an den Stamm des Baumes und zerpflückte spielend einige Grashalme . „ Ich frage gar nichts nach seiner Einwilligung , “ erklärte sie . „ Ich lasse mir von ihm nichts befehlen oder verbieten . Er soll es einmal versuchen , mich zu zwingen ! “ Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Um hohen Preis aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 10 , S. 159 – 162 Fortsetzungsroman – Teil 2 [ 159 ] „ Es wird Dich Niemand zwingen , “ fiel Georg ein , „ aber trennen wird man uns . In dem Augenblicke , wo unsere Liebe entdeckt wird , ist auch die Trennung ausgebrochen – das weiß ich , und das allein ist es , was mir Schweigen auferlegt . Du ahnst nicht , wie dieses Geheimniß , das Dir so reizend erscheint , dieses ängstliche Verbergen mich peinigt und demüthigt , wie sehr es meiner ganzen Natur zuwider ist . Jetzt zum ersten Male fühle ich , was es heißt , arm und unbekannt zu sein . “ „ Was thut es denn , daß Du arm bist ? “ fragte Gabriele sorglos . „ Ich werde einmal sehr reich sein . Mama sagt es mir täglich , daß ich die einzige Erbin meines Onkel Raven bin . “ Georg schwieg und preßte die Lippen fest zusammen , als wolle er eine bittere Empfindung unterdrücken . „ Ja wohl , Du wirst reich sein , “ sagte er endlich . „ Nur allzu reich . “ „ Ich glaube gar , Du willst mir einen Vorwurf daraus machen , “ schmollte die junge Dame mit sehr ungnädiger Miene . „ Nein , aber es öffnet eine Kluft mehr zwischen uns . Gehörtest Du meinem Lebenskreise an , dann dürfte ich offen hintreten und , wenn auch noch nicht Deine Hand , doch Dein Wort und Deine Treue fordern , bis ich Dir eine eigene Heimath zu bieten vermag . Jetzt dagegen – was würde der Freiherr von Raven mir wohl antworten , wenn ich es wagte , bei ihm um die Hand seiner Mündel , seiner muthmaßlichen Erbin zu werben ? Er vertritt die Stelle Deines Vaters ; Du stehst unter seiner Gewalt . “ „ Aber doch nur bis zu meiner Mündigkeit . In einigen Jahren hat die vormundschaftliche Gewalt des gestrengen Herrn ein Ende . Dann bin ich frei . “ „ In einigen Jahren ! “ wiederholte Georg . „ Und wie wirst Du dann denken ? “ Es lag eine so bange Frage in den Worten , daß Gabriele halb erschreckt und halb beleidigt aufblickte . „ Georg , Du zweifelst an meiner Liebe ? “ Er schloß ihre Hand fest in die seinige . „ Ich glaube an Dich , meine Gabriele ; vertraue auch Du mir ! Ich bin ja nicht der Erste , der sich emporarbeitet , und habe von jeher gelernt , der Zukunft und meiner eigenen Kraft zu vertrauen . Ich will Alles an diese Zukunft setzen , um Deinetwillen Du sollst Dich Deiner Wahl nicht zu schämen haben . “ „ Ja , zur Excellenz mindestens mußt Du mich machen , “ neckte Gabriele . „ Ich erwarte ganz bestimmt , daß Du auch einmal Gouverneur oder Minister wirst . Hörst Du , Georg ? Ich will keinen andern Titel . “ Georg ließ plötzlich die Hand fallen , die er noch in der seinigen hielt . Er mochte auf seine mit so tiefer Innigkeit ausgesprochene Betheuerung wohl eine andere Antwort erwartet haben . „ Du verstehst mich nicht . Freilich wie solltest Du auch den Ernst des Lebens kennen , ist er Dir doch noch niemals genaht . “ „ O , ich kann auch ernst sein , “ versicherte Gabriele . „ Ganz außerordentlich ernst . Du kennst meine eigentliche Natur noch gar nicht . “ „ Möglich ! “ sagte der junge Mann mit aufquellender Bitterkeit . „ Jedenfalls habe ich es nicht verstanden , sie zu wecken . “ Gabriele sah recht gut , daß er verletzt war , aber es beliebte ihr durchaus nicht , Notiz davon zu nehmen . Sie fuhr fort zu necken und zu scherzen und erschöpfte ihren ganzen Uebermuth . Sie pochte auf eine Macht , die sich oft genug bewährt hatte und auch heute ihre Wirkung nicht verfehlte . Georg ’ s Stirn begann sich zu entwölken ; Verstimmung und Vorwurf wollten nicht Stand halten vor dem Geplauder jener rosigen Lippen , und als das geliebte Antlitz lächelnd und schelmisch zu ihm aufblickte , da war es vorbei mit dem Widerstande – er lächelte gleichfalls . Drüben in der Stadt setzten die Glocken zum Mittagsgeläut ein . Die Klänge zogen hell über den See und mahnten das junge Paar zum Aufbruch . Georg zog die Hand der Geliebten leidenschaftlich an seine Lippen ; die unmittelbare Nähe der Landhäuser und der Fahrstraße verbot jede weitere Zärtlichkeit . Gabriele schien die Trennnug in der That sehr leicht zu nehmen . Einen Augenblick freilich wurde sie ernster , und es schimmerte sogar eine Thräne in ihren braunen Augen , aber in der nächsten Minute war Alles schon wieder sonnige Heiterkeit . Sie warf einen letzten Gruß zurück und eilte dann fort . Georg ’ s Augen folgten ihr unverwandt . „ Max hat Recht , “ sagte er träumerisch . „ Ich und dieses verwöhnte übermüthige Kind des Glückes ! Warum muß ich gerade sie lieben , die mir fern steht in so Vielem , wo wir uns nahe sein müßten ? Ja , warum – ich liebe sie eben . “ Die Warnung des Freundes schien trotz aller Zurückweisung doch ein Echo in der Brust des jungen Mannes gefunden zu haben , aber was vermochte Vernunft und Ueberlegung gegen die Leidenschaft , die sein ganzes Wesen erfüllte ? Er wußte längst , daß sich gegen den Zauber nicht ankämpfen ließ ,