Castellungo grünen ! entgegnete Bonaventura ... Castellungo gehört dem Grafen Hugo ... Frâ Federigo , ein Deutscher , lebt unter dem Schutz der Gräfin Erdmuthe ... Paula sah ihn deutlich und sagte in einer ihrer Visionen , er gliche mir ... Der Onkel staunte , lächelte dann aber ... Weil sie auch dich an einer Himmelsreligion betheiligt glaubt , die den Priestern erlaubt zu heirathen ! ... Nein , nein ... Das alles ist nur Spuk und hängt mit den Umtrieben zusammen , die plötzlich jenen Terschka enthüllten ... Coni oder Cuneo steht in der anonymen Aufforderung ? ... Fefelotti , Ceccone ' s Gegner im Conclave , ist soeben aus Rom verbannt und Erzbischof in Cuneo geworden ... Ihr armen Waldenser jetzt ! Eure Bibeln werden bald confiscirt sein ! ... Den Anklagen , die der Onkel auf Ceccone , auf Fefelotti , auf alle , die mit Roms Intriguen zusammenhingen , schleuderte , lieh Bonaventura um so bereitwilliger sein Ohr , als jetzt auch durch Benno ' s Lebensschicksale sich ein Netz um sie alle her zu spinnen schien , dessen Fäden immer enger und enger wurden und ganz auf Rom führten ... Zum Glück hab ' ich euch beide - Ultramontanen bei Zeiten angehalten , italienisch zu lernen ! scherzte der Onkel , ohne - darum doch den Beängstigungen , die in den betheiligten Gemüthern diese Dunkelheiten zurücklassen durften , sich ganz zu entziehen ... Inzwischen kamen aus der Residenz des Kirchenfürsten Briefe vom Generalvicariat , die bis auf weitere Entscheidung Roms über den Magnetismus jede Beeinträchtigung des Domkapitulars in seinen Würden niederschlugen ... Rother ' s Anklage wurde als ungebührlich abgewiesen ... Die Genugthuung war demnach vollständig ... Dennoch reiste Bonaventura voll Bangen ... Er sah das Alter und den Kummer des Onkels ... Er fürchtete sich vor einer Stadt , die er auch sonst schon gemieden ... Sein Ehrgefühl war doch verletzt worden ... Feinde wirkten gegen ihn und zu der Kraft sich zu erheben , die Haß oder Verachtung verleihen , vermochte sein Gemüth nicht ... Auch wo Lucinde weilte , konnte ihm niemals Frieden kommen ... Er fand Briefe von Schloß Neuhof vor - auch vom Onkel Levinus ... In letztern fand sich jedoch kein Wort über die doch gewiß mächtig , nach allen Seiten hin aufregend gewesene Wirkung , die sein Brief aus Kocher am Fall hervorgebracht haben mußte ... Nur die Anzeichen eines Besuchs der Gräfin Erdmuthe auf Westerhof mehrten sich ... Bonaventura ' s Herkunft , seine würdige äußere Haltung , seine Kenntniß des Italienischen , alles das veranlaßte aufs neue die Bitten der Curie , er möchte eben sowol für die Befreiung des Kirchenfürsten wie für die Stockung aller kirchlichen Gerechtsame der Stellvertretung desselben die Reise nach Wien übernehmen ... Der Staatskanzler galt für einen Gegner der Jesuiten ; auch Ceccone hatte mit ihnen seit dem Sturz Fefelotti ' s Friede geschlossen ; vielleicht war in Wien der gute Wille zu gewinnen , die römische Curie zur Nachgiebigkeit zu bewegen ... Bonaventura sollte es sein , der den Unterhändler zum Frieden machte ... Er entzog sich diesen Vorschlägen , solange er konnte ... Er wußte noch nicht , wie seine Reise in Westerhof würde aufgenommen werden ... Auch hörte er nur , daß vorzugsweise Nück es war , der alle diese Rathschläge ertheilte ... Konnte von solcher Seite Gutes kommen ? ... Nück kam wieder in seinen Beichtstuhl und gab ihm in der That vier Davidssteine an , die er gegen den Goliath der Leidenschaft in seiner Brust in Bereitschaft hielt : Ankauf eines Ritterguts , sagte er , landwirtschaftliche Studien , Rückkehr zu alten Dichtversuchen , die er in seiner Jugend gemacht , und die Erlernung der türkischen Sprache ... Das Besuchen von Gräbern nütze ihm nichts , setzte er hinzu ; ihm wär ' es aus alter Liebe zum Tode , wie den Türken , die auf Gräbern Kaffee tränken ... Eine Ahnung konnte der so von Nück offenbar verhöhnte Geistliche nicht überwinden , die , als spräche alles das nur die Eifersucht ... In einer Zeitschrift gab Nück mit voller Namensunterschrift als einen Wurf mit seinem dritten Davidssteine in Versen die Klage , daß man das Höchste , was ein Weib geistig einem Manne sein könne , doch nie ohne die Vertraulichkeit der Sinne gewinnen könne ... Die volle Unterschrift : » Dominicus Nück « beleidigte Stadt und Land ... Seine Freunde sogar sprachen von einer plötzlichen Enthüllung des » Pferdefußes « ... Goldfinger junior , inzwischen mit Johanna Kattendyk vermählt , rückte ihm aufs Zimmer und stellte ihn über diese muthwillige Zerstörung des Rufes der Familie zur Rede ... » Kümmern Sie sich um Ihre heilige Botanik oder , wenn Sie wollen , um unsere Conto-Currentbücher ! « war die Antwort ... Es war nur Eine Stimme , der Oberprocurator hatte sich so nur in Lucinde Schwarz verlieben können und diese - widerstand ... Benno arbeitete zwar noch bei dem unheimlichen Mann , streifte aber inzwischen leise alle Fesseln ab , die ihn noch an seine gegenwärtige Stellung gebunden hielten ... Auch seine Heimats- , seine Adoptions- und Unterthanenverpflichtungspapiere revidirte und ordnete er ... Er wollte nach Italien ... Seine Forschungen gingen mit Hülfe des Onkel Dechanten weit über Borkenhagen bis nach Kassel hinaus , wo die über die ersten Lebensjahre eines Julius Cäsar von Montalto gebreiteten Schleier nur noch von zwei Todten , dem Kronsyndikus und seinem Adoptivvater Max von Asselyn oder von seiner Mutter ganz gelüstet werden konnten ... Benno hatte bei allen diesen Unternehmungen nur zu hüten , daß nicht Thiebold , der im August aus England zurückgekehrt war , mit seiner gewohnten » Wißbegierde « hinter sein neues , zur Enthüllung noch nicht reifes , auch vor dem Tode des Dechanten wol völlig unmögliches Leben kam ... Thiebold hatte die Reise nach England im Interesse seiner canadischen Holzgeschäfte machen müssen und , wie sich erwarten ließ , er kam höchst elegisch gestimmt zurück ... London ist nicht gemacht zum Romantischen !