Stein aus dem niederprasselnden Mauerwerk hatte ihre Stirn gestreift – , wenn er nur besser getroffen hätte ! ... › Ich bin verwundet ‹ , sagte sie so schwach , als ging ' s zu Ende mit ihr ; › wollen Sie mich hier umkommen lassen , Zweiflingen ? ‹ Und sie haschte nach seiner Hand und zog sie an ihren lügnerischen , falschen Mund ... Hei , da schlug es wie eine Feuerflamme über sein Gesicht ! Er riß die Frau in die Höhe und – ich weiß bis heute nicht , wie es zuging – , sie mußte ein Teufel sein an Schlauheit und Behendigkeit , im Umsehen war sie drin im Zimmer und warf sich vor dem Sterbebette nieder ... › Fort , fort ! ‹ schrie der Prinz und stieß mit den Händen nach ihr ; aber da schoß ihm auch schon wieder ein Blutstrom aus dem Munde , und zehn Minuten nachher war ' s aus und vorbei mit ihm . « » Die Nacht ist keines Menschen Freund , heißt ' s « , unterbrach sich der alte Soldat , herb auflachend ; » die Spitzbuben haben keinen besseren Freund ! Möchte wissen , ob die Frau Gräfin auch alleinige Erbin geworden wär ' , wenn die helle Sonne ins Sterbezimmer geschienen hätte – glaub ' s nicht ! ... Wie der Prinz den letzten Seufzer ausgestoßen hatte , da stand sie auf – sie sah aus wie ein Geist , aber nicht eine Spur von Mitleid oder gar eine Träne war auf dem hochmütigen , weißen Gesicht zu sehen – , also , sie stand auf und schlug mir die Tür vor der Nase zu . Über eine halbe Stunde lang hat sie drin in einem fort gesprochen , was , das weiß ich nicht – ich hörte nur die Todesangst in ihrer Stimme . Nachher kamen die beiden Herren heraus und zeigten den Schloßleuten den Tod des Prinzen an . Mein Major ging an mir vorbei , als sei ich auf einmal ein Mauerstein oder so was geworden – er sah mich nicht an ... Herr , ich sagte vorhin , daß in der Nacht die ganze wilde Jagd über den Thüringer Wald hingetobt sei – nun ja , die Gräfin kam als Frau Venus mitgeritten , und wer der Tannhäuser war , das weiß ich – , mein Herr war seitdem ein verlorener Mann , die Gräfin aber die reichste Frau weit und breit . Das Testament , das sich vorfand , fiel in die Zeit , wo die Feindschaft mit dem Hofe zu A. am schlimmsten und die Macht der Gräfin am höchsten gewesen war – es soll förmlich niet- und nagelfest gewesen sein , und kein Gerichtshof hat daran rütteln können . Was da war , gehörte der Erbschleicherin , nicht einmal die Armen im Lande kriegten einen Groschen . « » Verwünscht , daß der Fürst zu spät kam ! – stieß der Student hervor und schlug mit der Hand auf den Tisch . » Zu spät ? « wiederholte Sievert . » Er kam gar nicht . Gegen Morgen fingen Bauern in der Nähe von A. ein herrenloses Pferd ein , und der Baron Fleury wurde im Chausseegraben gefunden . Er war im Hinreiten nach der Stadt mit dem Pferde gestürzt und hatte sich die Gliedmaßen dergestalt verstaucht , daß er nicht von der Stelle konnte ... Hei , der sah aus , wie er auf der Trage eingebracht wurde ! Die Kleider zerrissen und voll Chausseeschlamm , und die Haare , die der Pomadenheld alle Tage so schön kräuseln und ringeln ließ , hingen wie bei einem Zigeuner über das Gesicht ! ... Nu , er hat sein Schmerzensgeld vollauf gekriegt . Es ist ihm nicht vergessen worden , daß er sein Leben in die Schanze geschlagen hat , um dem Fürstenhause die Erbschaft zuzuwenden , und drum ist er auch schließlich – Minister geworden . « » Und Herr von Eschebach ? « fragte der Student . » Ja so , Herr von Eschebach ! « wiederholte Sievert , indem er sich die Stirn rieb . » Um seinetwegen hab ' ich ja eigentlich die Schandgeschichte erzählt . Je nun , der verging sozusagen seit der Nacht . Zuerst war er noch ziemlich lustig und guter Dinge – er ritt viel nach Greinsfeld ; das hörte aber schon nach ein paar Tagen ganz auf . Er zog nach A. , und just an dem Tage , wo in Greinsfeld große Hochzeit war – die junge Gräfin heiratete den Grafen Sturm – , da ging er auf und davon ... Nu , der konnte freilich so mir nichts dir nichts in die weite Welt gehen , er hatte ja nicht Weib und Kind wie mein Major – « Der Hüttenmeister war während der letzten Mitteilung des Alten an eines der Fenster getreten und hatte die Vorhänge auseinandergeschlagen – ein berauschender Blumenduft strömte sofort in das Zimmer . Auf dem Fenstersims blühten in Töpfen Veilchen , Maiblumen und Tazetten . Der junge Mann schnitt erbarmungslos die schönsten Blüten ab und schob sie vorsichtig in eine weiße Papiertüte . Bei Sieverts letzten Worten bog er den Kopf ins Zimmer zurück : Ein rascher Seitenblick streifte die gespannten Gesichtszüge seines Bruders , wobei ihm eine helle Röte über Gesicht und Wangen flog . » Aber nun lassen Sie die alten Geschichten ruhen , Sievert ! « rief er , die Rede des alten Soldaten rasch abschneidend , hinüber . » Sie selbst machen ja vieles gut , was andere verschuldet haben . Sie sind der getreue Eckart – « » Wider Willen , ganz wider meinen Willen , Hüttenmeister ! « fuhr Sievert grimmig auf , indem er sich erhob und hastig seine Sachen zusammenpackte . » Hat einer seinen Herrn lieb gehabt , so bin ich ' s gewesen ; ich wär ' für ihn durchs Feuer gelaufen in der Zeit , wo er noch gut und strenge