einem kleinen , runden Silberteller ein Kelchglas , zur Hälfte mit dunklem , schwerem Rotweine gefüllt . Das war ein Zimmer , wo keine Blume gedeiht , wo kein Vogel sein störendes Lied singen darf . In den vier Ecken , auf Säulenstücken von schwarzem Marmor , standen lebensgroße Büsten aus demselben Material , das die strenggeschnittenen Köpfe noch herber und härter im Ausdrucke erscheinen ließ , und die eine lange Wand nahmen Büchergestelle ein ; sie harmonierten in Farbe und Ausschmückung mit dem Schreibtische und bargen eine ansehnliche Bibliothek in ihren Fächern , schöngebundene Bücher neuesten Datums , aber auch Folianten in Schweinsleder und ganze Stöße abgegriffener Brochüren . Fast schien es , als sei hier das tiefe , gleichmäßige Rot als Grundton nur gewählt , um den Ernst des Gedankens in der Gesammteinrichtung hervorzuheben . Als der Kommerzienrat auf die Schwelle trat , blieb die Dame , die offenbar da auf- und abgegangen war , inmitten des Zimmers stehen . Man hätte meinen mögen , auch sie sei eben von draußen hereingekommen , direct aus dem Schneegestöber mit überschneitem Gewande , so blendend weiß stand sie auf dem roten Teppich . Es ließ sich schwer bestimmen , ob die weichen Falten des langen Cachmirkleides lediglich aus Bequemlichkeit so lässig um Hüften und Taille geschürzt waren , oder ob diesem außergewöhnlichen Arrangement ein sorgfältiges Toilettenstudium zu Grunde liege – jedenfalls hob sich die Gestalt von dem dunkelpurpurnen Hintergrunde edel in jeder Linie und taubenhaft weiß ab wie eine Iphigenie . Die Dame war sehr schön , wenn auch nicht mehr in der ersten Jugend . Sie hatte ein feines Römerprofil und zartgefügte , jugendlich biegsame Glieder ; nur das aschblonde Haar entbehrte der Fülle ; es war kurz verschnitten und bauschte sich , von der Stirn zurückgestrichen , in kleinen durchsichtigen Locken um Kopf und Hals . Das war Flora Mangold , die Schwägerin des Kommerzienrats Römer , die Zwillingsschwester seiner verstorbenen Frau . Sie hatte die Arme leicht unter der Brust verschränkt und sah ihrem Schwager mit sichtlicher Spannung entgegen . „ Nun , Flora , Du bist nicht drüben ? “ fragte er , mit dem Daumen die Richtung des Salons bezeichnend . „ Was denkst Du denn ? Ich werde mich wohl in Großmamas Theeklatsch setzen , zwischen Strümpfe und Wickelschnuren für arme Kinder und Altweibergeschwätz , “ versetzte sie herb und geärgert . „ Es sind auch Herren drüben , Flörchen – “ „ Als ob die sich auf den Klatsch nicht noch besser verstünden , trotz Orden und Epauletten ! “ Er lachte . „ Du hast schlechte Laune , ma chère , “ sagte er und ließ seine schlanke Gestalt in einen Lehnstuhl sinken . Sie aber warf plötzlich mit einer heftig schüttelnden Bewegung den Kopf zurück und preßte die festverschlungenen Hände gegen den Busen . „ Moritz , “ sagte sie wie athemlos , wie nach einem augenblicklichen Ringen mit sich selbst , „ sage mir die Wahrheit – ist der Schloßmüller unter Bruck ’ s Messer gestorben ? “ Er fuhr empor . „ Welche Idee ! Nun wahrhaftig , Euch Frauen ist doch nie ein Unglück schwarz genug – “ „ Moritz , ich bitte mir ’ s aus , “ unterbrach sie ihn mit einer stolzen Kopfbewegung . „ Nun ja , allen Respect vor Deiner Begabung und Deinem ungewöhnlichem Verstande , aber machst Du es denn besser als die Anderen ? “ Er durchmaß aufgeregt das Zimmer – diese ungeahnte Auffassung des Ereignisses traf ihn wie vernichtend . „ Unter Bruck ’ s Messer gestorben ! “ wiederholte er mit tief erregter Stimme . „ Ich sage Dir , gegen zwei Uhr hat die Operation stattgefunden , und vor kaum zwei Stunden ist der Tod eingetreten . Uebrigens fasse ich nicht , wie gerade Du den Mut findest , einen solchen Gedanken so kurz und bündig , fast möchte ich sagen , so mitleidslos auszusprechen . “ Gerade ich ! “ betonte sie . Bei diesen energischen Worten drückte sie den vorgestreckten Fuß sichtlich tiefer in den Teppich . Gerade ich , weil ich nichts Totgeschwiegenes in meiner Seele dulde – das solltest Du wissen . Ich bin zu stolz , zu wenig hingebend , um die dunkle Verschuldung eines Anderen mitzuwissen und zu verhehlen – sei dieser Andere , wer er wolle ! Glaube ja nicht , daß ich dabei nicht leide ! Mir geht ein Schwert durch ’ s Herz , aber Du hast das Wort ‚ mitleidslos ‘ gebraucht – verdächtiger konntest Du Dich nicht ausdrücken . Mitleid haben mit der Stümperei in der Wissenschaft , das ist absurd , geradezu unmöglich . Darüber aber bist Du doch , so gut wie ich , im Klaren , daß Bruck ’ s Ruf als Arzt bereits stark gelitten hat durch die gänzlich mißrathene Kur der Gräfin Wallendorf . “ „ Ja , ja , die gute Frau hat ihrer Liebhaberei für Gänseleberpastete und Champagner um keinen Preis entsagt . “ „ Das behauptet Bruck – die Verwandten haben es widerlegt . “ Sie preßte die Handfläche an die Schläfen , als schmerze ihr der Kopf heftig . Weißt Du , Moritz , als die Nachricht von dem Unglück in der Mühle herübergebracht wurde , da bin ich wie sinnlos draußen im Freien auf- und abgestürmt . In allen Schichten der Bevölkerung war der alte Sommer gekannt , alle Welt interessierte sich für die Operation . Sei es denn , wie Du sagst , daß er nicht sofort unter Bruck ’ s Händen den Geist aufgegeben hat – die Sachverständigen werden mit Recht behaupten , er habe eben nur , vermöge seiner robusten Natur , einen verlängerten Kampf gekämpft . Willst Du als Laie das besser wissen ? Leugne doch nur nicht , daß Du dieselbe Ueberzeugung hegest ! Du solltest Dich nur sehen , wie blaß Du bist vor innerer Bewegung . “ In diesem Augenblick that sich eine Seitenthür auf , und die Präsidentin Urach