Mal vor dem Aeußersten bewahrt – jetzt war ich vogelfrei ! Aber ich wollte nicht wieder , und diesmal vielleicht für immer , dem Kerker verfallen , ich wollte die Meinen nicht rettungslos dem Untergange preisgeben , deshalb beschlossen wir die Flucht nach Amerika . Mein Schwager streckte mir die dazu nöthige Summe vor , vielleicht aus gutem Herzen , vielleicht auch , um den berüchtigten Demagogen , die Schande der Familie , endlich los zu werden . Es galt Vorsicht , denn schon ward eine Hetzjagd auf uns veranstaltet , durch ganz Deutschland . Verkleidet , unter fremdem Namen gelangte ich nach Hamburg , wo meine Frau mit den Kindern mich erwartete . Du warst mir während der letzten Monate geboren worden . Armes Kind , es war eine böse Stunde , in der ich Dich zum ersten Male an ’ s Herz drückte ! Mit dem ersten Kuß des Vaters fiel auch die Thräne glühenden Hasses , bitterer Verzweiflung auf Dein kleines Gesicht – ich fürchte , sie hat einen Schatten auf Dein ganzes Leben geworfen , ich habe Dich nie unbefangen froh wie andere Kinder gesehen . Wir gingen erst kurz vor der Abfahrt an Bord , getrennt , um kein Aufsehen zu erregen . Deine Mutter , Dich auf dem Arme tragend , schritt voran , ich folgte in einiger Entfernung , meinen Knaben an der Hand . Da erblickte ich unmittelbar an der Schiffstreppe ein unheilvolles Gesicht ; der Späher kannte mich , wie ich ihn ; wenn er mich erblickte , war ich verrathen . Rasch entschlossen befahl ich dem Knaben , der Mutter zu folgen , er war alt genug , und er sah sie noch vor sich – ich selbst warf mich in das dichteste Gewühl des Hafens . Eine Stunde später war der Spion verschwunden und es glückte mir , unbemerkt an Bord zu gelangen . Meine Frau , auf eine mögliche Verspätung meinerseits vorbereitet , eilt mir entgegen , ihre erste Frage ist nach dem Kinde , in wenigen schreckensvollen Worten verständigen wir uns , es ist ihr nicht gefolgt , es muß noch am Lande sein . In Todesangst eile ich zurück , ohne die drohende Gefahr zu achten , ich frage und suche den ganzen Hafen auf und nieder , Niemand hat den Knaben gesehen , Niemand vermag mir Auskunft zu geben . Daß ich damals , trotz meiner Aufregung , der Entdeckung entging , daß der Späher gerade in jener Stunde fern war , habe ich später als ein halbes Wunder ansehen lernen , in jenem Augenblick dachte ich kaum daran . Das Signal zur Abfahrt ertönte ; wenn ich blieb , war ich verloren , und Weib und Kind schwammen verlassen und hülflos auf dem weiten Ocean einem fremden Welttheil entgegen . Die Wahl war schrecklich , aber kurz ! Wie ich das Schiff betrat ohne mein Kind , wie ich die Küste schwinden sah , an der es allein zurückblieb , Allem preisgegeben – nun , die Heimath ließ mich in dem Moment , wo ich mich auf ewig von ihr losriß , noch einmal die Bitterkeit eines ganzen Lebens auskosten , er drückte das Siegel auf unser Scheiden und auf die Erinnerung . Noch am Tage der Landung in New-York schrieb ich an den Bruder meiner Frau , aber es waren bereits Wochen vergangen , ehe der Brief abging , es vergingen noch Wochen , ehe er anlangte . Mein Schwager nahm sich der Nachforschungen mit warmem Eifer und redlicher Theilnahme an , er reiste selbst nach Hamburg , er that alle möglichen Schritte – umsonst , auch nicht die kleinste Spur wurde aufgefunden , unser Kind war und blieb verschwunden . “ Forest schwieg , er athmete schwer und tief , aber Jane , in leidenschaftlicher Spannung vorgebeugt , dachte nicht daran , eine Aufregung zu hindern , die ihm gefährlich , vielleicht tödtlich werden konnte , dergleichen rücksichtsvolle Zärtlichkeiten lagen nicht in dem Verhältniß zwischen Vater und Tochter . Sie hatte ein Geheimniß zu hören , ein Vermächtniß zu empfangen , und wenn er darüber zu Grunde ging , das hielt ihn so wenig ab , das Nothwendige auszusprechen , als sie , es zu hören , es mußte nun einmal geschehen . Nach einer kurzen Pause der Erholung fuhr er wieder fort . ( Fortsetzung folgt . ) Heft 15 „ Mit diesem letzten Opfer schien das Unglück endlich erschöpft , “ fuhr Forest in seiner Erzählung fort , „ von dem ersten Schritt an , den ich auf amerikanischen Boden that , folgte mir das Gelingen . In New-York traf ich mit Atkins zusammen , den dort ein Schreiberposten nur nothdürftig nährte , er rettet mich und meine kleine Habe vor einer Bande von Schwindlern , die den Unerfahrenen schon halb in ihren Netzen hatten . Dankbar bot ich ihm an , mit mir nach dem Westen zu ziehen , er hatte nichts zu verlieren und folgte mir hierher , damals noch in die Wildniß . Wir haben die erste Axt an den Urwald gelegt , das erste Blockhaus gezimmert ; vielleicht erinnerst Du Dich noch aus Deiner frühesten Kinderzeit , daß Dein Vater selbst mit Axt und Hacke auf ’ s Feld hinausging , und die Mutter im Hause die Arbeit der Mägde that , aber es dauerte nicht lange . Unsere Colonie wuchs mächtig und schnell , der Boden , die Lage waren unendlich günstig , die Stadt entstand , der Hafen ward gebaut , die Ländereien , die ich zu einem Spottpreise gekauft , stiegen bald auf das Zwanzig- und Dreißigfache ihres früheren Wertes , Unternehmungen , zu denen ich mich mit Anderen verband , hatten einen ungeahnten Erfolg . Auch die einst so heiß ersehnte Teilnahme am öffentlichen Leben und Wirken , die Bedeutung darin , die Anerkennung dafür ward mir im reichsten Maße zu Theil , und jetzt , Jane , lasse ich Dich in einer Stellung und in Verhältnissen zurück , die es selbst