wie wir ihn nenneten ehedem . Ja , Johannes , wir sind in seinem Sterbestündlein , im Tode , wieder zu Freunden geworden ; im Leben waren wir getrennt , Johannes , lange düstere Jahre , und das , was uns trennete , war ein Grab , und unserer Jugend Glück lag darinnen . Die wilde Taube unter der Linden girrt noch immer zu , der Teufel hole sie ! Wollt ' eben aufstehen und ihr sagen , sie möge sich auf den Blocksberg scheeren – „ Da klang es leise von Lieb und Treu , Wie hold , wie süß die Minne sei – Ein Lied , ein Lied vom Lieben . Im duft ' gen Mondschein ein Lindenbaum , Zwo blaue Augen – Es war ein Traum Und einsam bin ich geblieben ! “ Johannes , das ist ' s ja eben : einsam , einsam ! Kein Weib mehr und keinen Freund mehr , und sie sagen noch : ich fühle es nicht , ich habe ein Herz , so härter sei , als der Fels in unseren Bergen . Es ist wahr , Johannes , ich konnt ' nicht jammern dazumalen , es war ein Leid , zu groß zum Klagen . – Wie es sich begeben ? Ei nun , Johannes , Du weißt ja noch , wie wir Drei , Prinz Christel , Du und ich zum letzten Male bei einander waren . Du standest bereits im Priesterröcklein an der Schwelle einer fetten Pfarre , und Dein Wesen war schon in Etwas salbungsvoll worden ; ich trug noch nicht lang das grüne Waidmannskleid als wohlbestallter Oberförster in unseres herzoglichen Herrn Revieren ; fürwahr , unser fürstlicher Freund hatte gesorgt für uns als ein echter Freund ; denn wir waren jung an Jahren für solch Amt ; er selbst aber wollt ' am Morgen des nächsten Tages seine große Cavaliertour antreten zu den fremden Höfen . Du weißt gewißlich noch , wie er das Glas , daraus wir den Abschiedstrunk gethan , im hohen Bogen in das Wasser schleuderte und dabei sagete : Niemandes Lippen sollen es wieder berühren , und wie wir uns dann küsseten und noch einmal Freundschaft schwuren , auf daß uns nichts trennen solle in der Welt . Du mußt es noch wissen , Johannes ; ich wenigstens meine noch , sein jugendlich begeistert Angesicht zu sehen ; nie später ist es mir wieder so zum Bewußtsein gekommen , welch ein edelschöner Mann er war . Wie sahest doch Du dagegen aus , Johannes ! Wie ein wohlgenährt Eselein neben einem edlen Roß . Und ich ? Erspare mir das Gleichniß ! Schönheit war niemalen mein Erbe . Doch genug hiervon ! An diesem Abende haben wir uns wohl zum letzten Male in alter treuer Freundschaft die Hand gedrückt – vergangen , verloren ! Durch wen ? Durch ein Weib – ! “ Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Unverstanden aus : Die Gartenlaube 1880 , Heft 38 , S. 609 – 612 Fortsetzungsgeschichte – Teil 2 [ 609 ] ( Fortsetzung . ) „ Ein Weib ! Suche nach , Johannes , in der Geschichte der Welt , von Adam an bis heute – die Ursache des Bösen in der Welt ist das Weib , und einer Frauen Schönheit ist wie Gift , berauschet die Sinne und machet das Herz elend . Wenn Freunde sich entzweiten , Familienglück zerriß , Ehen sich trennten , die Kriegsfuria über die Länder sich ergoß – cherchez la femme – où est la femme ? Und Voilà , sie war stets zu finden , schuldig oder unschuldig – das Böse in der Welt ist das Weib . Und wenn es wahr ist , daran Du felsenfest glaubst , daß es einen Teufel gebe , der in der Welt umhergehet und suchet , wen er verschlinge , so gehet er wahrlich um in eines schönen Weibes Gestalt . Lasse getrost Pferdefuß und Hörner bei Seite , Johannes ! Es war um die heilige Weihnachtszeit , da ich sie zum ersten Male gesehen . Ein Wetter tobte über die Berge daher , daß es schien , als sei die wilde Jagd noch niemalen so arg über den Harzwald gezogen . Es pfiff und sauste und heulte um mein altes Eulennest , als sängen alle bösen Geister einen Triumphgesang ; dazu prasselte ein Regen mit Schneeflocken untermischt gegen die verschlossenen Läden meines Gemaches ; ich hatt ' just mein nasses Fußzeug abgestreifet ; denn ich war eben mit Büchs und Hunden heimgekommen , der Teufel weiß , verdrießlich genug , ohne eine Kugel versandt zu haben . Da klopfete es draußen , und dieweil niemalen Abends Jemand einsprach in mein einsam Haus , am wenigsten bei solchem Unwetter , so hieß ich die Hunde schweigen , ging hinaus und öffnete die Thür , die mir von dem Sturm allsogleich aus der Hand gerissen ward . Da stund sie auf der Schwelle . Johannes , wenn ich dermalen gewußt , wen ich eingelassen ! Ein Weib , so königlich , schlank und stolz , und doch so demuthsvoll das schöne Haupt gesenkt ; und der Sturm zerrete an ihren Gewändern und wirbelte den Schleier von dem weißen Antlitz und ließ mich in ein paar blaue Augen schauen – Die Augen – Johannes ! „ Ein Obdach , “ heischte sie , „ und Hülfe “ ! Der Wagen liege zerbrochen nahebei am Wege ; der Kutscher sei bei den Pferden geblieben . Ich öffnete meines Zimmers Thür und hieß sie eintreten ; sie bückete sich unter der niedern Gewölbung , und als sie dann neben mir stand , da reichete mir das blonde Haupt doch nur bis zum Kinn . – Ich war ungeschickt immer gegen Frauen , doch flog ein Lächeln um ihren ernsten Mund , als sie sah , wie ich mich mühete ihr Höflichkeit zu erweisen . „ Ich danke