stand oft still und schaute hinter mich . Ich war auch nicht den Richtweg durch die Tannen , sondern , wie von selber , den viel weiteren auf der großen Fahrstraße hingewandert . Aber schon kam vor mir das Abendroth überm Wald herauf , und ich mußte eilen , wenn mich die Nacht nicht überfallen sollte . » Ade , Katharina , ade ! « sagte ich leise und setzte rüstig meinen Wanderstab in Gang . Da , an der Stelle , wo der Fußsteig in die Straße mündet – in stürmender Freude stund das Herz mir still – , plötzlich aus dem Tannendunkel war sie selber da ; mit glühenden Wangen kam sie hergelaufen , sie sprang über den trocknen Weggraben , daß die Fluth des seidenbraunen Haars dem güldnen Netz entstürzete ; und so fing ich sie in meinen Armen auf . Mit glänzenden Augen , noch mit dem Odem ringend , schaute sie mich an . » Ich – ich bin ihnen fortgelaufen ! « stammelte sie endlich ; und dann , ein Päckchen in meine Hand drückend , fügte sie leis hinzu : » Von mir , Johannes ! Und du sollst es nicht verachten ! « Auf einmal aber wurde ihr Gesichtchen trübe ; der kleine schwellende Mund wollte noch was reden , aber da brach ein Thränenquell aus ihren Augen , und wehmüthig ihr Köpfchen schüttelnd , riß sie sich hastig los . Ich sah ihr Kleid im finstern Tannensteig verschwinden ; dann in der Ferne hört ich noch die Zweige rauschen , und dann stand ich allein . Es war so still , die Blätter konnte man fallen hören . Als ich das Päckchen aus einander faltete , da war ' s ihr güldner Pathenpfennig , so sie mir oft gezeigt hatte ; ein Zettlein lag dabei , das las ich nun beim Schein des Abendrothes . » Damit du nicht in Noth gerathest « , stund darauf geschrieben . – Da streckt ich meine Arme in die leere Luft : » Ade , Katharina ade , ade ! « – wohl hundertmal rief ich es in den stillen Wald hinein ; – und erst mit sinkender Nacht erreichte ich die Stadt . – – Seitdem waren fast fünf Jahre dahingegangen . – Wie würd ich heute alles wiederfinden ? Und schon war ich am Thorhaus und sah drunten im Hof die alten Linden , hinter deren lichtgrünem Laub die beiden Zackengiebel des Herrenhauses itzt verborgen lagen . Als ich aber durch den Thorweg gehen wollte , jagten vom Hofe her zwei fahlgraue Bullenbeißer mit Stachelhalsbändern gar wild gegen mich heran ; sie erhuben ein erschreckliches Geheul , der eine sprang auf mich und fletschete seine weißen Zähne dicht vor meinem Antlitz . Solch einen Willkommen hatte ich noch niemalen hier empfangen . Da , zu meinem Glück , rief aus den Kammern ober dem Thore eine rauhe , aber mir gar traute Stimme . » Hallo ! « rief sie ; » Tartar , Türk ! « Die Hunde ließen von mir ab , ich hörte es die Stiege herabkommen , und aus der Thür , so unter dem Thorgang war , trat der alte Dieterich . Als ich ihn anschaute , sahe ich wohl , daß ich lang in der Fremde gewesen sei ; denn sein Haar war schlohweiß geworden , und seine sonst so lustigen Augen blickten gar matt und betrübsam auf mich hin . » Herr Johannes ! « sagte er endlich und reichte mir seine beiden Hände . » Grüß Ihn Gott , Dieterich ! « entgegnete ich . » Aber seit wann haltet Ihr solche Bluthunde auf dem Hof , die die Gäste anfallen gleich den Wölfen ? « » Ja , Herr Johannes « , sagte der Alte , » die hat der Junker hergebracht . « » Ist denn der daheim ? « Der Alte nickte . » Nun « , sagte ich , » die Hunde mögen schon vonnöthen sein ; vom Krieg her ist noch viel verlaufen Volk zurückgeblieben . « » Ach , Herr Johannes ! « Und der alte Mann stund immer noch , als wolle er mich nicht zum Hof hinauf lassen . » Ihr seid in schlimmer Zeit gekommen ! « Ich sah ihn an , sagte aber nur : » Freilich , Dieterich ; aus mancher Fensterhöhlung schaut statt des Bauern itzt der Wolf heraus ; hab dergleichen auch gesehen ; aber es ist ja Frieden worden , und der gute Herr im Schloß wird helfen , seine Hand ist offen . « Mit diesen Worten wollte ich , obschon die Hunde mich wieder anknurreten , auf den Hof hinausgehen ; aber der Greis trat mir in den Weg . » Herr Johannes « , rief er , » ehe Ihr weiter gehet , höret mich an ! Euer Brieflein ist zwar richtig mit der Königlichen Post von Hamburg kommen ; aber den rechten Leser hat es nicht mehr finden können . « » Dieterich ! « schrie ich . » Dieterich ! « » – Ja , ja , Herr Johannes ! Hier ist die gute Zeit vorbei ; denn unser theurer Herr Gerhardus liegt aufgebahret dort in der Kapellen , und die Gueridons brennen an seinem Sarge . Es wird nun anders werden auf dem Hofe ; aber – ich bin ein höriger Mann , mir ziemet Schweigen . « Ich wollte fragen : » Ist das Fräulein , ist Katharina noch im Hause ? « Aber das Wort wollte nicht über meine Zunge . Drüben , in einem hinteren Seitenbau des Herrenhauses , war eine kleine Kapelle , die aber , wie ich wußte , seit lange nicht benutzt war . Dort also sollte ich Herrn Gerhardus suchen . Ich fragte den alten Hofmann : » Ist die Kapelle offen ? « , und als er es bejahete , bat ich ihn , die Hunde anzuhalten ; dann ging ich über den Hof , wo