plagten , konnte es geschehen , daß er plötzlich zu Pferde stieg und nach dem alten Haus hinüberjagte . » Heilwig ! Heilwig ! « rief er schon von weitem , wenn er die Kleine am Ringgraben oder auf der Schwelle des Tores spielen sah . Sie erschrak dann wohl und lief ins Haus ; aber es half ihr nicht ; mit dem Kinde vor sich auf dem Sattel kam er nach Frau Benediktes Hof zurück und hieß demselben für die Nacht die Kammer an der seinen rüsten . Freilich die kleine Heilwig selber hatte keine Lust davon ; Frau Benedikte gab ihr weder Blick noch Wort , und bei den Mahlzeiten , bei denen sie auf ihres Paten Geheiß an dessen Seite sitzen mußte , wurde ihr der Teller wie einem Hunde oder einer Katze zugeschoben . War Herr Hennicke kurz zuvor in der Stadt gewesen , so hatte er wohl einen Chinaapfel oder eine andere Leckerei auf ihren Platz gelegt ; aber sie rührte sie nicht an , denn die beiden Füchse sahen mit so gierigen Augen darauf hin , daß sie den Bissen nicht einmal zu teilen wagte . Am meisten vielleicht fürchtete sie die ihr unverständliche , gewaltsame Zärtlichkeit des finsteren Mannes selber . Nicht selten , wenn morgens sie in ihrem Bett erwachte , sah sie die schwarzen Augen ihres Paten über sich ; er sagte nichts , er strich ihr stumm die Löckchen von der Stirn oder drückte ihr verschlafenes Köpfchen zwischen seine beiden rauhen Hände ; mitunter riß er sie vom Kissen auf an seine Brust , daß sie mit ihren nackten Ärmchen gleich einem Opfer in des Mannes Armen hing . Wenn er dann wieder plötzlich von ihr abließ und schweigend , wie er gekommen , zur Kammertür hinausgeschritten war , so lag sie auf ihr Kissen hingesunken und wagte sich nicht zu rühren , bis unten auf dem steinernen Hausgang sein harter Tritt verschollen war . War sie dann aufgestanden und hatte unter Frau Benediktes Augen ihr Frühstücksbrot verzehrt , dann lief sie gern ins Freie , um der Liebe des einen und dem Haß der anderen zu entkommen ; sei es in den Garten hinterm Hause , wo freilich außer den Bohnen-und den Wurzelbeeten nicht viel Liebliches zu sehen war , oder über den weiten Hof auf die Heerstraße , um dort von einem Walle oder einem großen Steine aus sehnsüchtig nach der Richtung des hinter dem Walde belegenen Eekenhofes hinzuschauen . Aber die untersetzten Buben rannten ihr , wo sie nur konnten , nach und plagten sie auf alle Weise ; sie hießen sie den » Kuckuck « , weil sie ihnen das beste Futter nehme , und brachten sie , trotz tapferer Gegenwehr , oftmals in bittere Tränen . » Ich will zu meiner Großmutter ! « rief sie dann wohl in ihrer Not ; sie hätte das auch sonst wohl gerufen ; aber wenn ihres Paten Augen auf ihr lagen , dann waren ihr die Lippen wie verschlossen . Eines Nachmittages , da ein fremder Pferdezieher auf den Hof gekommen war , hatte Herr Hennicke ein kleines Nordlandspferdchen eingehandelt ; als aber die beiden Füchse , welche ihn schon lange um ein solches Tier geplagt hatten , in lauten Jubel ausbrachen , erklärte er ihnen , daß sie dessen keine Ursach hätten : » den Pony habe er für Heilwig eingekauft ; für solche Buben , wie sie beide , seien die Milchesel annoch die besten Rosse « . Bei diesen Worten hob er das zitternde Mädchen , das dabeigestanden , gleich einem Vogel auf den Rücken der kleinen Stute und führte diese behutsam auf dem Hof umher ; die beiden Füchse aber rannten heulend in das Haus , um ihrer Mutter diese neue Unbill zu berichten . Frau Benedikte schwieg ; sie wagte , wo es das Mädchen galt , nicht gern gegen ihren Eheherrn zu reden ; nur ihre Wangen wurden etwas bleicher und ihre bläulichen Lippen etwas blasser , als sie ohnedies schon waren . Die kleine Heilwig aber , als Herr Hennicke zu den Arbeitern auf das Feld gegangen war , fürchtete sich , ins Haus zu gehen , obgleich die Dämmerung stieg und kalte Herbstluft wehte . Sie schlich sich frierend auf den Weg hinaus ; bald schritt sie mutig fürbaß und wollte drüben durch den dunkeln Wald zur Großmutter nach dem Eekenhof zurück , bald stand sie ratlos still und wickelte sich ihr Schürzchen um die kalten Arme , bis sie am Ende , da eben überm Herrenhaus der Mond heraufstieg , von kindischer Furcht ergriffen , nach dem Hof zurücklief . Kaum aber war sie durch das Torhaus auf den hellen Platz getreten , so sah sie plötzlich aus dem Schatten einer Scheune die beiden Buben auf sich zustürzen . » Was wollt ihr ! « rief sie erschreckt . » Was hab ich euch getan ? « Aber die Füchse packten sie bei den Armen und zerrten sie gegen den steilen Rand einer Wassergrube , aus welcher bei kalten Nächten das heimkehrende Vieh getränkt zu werden pflegte . » Laßt mich ! « schrie das Kind . » Ich will das dumme Pferd nicht haben ; ich will nichts , gar nichts von euch und eurem Vater haben ! « Doch die beiden Füchse fuhren nur stumm und emsig in ihrer gemeinschaftlichen Arbeit fort , und schon blinkte von unten das Wasser in die entsetzten Kinderaugen , da plötzlich ließen sie mit jammerndem Geschrei von ihrer Beute ab . Herr Hennicke , vom Felde heimkehrend , einen derben Stock in seiner Faust , stand über ihnen . Aber auch Frau Benedikte war alsbald zur Stelle und frug , was denn die Kinder abermals verbrochen hätten . Da schrie der Älteste , durch der Mutter Gegenwart ermutigt : » Der Kuckuck ! Wir wollten nur den Kuckuck aus dem Neste schmeißen ! « Frau Benedikte stieß ein Lachen aus . » Die da ? « rief sie . » Nicht