und so oft verhauen , weil er immer mit ihm zusammensteckte . « » Fritz wußte nie die richtige Grenze zu ziehen zwischen sich und den Dorf- und Verwaltersjungen , « bemerkte August . » Diese früheren Beziehungen sind ja sehr fatal . Immerhin – der Mann hat Geld – übrigens wirkt er vielleicht nur als Unterhändler . Jedenfalls sollte man doch den Vorschlag dieses Debberitz hören . Ohne Kapital ist für mich nichts anzufangen , und ein Kosegarten kann nicht ewig in einer abhängigen Stellung bleiben . Wenn der Mann zahlungsfähig ist , so wüßte ich keinen Grund ... « Ein knurrender Ton des alten Herrn ließ ihn schweigen . Kosegarten blickte zu seinem Sohn über den Tisch hinüber . Nachdenken , Pläne machen , Entschlüsse fassen – das alles waren greuliche Geschichten , die er haßte . Warum ließ man einen alten Mann nicht in Frieden leben , wie seine Väter gelebt hatten : essen , trinken , auf die Jagd gehen , über die Äcker reiten , mit Förster und Verwalter eintönige und nach den Jahreszeiten sich regelnde Beratungen pflegen und ab und zu auf die Regierung schimpfen ? Warum mußte all dies Neue , dem man doch nicht gewachsen war , über einen armen Kerl von Edelmann hereinbrechen ? Umständlich zündete er sich eine Zigarre an . August ließ ihm Zeit . » Hast ja recht , Junge , « brummte der alte Herr , nachdem er eine Weile geraucht hatte . » Hast ja tausendmal recht . Bist ja mein einziger Trost in diesem Schindluderleben . Aber siehst du , seiner Väter Erbe an so ein Mistvieh verschleudern ... ich bring ' s einmal nicht über mich . Es geht mir wider die Natur ... « Er trank schnell und gierig seinen Tee , verschluckte sich , mußte husten und husten , wurde blaurot im Gesicht , und die Tränen strömten ihm aus den Augen . Mariechen klopfte ihm den Rücken . » Alterchen , Alterchen , dreimal an ' n weißen Schimmel denken , das hilft , das hilft sicher ! « Hilde hielt ihm ein Glas Wasser entgegen . Er nahm einige Schlucke , stand auf , ging zur Tür , trocknete sich die Augen , blickte schweigend hinaus über den schönen Platz und auf die breitästigen Kastanien , die eben im Begriff standen , ihre weißen Blütenfackeln zu öffnen . Marie redete leise auf den Sohn ein , warum er den Vater so in Erregung bringen müsse . August zuckte die Achseln . » Die Sache soll doch einmal besprochen werden . Papa muß sich entschließen . « » Und Mimi Rahlen ? « fragte die Mutter leise . » Das wäre doch ein Ausweg . « » Mama , ich finde es unehrenhaft , ein Mädchen um ihres Geldes willen zu heiraten . « » Aber gewiß , gewiß ! « Marie war ganz erschrocken über den Gedanken , der ihr entschlüpft war . » Ich meinte doch nur , wenn du sie liebtest ... selbstverständlich ... Sie sieht an manchen Tagen noch sehr gut aus ... « » Bitte , Mama , hierüber kein Wort mehr – es wäre mir äußerst peinlich . « Kosegarten kam zurück und ging mit gewaltigen Schritten im Saal auf und nieder . » Ich werde noch einmal ernstlich mit Trinette reden . Schließlich – ich könnte ihr das Kapital hypothekarisch sicherstellen ... Sie hat doch Familiensinn ... « » Alterchen , « rief Marie heftig , » ich verstehe dich nicht – in diesem einen Punkt verstehe ich dich nicht ! Trinette – mein Gott – hat sie uns denn je – zu irgendeiner Zeit geholfen ? Ja – sie kommt im Frühjahr zu uns – läßt es sich schmecken , geht im Park spazieren , sammelt ihr ekliges Kräuterzeug , mit dem sie alle Welt beglückt – borgt sich meinen Hut , wenn sie nach Langenrode zur Prinzessin Karoline fährt – um den ihren zu schonen – und mischt sich überall in Dinge , die sie nichts angehen . Gestern treffe ich sie sogar in der Küche , wie sie zur Wärmchen , die die Salzkartoffeln abgießt , belehrend sagt : › Mamsellchen , was machen Sie denn immer mit der Kartoffelbouillon , das gäbe doch noch gute Suppen für Kranke und Arme ! ‹ Die Leute brüllten vor Lachen , als sie hinaus war . Friedrich – es ist ja deine Schwester – aber ich frage dich , ob ich mir dieses Dreinreden noch länger gefallen lassen muß ? « » Habe doch Geduld , Mariechen , « sagte der alte Herr bekümmert , » sieh mal , ich denke , ich kann ihr schließlich doch noch das Geld herauslocken , und dann könnten wir Rauschenrode behalten . Du hängst auch daran , Mariechen . Es würde dir doch auch schwer , wenn wir fort müßten ... « Marie Kosegarten seufzte . Sie kannte Trinette – sie kannte sie durch und durch . Sie hoffte nichts mehr . Aber die Männer ließen sich immer durch Redensarten fangen . Trinette hatte so eine Manier , mit ihrem Einfluß bei Hofe großzutun , damit imponierte sie ihrem Bruder . Ging sie nicht umher und sprach unaufhörlich davon , daß sie für Hilde eine Hofdamenstelle in Aussicht habe , trotzdem sie ihr schon dreimal ärgerlich erklärt hatte , sie könne Hilde in der Wirtschaft nicht entbehren ? Hatte Trinette nicht spitzig darauf erwidert , es wäre für zunehmende Korpulenz höchst zweckmäßig , sich mehr in Küche und Keller zu bewegen , statt im Sofaeckchen zu sitzen und die Dorfkinder mit wollenen Strümpfen und Röcken zu verwöhnen ? Aber Kosegarten war einmal ein unverbesserlicher Optimist , was seine Schwester betraf ! Das wußte Frau von Kosegarten ja auch längst , und an diesen Punkt war nicht zu rühren . Stand er nicht , weiß Gott , jetzt , wo nur von Trinette die Rede war , auf und rief Zipperjahn , um die Hunde in den