Was hat denn Waldemar schon wieder angestiftet ? « fragte der Gutsherr ärgerlich . » Daß er unbändig ist , weiß ich so gut wie Sie , da kann ich Ihnen aber nicht helfen . Mir ist der Junge längst über den Kopf gewachsen ; er pariert keinem Menschen mehr , auch mir nicht . – Daß er Ihren Büchern davonläuft und sich lieber auf der Jagd herumtreibt – pah , ich habe es in meiner Jugend auch nicht besser gemacht . Mir wollte der Gelehrtenkram auch nicht recht in den Kopf . Daß er keine Manieren hat – ist auch gar nicht notwendig . Wir leben hier ganz unter uns , und wenn wir einmal mit den Nachbarn zusammenkommen , geht es auch ungeniert genug zu . Das wissen Sie doch am besten , Doktor . Sie nehmen ja immer Reißaus vor unsern Jagd- und Trinkgesellschaften . « » Aber bedenken Sie doch , « wendete der Erzieher ein , » wenn Waldemar mit seinem unbändigen Wesen später in andre Lebensverhältnisse tritt , wenn er sich dereinst verheiratet – « » Verheiratet ? « rief Witold förmlich beleidigt von dieser Voraussetzung . » Er wird doch nicht ! Wozu braucht er zu heiraten ? Ich bin Junggeselle geblieben und befinde mich wohl dabei , und der selige Nordeck hätte auch besser daran gethan , wenn er ledig geblieben wäre . Nun , mit unserm Waldemar hat es Gott sei Dank keine Not – der läuft allem , was Frauenzimmer heißt , davon , und daran thut er recht . « Er lehnte sich mit sehr zufriedener Miene in seinen Stuhl zurück . Der Doktor trat einen Schritt näher . » Um nun aber wieder auf den Anfang unsres Gespräches zurückzukommen – « sagte er zögernd . » Sie geben es ja selbst zu , daß mein Zögling mir völlig entwachsen ist , und es dürfte somit wohl die höchste Zeit sein , ihn auf die Universität zu senden . « Herr Witold fuhr mit einem Ruck in die Höhe , daß der Erzieher den eben gethanen Schritt zur Annäherung schleunigst wieder zurückthat . » Dachte ich es doch , daß wieder so etwas herauskommen würde ! Seit vier Wochen höre ich nichts andres von Ihnen . Was soll Waldemar auf der Universität ? Sich von den Professoren den Kopf noch mehr mit Gelehrsamkeit vollpfropfen lassen ? Ich dächte , das hätten Sie schon hinlänglich besorgt . Was ein tüchtiger Gutsherr braucht , hat er gelernt . Er weiß auf Hof und Feldern genau so gut Bescheid , wie mein Inspektor ; die Leute versteht er besser in Respekt zu halten als ich , und im Reiten und auf der Jagd thut es ihm keiner zuvor . ' s ist ein Prachtjunge . « Der Erzieher schien diese enthusiastische Ansicht über seinen Zögling durchaus nicht zu teilen . Er wagte das nun freilich nicht laut werden zu lassen , aber er raffte seinen ganzen , offenbar nicht großen Vorrat von Mut zu einer schüchternen Gegenrede zusammen . » Aber für den Erben von Wilicza dürfte doch am Ende mehr notwendig sein , als nur die Eigenschaften eines guten Inspektors oder Administrators . Mir scheint eine höhere akademische Bildung dringend wünschenswert . « » Mir ganz und gar nicht , « rief Herr Witold . » Ist es nicht genug , daß ich den Jungen , der mir ans Herz gewachsen ist , doch später von mir lassen muß , weil seine Güter gerade in dem verwünschten Polackenlande liegen ? Soll ich mich jetzt schon von ihm trennen , um ihn auf die Universität zu schicken , wohin er durchaus nicht will ? Daraus wird nichts – absolut nicht ! Er bleibt hier , bis er nach Wilicza geht . « Er that einige so grimmige Züge aus seiner Pfeife , daß sein Gesicht für mehrere Minuten gänzlich hinter den Tabakswolken verschwand . Der Erzieher stieß einen Seufzer aus und schwieg , aber gerade diese stille Ergebung schien den tyrannischen Gutsherrn zu rühren . » Geben Sie sich nur zufrieden , Doktor , mit der Universität ! « sagte er in ganz verändertem Tone . » Dazu bringen Sie den Waldemar doch nun und nimmermehr , und für Sie ist es auch viel besser , Sie bleiben hier in Altenhof . Hier sitzen Sie so recht mitten unter Ihren Hünengräbern und Runensteinen , und wie das Zeug alles heißt , an dem Sie den ganzen Tag herumstudieren . Ich begreife freilich nicht , was Sie an dem alten Heidengerümpel Merkwürdiges finden , aber eine Freude muß der Mensch haben , und Ihnen gönne ich sie von Herzen , denn Waldemar macht Ihnen oft genug das Leben schwer – und ich dazu . « Der Doktor machte eine verlegen abwehrende Bewegung , » O , Herr Witold ! « » Genieren Sie sich nicht ! « sagte dieser gutmütig , » Ich weiß ja doch , daß Sie im Grunde unser Leben hier für eine ganz heillose Wirtschaft halten , und uns längst davongelaufen wären , wie Ihre sechs Vorgänger , wenn nicht das alte Heidengerümpel wäre , an dem nun einmal Ihr ganzes Herz hängt , und von dem Sie sich nicht trennen können . Nun , Sie wissen ja , ich bin nicht so schlimm , wenn ich auch hin und wieder einmal auffahre , und da Sie mit Ihren Gedanken doch fortwährend in der Heidenzeit herumstöbern , müßte Ihnen eigentlich bei uns am wohlsten sein . Wie ich mir habe sagen lassen , hatten die Leute damals gar keine Manieren ; sie schlugen sich oft aus reiner Freundschaft untereinander tot . « Dem Doktor schienen die historischen Kenntnisse , die der Gutsherr entwickelte , doch wohl etwas bedenklicher Natur ; vielleicht fürchtete er auch eine praktische Anwendung derselben auf seine eigene Person , denn er retirierte unmerklich nach dem Sofa . » Verzeihen Sie , die alten Germanen – « » Waren nicht wie Sie , Doktor , «