des armen alten Weibes ein bezaubernder Anblick . » Mama ! « rief sie abermals . » Ja , ja , Kathi , die würde es tun ; und wenn ich sie noch so viel bäte , sie würde es dennoch tun . – Kathi , sie darf es nie erfahren ; versprich es mir , schwöre es mir , Kathi ! « Sie hatte die Arme um den Hals der alten Frau gelegt , die neben ihr niedergekniet war . » Ja , ja , Frölen , wenn Sie nur ruhig werden , ich will schweigen wie das Grab . « » Nein , Kathi , schwöre es mir ordentlich ! Sage : Bei Gott ! daß du schweigen willst ! « » Nun , Frölen : bei Gott ! – Es hätt ' s auch ohne dies getan . « » Ich danke dir , alte Kathi ! Aber es war noch einer da . – War es nicht – – ? « » Ja , Frölen , es war – – « » Nein , nein , nicht seinen Namen , Kathi ! « Und sie verschloß den Mund der Alten mit ihrer kleinen kalten Hand . » Sage nur , hat er mich erkannt , kann er mich erkannt haben ? « » Ich glaube nicht , Frölen . Als Sie auf den Deich gegangen kamen , war er mit dem andern drüben auf dem Floß . Nachher war er zu weit entfernt ; auch ist er gleich zur Stadt zurückgegangen . « Das Mädchen nickte und legte sich , wie um auszuruhen , auf das harte Kissen der Ruhebank zurück , die Hände hinten um den Kopf gefaltet . Die Alte war aufgestanden . » Ich komme gleich zurück « , sagte sie ; » ich geh nur , um dem anderen Herrn zu sagen , daß das Frölen munter ist und daß wir keinen Doktor brauchen . « » Aber vergiß nicht , Kathi ! « » Nicht doch , Frölen ; ich hab es ja geschworen . « – – Als die Alte nach einiger Zeit zurückkam , fand sie ihren jungen Gast schon völlig angekleidet , eben damit beschäftigt , ein weißes Schnupftuch sich um den Kopf zu knoten . Aber die gute Alte ließ sie so nicht fort ; der Kaffee war ja noch heiß , und das Kind , da es so fror , ließ sich eine Tasse schon gefallen . » Und nun « , sagte die Alte , » wenn Frölen warten wollen , können wir gleich zusammen gehen . « Aber das Frölen wollte nicht auf dem graden Wege nach der Stadt zurück ; das Frölen wollte den weiten Umweg durch den Koog machen . Die Alte meinte zwar : » Um Gottes willen , Kind , wenn Sie so bange sind , vor dem jungen Herrn – er wird gleich von dem Floß herauskommen ; wir warten nur ein Weilchen , dann ist er lange vor uns schon zur Stadt ! « Aber das Frölen wollte doch nicht . » Nun « , sagte die Alte , » so geh ich mit Ihnen ; bei mir zu Haus wartet keiner als mein Hinz , und der wartet auch nicht , der schläft unterm Kachelofen ; – Sie können da nicht allein gehen , über all die Stege und durch all das Viehzeug hindurch . « Aber das Frölen wollte auch das nicht ; sie wollte eben ganz allein gehen . » Kathi , alte Kathi ! « sagte sie und streichelte mit ihrer kleinen Hand die runzeligen Wangen der alten Frau ; » die Küh ' und Ochsen tun mir nichts . Siehst du , ich bin ja ganz in Weiß ; kein Läppchen Rot an mir ! « Und sie schlug mit beiden Händen das luftige Sommerkleid zurück . » Da ist ja festes Land ; ich laufe rasch hindurch ; dann schlüpf ich hinten in unseren Garten , und – siehst du , niemand hat mich gesehen , als du , alte Kathi ; und du – du hast geschworen ! « Die Alte schüttelte den Kopf . Aber schon war sie zur Tür hinaus , und wie ein scheuer Vogel flog sie die Grasdecke des Deiches hinan und ebenso an der Binnenseite wieder hinunter . Einen Augenblick stand sie still , als sei sie hier geborgen ; aber der alte Mutwille , der der Alten gegenüber noch eben auf ihrem Antlitz gespielt hatte , war ganz verschwunden . Als das sinnende Köpfchen sich von der Brust emporhob , blickten die großen Augen fast mehr als ernst über die grüne Marschniederung , die sich unabsehbar ihr zur Seite dehnte . Es war nicht viel zu sehen dort ; zwischen den blinkenden Wassergräben , die auf eine Strecke hinaus ihrem Auge sichtbar blieben , ragte nichts aus der ungeheuren Fläche , als die zerstreut auf ihr weidenden Rinder und die niedrigen Heckpforten , welche von einer Fenne zu der andern führten ; sie kannte das alles , sie hatte es oft gesehen . Und jetzt ging sie , die Stadt im Rücken lassend , auf dem schmalen Wege weiter , der zwischen den zu ihrer Rechten sich hinziehenden Gräben und dem hohen Deiche entlangführte . Da der Wind aus Nordwest kam , so war sie demselben hier noch mehr als an der Seeseite des Deiches ausgesetzt . Einmal wurde der Strohhut , den sie auch jetzt in der Hand trug , ihr entrissen und gegen den Deich geschleudert ; ein paarmal mußte sie stehenbleiben , um das flatternde Tuch sich fester unter das Kinn zu knüpfen . Dann blickte sie ängstlich hinter sich zurück , aber kein Mensch war zu sehen ; nur ihr zu Häupten schoß mitunter ein Strandvogel von draußen in das Land hinein , oder ein Kiebitz flog schreiend aus dem Kooge auf . Und jetzt legte sich ein dunkles Wasser vor ihren Weg ; vor Hunderten von Jahren hatte die Flut