baue ich meine ganze Hoffnung , “ und nun hatte er ihr etwas von „ Erbschleichen “ entgegengerufen . Aber freilich die Blanka , die kleine rothhaarige Blanka – da war sie schon wieder – aber Tante Stontheim konnte ja theilen zwischen Blanka , Nelly und ihm – ja , das war ein Ausweg . Ob nicht doch noch Alles gut werden könnte ? Ihn fröstelte ; er trat zum Kamin und warf eine Hand voll Reisig in das verglühende Feuer ; die Flammen schlugen prasselnd aus in dem dürren Holz und beleuchteten zuckend und unsicher den getäfelten Fußboden . Ihr röthlicher Schein ließ das vergoldete Laubwerk des alte Kamins in hellem Glanz aufblitzen , und die Augen des jungen Mannes folgten träumerisch den Windungen der Eichenguirlande , die sich unter dem Sims des Kamins hinzog ; in der Mitte umschloß sie kranzartig ein Schild ; es stand ein Spruch darauf : „ An Gott nit verzag ! Glück kombt all Tag , “ ein Kernspruch alter – längst vergangener Zeiten . „ Glück kombt all Tag , “ wiederholte er halblaut noch einmal ; hatte er den noch nie diese Worte gelesen ? Sie ergriffen ihn mächtig in dieser Stunde ; konnte denn nicht das Glück auch zu ihm wieder kommen ? Er sah empor zu den prächtigen Hirschgeweihen – alle waren sie von den Derenbergs erbeutet , wie die Täfelchen mit Namen und Datnm anzeigten , alle in den Wäldern , die man theils verkauft , theils verpfändet hatte . Aber es konnte ja möglich sein – warum denn nicht ? – daß er wieder dort jagte , wo seine Vorfahren so manche fröhliche Pirsch gehalten . Weg mit den Grillen ! Das Leben lag ja noch vor ihm , so hoffnungsreich , so locked , und „ Glück kombt all Tag . “ Ueber sein jugendliches Gesicht flog es wieder wie Sonnenschein ; das Herz klopfte ihm heiß in der Brust , und er fühlte den Muth , auch Stürmen zu trotzen . „ Nur vorwärts , weiter hinein in die Woge des Lebens ! Je toller die Brandung , je besser ! Ob Lust oder Schmerz , ich nehme es wie es kommt ; ein Leben ohne Kampf – das ist kein Leben . Ich will Großmama um Verzeihung bitten des Erbschleichens wegen , “ fuhr er fort , „ auch Mama soll nicht mehr so traurig sein – warum so schwarz sehen ? Selbst die Kleine hing ihr Köpfchen , ja so – das war wegen der Liese , der kleinen Lumpenliese , pah ! das ist nicht der Rede werth , und sie wird es später selbst einsehen , daß – “ Er pfiff ein Liedchen vor sich hin , als er den Corridor entlang schritt , um zu seiner Mutter zurückzukehren . Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Lumpenmüllers Lieschen aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 41 , S. 669 – 672 Fortsetzungsroman – Teil 2 [ 669 ] 2. Am folgenden Morgen stand Army mit sonniger heiterer Miene vor der Großmutter : er hatte ihre Verzeihung erhalten . Zwar ’ zuckte sie lächelnd die Schulter , als er ihr seine Ansicht aussprach , daß die noch unbekannte Blanka ja mit erben könne . „ Du bist ein Phantast , Army , “ sagte sie scherzend , widersprach ihm aber nicht , sondern deutete mit der schlanken Hand auf ein Tabouret zu ihren Füßen . „ Setz ’ Dich ! Ich habe Dir noch Einiges mitzutheilen , bevor wir scheiden . “ Die Zimmer der alten Dame hatten ihre luxuriöse Einrichtung behalten und machten auf den ersten Anblick einen beinahe prächtigen Eindruck . Wer genauer hinsah , bemerkte wohl , daß die Farben des schweren purpurrothen Stoffes verblichen und die Seide hin und wieder gebrochen war , aber trotzdem verliehen die Vorhänge an Thür und Fenstern , die zierlichen Palissandermöbel , der große Smyrnaer Teppich dem Zimmer einen beinahe üppig eleganten Charakter . Von den Wänden schauten aus goldenen Rahmen heitere italienische Landschaften ; diese Bilder waren Erinnerungen an glückliche Tage , welche die Baronin als junge gefeierte Gräfin Luja in Venedig und Neapel verlebt hatte , und in diesen Erinnerungen vergaß sie die trostlose Gegenwart . „ Ueber Dein Verhalten gegen Tante Stontheim brauche ich Dir keinen Wink zu geben , Army , “ begann sie , eng die gestrige Klippe vermeidend . „ Du wirst Dich ja zu benehmen wissen ; sag ’ ihr meine innigsten Grüße , und ich wäre eine alte , müde Frau geworden . “ „ Diese Bestellung muß ich ablehnen , Großmama , “ sagte Army galant , „ unmöglich kann ich mein Gewissen mit einer Lüge belasten . “ Die alte Dame lächelte geschmeichelt , und ihm einen leichten Streich auf die Wange gebend , bemerkte sie : „ Nicht ironisch sein gegen Deine alte Großmama ! “ Army küßte ihr die Hand . „ Und was hat mir Großmama noch zu sagen ? “ „ Ja richtig , ich muß Dich noch vor etwas warnen . Du trittst sehr jung in ’ s Leben und hast das leidenschaftliche Blut meiner Vorfahren geerbt . Genieße Deine Jugend nach Herzenslust , aber hüte Dich vor einer ernsthaften Neigung ! Es muß sich Vieles in der vereinigen , die Du einst heimführst , alte Familie und Vermögen , Army , viel Vermögen ; es ist einer der wenigen Wege , die Dir offen stehen , den gesunkenen Glanz Deines Hauses wieder aufzurichten . – So , und das wäre Alles , “ schloß sie , „ und wenn Du versprichst , mir mitunter zu schreiben , so hätten wir uns weiter nichts zu sagen . “ Der junge Officier lächelte . „ Gewiß , Großmama , ich schreibe bald , denn ich werde viel Zeit haben , und ängstige Dich nicht ! An ’ s Heirathen kann ich doch unmöglich schon