in einem armen Sand- und Heidedorfe , das seinen Viehstand schwer über eine Schafherde hinausbringt , begreiflicherweise zu den Luxusartikeln zählt . Das alte Wahrzeichen Kienbaums ist hin und seine Bienenherrlichkeit nicht minder , aber an die letztre erinnert noch mancherlei . Die Lokalität ist eben im wesentlichen dieselbe geblieben . Noch steht der Wald , noch blüht das Heidekraut rot über die Heide hin und noch schlängelt sich die Löcknitz durch üppige Wiesen , deren größte und bunteste bis diesen Tag den Namen der Zeidelwiese führt . Vielleicht , daß auch dies bald anders wird . Aber wenn auch Nam ' und Sache ganz hinschwinden sollten , das Dorf in der Heide , das abseits liegt und in seiner Armut niemanden auffordert , es in den großen Verkehr hineinzuziehn , es wird noch auf langhin ein Plätzchen bleiben , dessen still aufsteigender Rauch den über die Heide Wandernden anheimeln und dessen erstes Mütterchen am Zaun ihn freudig und dankbar empfinden lassen wird : Wie wohl tut Menschenangesicht Mit seiner stillen Wärme . Links der Spree Eine Pfingstfahrt in den Teltow 1. Königs-Wusterhausen 1. Königs-Wusterhausen Finstrer Ort und finstrer Sinn , Nun blühen die Rosen drüber hin . Wir halten vor einem Gasthofe , darin alles reich und großstädtisch ist , und während mir zwei Lichter auf den Tisch gesetzt werden , richt ' ich unwillkürlich die Frage an mich : ist dies dasselbe Wusterhausen , von dem wir jene klassische , wenn auch wenig schmeichelhafte Beschreibung haben , die eine der besten Seiten in den Memoiren der Markgräfin von Bayreuth , der Lieblingsschwester Friedrichs des Großen füllt ? Laß doch sehen , was die Markgräfin in ihrem berühmten Buche , dem sozusagen » ältesten Fremdenführer von Wusterhausen « erzählt . Und ich las wie folgt : » Mit unsäglicher Mühe hatte der König an diesem Ort einen Hügel aufführen lassen , der die Aussicht so gut begrenzte , daß man das verzauberte Schloß nicht eher sah , als bis man herabgestiegen war . Dieses sogenannte Palais bestand aus einem sehr kleinen Hauptgebäude , dessen Schönheit durch einen alten Turm erhöht wurde , zu dem hinauf eine hölzerne Wendeltreppe führte . Der Turm selber war ein ehemaliger Diebswinkel , von einer Bande Räuber erbaut , denen dies Schloß früher gehört hatte . Das Gebäude war von einem Erdwall und einem Graben umgeben , dessen schwarzes und fauliges Wasser dem Styxe glich . Drei Brücken verbanden es mit dem Hof in Front des Schlosses , mit dem Garten zur Seite desselben und mit einer gegenüberliegenden Mühle . Der nach vornhin gelegene Hof war durch zwei Flügel flankiert , in denen die Herren von des Königs Gefolge wohnten . Am Eingang in den Schloßhof hielten zwei Bären Wacht , sehr böse Tiere , die auf ihren Hintertatzen umherspazierten , weil man ihnen die vorderen abgeschnitten hatte . Mitten im Hofe befand sich ein kleiner Born , aus dem man mit vieler Kunst einen Springbrunnen gemacht hatte . Er war mit einem eisernen Geländer umgeben , einige Stufen führten hinauf , und dies war der Platz , den sich der König abends zum Tabakrauchen auszuwählen pflegte . Meine Schwester Charlotte ( später Herzogin von Braunschweig ) und ich hatten für uns und unser ganzes Gefolge nur zwei Zimmer oder vielmehr zwei Dachstübchen . Wie auch das Wetter sein mochte , wir aßen zu Mittag immer im Freien unter einem Zelte , das unter einer großen Linde aufgeschlagen war . Bei starkem Regen saßen wir bis an die Waden im Wasser , da der Platz vertieft war . Wir waren immer vierundzwanzig Personen zu Tisch , von denen drei Viertel jederzeit fasteten , denn es wurden nie mehr als sechs Schüsseln aufgetragen und diese waren so schmal zugeschnitten , daß ein nur halbwegs hungriger Mensch sie mit vieler Bequemlichkeit allein aufzehren konnte 29 .... In Berlin hatte ich das Fegfeuer , in Wusterhausen aber die Hölle zu erdulden . « So die Markgräfin , die frühere Prinzessin Wilhelmine . Ich schlug das Buch zu und trat an das offene Fenster , durch das der heitere Lärm schwatzender Menschen zu mir heraufdrang . Das Zimmer lag im ersten Stock und die Kronen der abgestutzten Lindenbäume ragten bis zur Fensterbrüstung auf , so daß ich meinen Kopf in ihrem Blattwerk verstecken konnte . Drüben , an der andern Seite der Straße , zog sich einer der Kavalierflügel des Schlosses entlang . Er war ganz in weiß und roten Rosen geborgen und seine Oberfenster geöffnet ; Licht und Musik drangen hell und einladend zu mir herüber . In schräger Richtung dahinter standen Pappeln und hohe Baumgruppen und zwischen ihrem Laubwerk wurd ' ich des alten Schloßturmes ansichtig , » des Diebswinkels , von einer Räuberbande erbaut . « War es wirklich so arg mit ihm ?