Rock , einen Flor um den Arm , um die notarielle Beglaubigung einiger Unterschriften vollziehen zu lassen , mit denen jene welterschütternde Thatsache bestätigt werden sollte . Heilsberg war ein altertümliches Städtchen , das sich sogar einer historischen Vergangenheit rühmen konnte . Es hatte im Mittelalter bei den Fehden des in der Gegend ansässigen Adels öfter eine Rolle gespielt , die Stadtchronik gab beglaubigte Kunde davon . Die noch erhaltenen Reste des ehemaligen Wallgrabens und seiner Türme , das Rathaus und verschiedene Bürgerhäuser stammten noch aus der alten Zeit , und der nahe Burgberg trug die zerfallenen Mauern eines alten Grafenschlosses . Für die undankbare Gegenwart war das freilich verschollen und vergessen , denn Heilsberg lag abseits von allen Verkehrslinien . Die nächste Eisenbahnstation war mehrere Stunden entfernt , und sonst gab es keine größeren Orte in der Nachbarschaft , nicht einmal eine Sommerfrische . Die bescheidenen Reize der Landschaft zogen die Fremden nicht an , und so kam es , daß das Städtchen sich einer idyllischen Ruhe und Abgeschlossenheit erfreute , wie sie im Zeitalter des Verkehrs selten sind . Die Heilsberger waren freilich nicht einverstanden damit , sie empfanden diese Abgeschlossenheit als eine Zurücksetzung , um so mehr , als Neustadt , die erwähnte Bahnstation , sie längst überflügelt hatte . Dort lagen die Steinfelder Gruben und Hüttenwerke in unmittelbarer Nähe , fast vor den Thoren der Stadt , und das brachte dieser unberechenbare Vorteile . Das große industrielle Unternehmen war förmlich aus dem Boden emporgeschossen und hatte in wenigen Jahren einen Umfang und eine Bedeutung erlangt , zu der andere ein halbes Menschenalter brauchten . Dem Besitzer der Werke standen freilich der Einfluß und die Mittel zu Gebote , um jeder seiner Schöpfungen den Erfolg zu sichern , Felix Ronald spielte eine erste Rolle in der Finanzwelt und galt für einen der kühnsten , aber auch der genialsten Spekulanten . Er hatte sich in unglaublich kurzer Zeit zu der Höhe des Reichtums emporgeschwungen . Vor zehn Jahren noch in einer abhängigen Stellung in einem Bankhause , hatte er durch glückliches Börsenspiel den Grund zu seinem Vermögen gelegt und damit Unternehmungen begonnen , die bald genug in das Große gingen . Was andere erst nach jahrelanger Arbeit erreichten , das gewann er mit einem kecken Wagnis in Monaten . Das alte Sprichwort vom Wagen und Gewinnen bewährte sich auch hier . Ronald schien in der That das Geheimnis zu besitzen , Glück und Erfolg an sich zu fesseln , sie blieben ihm treu , mochte der Einsatz auch noch so hoch sein , und er wagte oft genug ein hohes Spiel . Jetzt war er eine Macht geworden , deren Einfluß sich nicht nur an der Börse , auch in der Presse , selbst bei der Regierung geltend machte , deren rastlose Thätigkeit sich auf alle möglichen Gebiete erstreckte . Er wußte alles an sich zu ketten , alles seinen Zwecken dienstbar zu machen und beherrschte das ganze weite Feld seiner Unternehmungen mit bewundernswerter Energie . Nach den Steinfelder Werken kam er nur selten , die technische Leitung lag in den Händen seiner Oberbeamten , die geschäftliche in Berlin , wo der Chef seinen Wohnsitz hatte . Jedenfalls wurde der Betrieb in großartigster Weise geführt . Neustadt war eigentlich nur der Vorort der großen Steinfelder Kolonie geworden , aber die zahlreichen Beamten , die sämtlichen Arbeiter verkehrten in der Stadt , wohnten sogar zum Teil dort . Neustadt hatte die Bahnlinie erhalten und spielte eine große Rolle in der Provinz , Das kannte jeder , davon sprach alle Welt – von Heilsberg wußte man auf einige Kilometer Entfernung kaum mehr , daß es auf der Welt sei , und Heilsberg war doch » historisch « ! Dort gab es meist nur Bauerngüter in der Umgegend , der einzige herrschaftliche Besitz war Gernsbach , das eine Stunde von der Stadt entfernt lag . Es gehörte einer verwitweten Dame , die es mit ihrem kleinen Töchterchen bewohnte , und das geräumige , etwas altertümliche Herrenhaus , mit der breiten Steinterrasse und dem großen , schattigen Park war in der That ein behaglicher Wohnsitz . Die ziemlich umfangreiche Gutswirtschaft war verpachtet für eine recht ansehnliche Summe . Frau von Maiendorf galt überhaupt , wenn nicht für reich , doch für sehr wohlhabend . Es war in den Morgenstunden eines sonnigen Maitages , auf der Terrasse des Herrenhauses saßen zwei Damen am Frühstückstisch , während ein kleines , etwa siebenjähriges Mädchen sich mit Ballspielen vergnügte und dabei lustig die steinernen Stufen auf und ab sprang . » Ich fürchtete schon , du würdest nicht Wort halten mit dem versprochenen Besuche , « sagte die ältere . » Freilich , was kann ich dir bieten , du verwöhnte Prinzessin , hier in der Stille und Einsamkeit des Landlebens ! « » Du ahnst nicht , Wilma , wie wohl mir diese Stille thut , « erwiderte die jüngere . » Wenn du wüßtest , was man uns alles zugemutet hat in dieser Saison – es war wirklich etwas zu viel . « » Ja , ich hielte diesen ewigen Strudel des Gesellschaftslebens nicht aus , « erklärte Wilma . » Du bist freilich daran gewöhnt , Edith , Du hast ja schon seit dem Tode deiner Mutter die Dame des Hauses vertreten müssen , eine schwere Aufgabe , du warst damals erst sechzehn Jahre alt . « » Das lernt sich , « sagte Edith ruhig . » Wenn es nur auf die Dauer nicht so ermüdend wäre ! Immer neue Gesichter und immer dieselben Menschen , dieselben Redensarten und Komplimente ! Wie selten findet man einen darunter , mit dem es sich überhaupt lohnt , zu reden , und wenn man näher zusieht , hält das Interesse auch nicht stand – er ist eben wie all die anderen . « Das herbe Urteil kam aus dem Munde einer jungen Dame von zwanzig Jahren . Edith Marlow war in der That ein schönes Mädchen , mit regelmäßigen , etwas kalten Zügen und großen