, daß ihr Vater ein Mann gewesen sei , der nach den Sonderkriegen auf eidgenössischer Seite sich hervorgetan habe ; auch wo sie selber mit unseren Wirten sich kennen- und liebhaben gelernt hatte . Ich hörte das alles , aber es ging an mir vorüber ; ich sah an diesem Abend das Mädchen doch nur im Scheine des Wunders – mir war , als habe ein Dämon , der meinige , sie , wer weiß woher , hier in das Haus meiner Freunde gebracht . « » Ich habe dir « , unterbrach sich Franz , » von meinem jugendlichen Traumgesicht , das sich vielleicht nur aus dem Eindruck des damaligen großen Sterbens und einer kaum geahnten Sehnsucht nach dem Weibe erzeugt hatte , nur gesprochen , um dich es mitfühlen zu lassen , wie tief der Anblick der Fremden mich erregen , wie eigen und innig eine Ehe mit ihr sich gestalten mußte ; denn wenn es für unser Leben etwas Ewiges geben soll , so sind es die Erschütterungen , die wir in der Jugend empfangen haben . Sonst freilich war es eben nichts Außerordentliches , daß ich einmal einem Weibe begegnete , welches mich so lebhaft an meine Traumgestalt erinnerte , daß ich im ersten Augenblick und noch in manchen späteren beide nicht voneinander zu trennen vermochte . Jedenfalls , auf mich hatte dieses erste Sehen einem elektrischen Schlage gleich gewirkt ; und « , fügte er leiser hinzu , » was wissen wir denn auch von diesen Dingen ! Ich will dich mit unserer Liebesgeschichte nicht aufhalten , Hans ; du wirst es auch schon empfunden haben , es kam so und mußte so kommen , daß Else oder Elsi , wie sie genannt wurde , und ich uns nach wenigen Monaten verlobten und etwas später zur Freude unserer trefflichen Freunde unsere stille Hochzeit in ihrem Hause feierten . « Der Erzähler schwieg eine Weile ; auf seinem Antlitz war ein Lächeln , als blicke er in eine selige Vergangenheit . » Ich hatte nun mein Nachtgespenst geheiratet « , begann er wieder , fast wie traumredend ; » es war ein Glück ! – oh , ein Glück ! – Ich hatte einst den Fouquéschen Ritter Huldbrand beneidet , wie er mit einer Undine seine Brautnacht feiert ; ich hatte nicht gedacht , daß dergleichen unter Menschen möglich sei . Lache mich nur aus , Hans ! Was soll ich dir sagen ? Mein Glück ging über jeden Traum hinaus . – Es war so manches Eigene , Fremdartige an ihr , das mich im ersten Augenblick verwirrte und mich zugleich entzückte ; ich hatte ja auch nichts anderes erwartet . « » In unserem Garten – ich hatte längst mein eigenes Haus – waren weite Gänge zwischen schon hochgewachsenen Tannen und anderem Gesträuch ; dazwischen Rasenplätze mit Einschnitten , in denen , je zu ihrer Zeit , die Frühlingsblumen und im Hochsommer Rosen und Levkojen blühten und den Garten mit Duft erfüllten . Hier pflegte ich nach Rückkehr von meinen Berufsgängen sie oftmals aufzusuchen , und so geschah es auch an einem schönen Vormittage gegen Ende des April , des ersten Frühlingsmonats , den wir miteinander lebten . Ich fand sie , da sie eben , langsam schreitend , einen der längsten Tannengänge hinaufkam ; aber da wir uns Aug in Auge trafen , sah ich , daß sie mir entgegenfliegen wolle . » Halt , Elsi ! « rief ich und erhob abwehrend meine Hand ; » geh langsam , ein Schmetterling , ein Pfauenauge , sitzt in deinem Haar ; du trägst den ersten Frühlingsboten ! « » Ja « , sagte sie , » die kommen gern ; aber sie sind so furchtsam nicht . « Sie mäßigte gleichwohl ihren Schritt und kam mir langsam entgegen , indes der Papillon auf ihrem blonden Scheitel behaglich seine schönen Flügel hob und senkte . Und jetzt erst sah ich : auch unsere junge schneeweiße Katze , die sie eines Abends im Schnupftuch von Frau Käthe heimgebracht hatte , war in ihrem Gefolge ; zierlich , eins ums andere , die Pfötchen hebend , ging sie dicht hinter ihrer Herrin , das Köpfchen aufreckend und bei jedem Schritte ihr auf die kurze Schleppe ihres Kleides tretend . Ein Märchenbild ; das Seltsame war nur , daß es in einer Reihe von Tagen sich ganz in derselben Weise wiederholte . » Was machst du für Faxen , Elsi ! « rief ich endlich lachend ; » bist du eine Undine , eine Elbe , eine Fee ? Was bist du eigentlich ? « » Und das weißt du noch nicht ? « frug sie , und der Strahl der grauen Augen zitterte in den meinen . Ich schüttelte den Kopf : » Du bist so unergründlich ! « Da flog sie in meine Arme : » Dein bin ich ; nichts als dein ! Weißt du es nun ? « Ich hielt sie fest . » Ich weiß es « , sagte ich . Aber der Schmetterling aus ihren Haaren war davongegaukelt ; nur die Katze , das Tier der Freia , der Göttin des häuslichen Glückes , blieb in unserer Nähe . – – Es war nicht lange nachher , als wir beide eines Abends im Gartensaal unserer Freunde am Teetische saßen . Frau Käthe hatte gleich bei unserem Eintritt einen mütterlichen Blick auf mich geworfen und mir einen besonders bequemen Lehnstuhl angewiesen , was ich dankend annahm , da ich mich heute mehr als sonst ermüdet fühlte . Wir plauderten , aber meine Worte fielen etwas sparsamer als gewöhnlich . » Du hast wohl einen strammen Tag gehabt ? « sagte Freund Lenthe ; aber bevor ich antworten konnte , war meine Frau bei mir und legte beide Arme um meinen Nacken . » Franz , dir fehlt etwas ! « rief sie , und ihre Stimme klang , als ob sie zürne , daß mir , der nur ihr gehörte , von