den Kopf warf . Langsam erstieg ich die Stufen des Chores und wandte mich aus demselben rechts in die ebenfalls hoch und kühn gewölbte Sakristei , in welcher ich die mit prahlerischen Inschriften bezeichnete leere Stelle fand , wo das schwere Kreuz gewöhnlich an der hohen Mauer lehnte und wohin es bald wieder von der Klosterwiese zurückkehren sollte . Zwei Pförtchen führten in zwei Seitengelasse . Das eine zeigte sich verschlossen . Das andere öffnend , stand ich in einer durch ein von Spinneweb getrübtes Rundfenster dürftig erhellten Kammer . Siehe , es enthielt die auf ein paar wurmstichige Bretter zusammengedrängte Bibliothek des Klosters . Mein ganzes Wesen geriet in Aufregung , nicht anders als wäre ich ein verliebter Jüngling und beträte die Kammer Lydias oder Glyceres . Mit zitternden Händen und bebenden Knien nahte ich mich den Pergamenten , und hätte ich darunter die Komödien des Umbriers gefunden , ich bedeckte sie mit unersättlichen Küssen . Aber , ach , ich durchblätterte nur Rituale und Liturgien , deren heiliger Inhalt mich Getäuschten kaltließ . Kein Kodex des Plautus ! Man hatte wahr berichtet . Ein plumper Sammler hatte durch ein täppisches Zu greifen den Hort , statt ihn zu heben , in unzugängliche Tiefen versinken lassen . Ich fand – als einzige Beute – unter dem Staube die › Bekenntnisse St. Augustins ‹ , und da ich das spitzfindige Büchlein stets geliebt habe , steckte ich es mechanisch in die Tasche , mir , nach meiner Gewohnheit , eine Abendlektüre vorbereitend . Siehe – da fuhr , wie der Blitz , meine kleine Äbtissin , welche das Kreuz wieder in die Sakristei hatte schleppen lassen und mir , ohne daß ich es , in der Betäubung des Verlangens und der Enttäuschung , vernommen hätte , durch die offengebliebene Tür in die Bücherkammer nachgeschlichen kam – wie der Blitz fuhr das Weibchen , sage ich , auf mich los , schimpfend und scheltend , ja sie betastete meine Toga mit unziemlichen Handgriffen und brachte den an meinem Busen liegenden Kirchenvater wieder ans Tageslicht . › Männchen , Männchen ‹ , kreischte sie , › ich habe es gleich Eurer langen Nase angesehen , daß Ihr einer der welschen Büchermarder seid , welche zeither unsere Klöster beschleichen . Aber , lernet , es ist ein Unterschied zwischen einem weinschweren Mönch des heiligen Gallus und einer hurtigen Appenzellerin . Ich weiß ‹ , fuhr sie schmunzelnd fort , › um welchen Speck die Katzen streichen . Sie belauern das Buch des Pickelherings , welches wir hier aufbewahren . Keine von uns wußte , was drinnen stand , bis neulich ein welscher Spitzbube unsere hochheiligen Reliquien verehrte und dann unter seinem langen geistlichen Gewande ‹ – sie wies auf das meinige – › den Possenreißer ausführen wollte . Da sagte ich zu mir : Brigittchen von Trogen , laß dich nicht prellen ! Die Schweinshaut muß Goldes wert sein , da der Welsche den Strick dafür wagt . Denn bei uns , Mann , heißt es : » Wer eines Strickes Wert stiehlt , der hangt am Strick ! « Das Brigittchen , nicht dumm , zieht einen gelehrten Freund ins Vertrauen , einen Mann ohne Falsch , den Pfaffen von Dießenhofen , der unser Weinchen lobt und zuweilen mit den Schwestern einen schnurrigen Spaß treibt . Wie der die närrischen , vergilbten Schnörkel untersucht , » Potz Hasen , Frau Mutter « , sagt ' er , » das gilt im Handel ! Daraus baut Ihr Euerm Klösterlein eine Scheuer und eine Kelter ! Nehmt mir das Buch , liebe Frau , flüchtet es unter Euern Pfühl , legt Euch auf den Podex – so hat es den Namen – und bleibt – bei der Krone der Mutter Gottes – darauf liegen , bis sich ein redlicher Käufer meldet ! « Und so tat das Brigittchen , wenn es auch zeither etwas hart liegt . ‹ Ich verwand ein Lächeln über das Nachtlager des Umbriers , welches ihm die drei Richter der Unterwelt für seine Sünden mochten zugesprochen haben , und zeigte , mir die Würde gebend , die mir unter Umständen eignet , ein ernstes und strafendes Gesicht . › Äbtissin ‹ , sprach ich in feierlichem Tone , › du verkennest mich . Vor dir steht ein Gesandter des Konzils , einer der in Konstanz versammelten Väter , einer der heiligen Männer , welche geordnet sind zur Reform der Nonnenklöster . ‹ Und ich entfaltete eine stattlich geschriebene Wirtshausrechnung ; denn mich begeisterte die Nähe des versteckten komischen Dichters . › Im Namen ‹ , las ich , › und mit der Vollmacht des siebzehnten und ökumenischen Konzils ! Die Hände keiner christlichen Vestale verunreinige eine jener sittengefährlichen , sei es lateinisch , sei es in einer der Vulgärsprachen verfaßten Schriften , mit deren Erfindung ihre Seele beschädigt haben ... Fromme Mutter , ich darf Eure keuschen Ohren nicht mit den Namen dieser Verworfenen beleidigen ... Gaukelwunder , herkömmliche oder einmalige , verfolgen wir mit unerbittlicher Strenge . Wo sich ein wissentlicher Betrug feststellen läßt , büßt die Schuldige – und wäre es die Äbtissin – das Sakrilegium unnachsichtlich mit dem Feuertode . ‹ Diese wurde bleich wie eine Larve . Aber gleich wieder faßte sich das verlogene Weibchen mit einer bewunderungswürdigen Geistesgegenwart . › Gott sei gepriesen und gelobt ‹ , rief es aus , › daß er endlich in seiner heiligen Kirche Ordnung schafft ! ‹ und holte zutunlich grinsend aus einem Winkel des Schreines ein zierlich gebundenes Büchlein hervor . › Dieses ‹ , sagte es , › hinterließ uns ein welscher Kardinal , unser Gastfreund , welcher sich damit in sein Mittagsschläfchen las . Der Pfaff von Dießenhofen , welcher es musterte , tat dann den Ausspruch , es sei das Wüsteste und Gottverbotenste , was seit Erfindung der Buchstaben und noch dazu von einem Kleriker ersonnen wurde . Frommer Vater , ich lege Euch den Unrat vertrauensvoll in die Hände . Befreit mich von dieser