meiner Begabung . Ich weiß nicht recht - einstweilen mache ich mir Aufzeichnungen und Notizen , besonders wenn ich mit dem Philosophen zusammen bin . Da war der Abend mit Heinz Kellermann und seinen Freunden . Der eine mit dem scharfen Gesicht sah fast wie ein Indianer aus . Als ich das sagte , wurde Heinz ganz ärgerlich und behauptete , er sei doch blond , dunkelblond wenigstens und ein absolut germanischer Typus . Es gab eine förmliche Diskussion darüber , aus der ich entnahm , daß sie die blonden Menschen mehr ästimieren als die dunklen , und daß das irgendeine Bedeutung hat . Es war auch ein junges Mädchen dabei - eine Malerin - , das übrigens ausgesprochen schwarzes Haar hatte ; aber ich wagte keine Bemerkung darüber , denn mir schien , daß sie der Unterhaltung etwas deprimiert zuhörte , und ich muß gestehen , ich freute mich zum erstenmal darüber , daß ich blond bin . Im ganzen hatte ich aber wieder das Gefühl , nicht recht mitzukönnen . Ich weiß nicht , ob man diese Ausdrucksweise eigentlich geschraubt nennen kann , aber sie kommt einem manchmal so vor , und man muß sich erst daran gewöhnen . Was meinen sie zum Beispiel damit : man müsse einen Menschen erst erleben , um ihn zu verstehen ? Heinz machte manchmal ganz treffende Bemerkungen - das kann er überhaupt sehr gut - und dann hieß es : » Heinz , Sie sind enorm . « Nach dem Tee setzte man sich auf den Boden , das heißt auf Teppiche und Kissen . Heinz machte die Lampe aus und zündete in einer Kupferschale Spiritus an - warum auch nicht - es gab eine schöne blaugrünliche Flamme . Aber dann stand die Malerin auf und hielt ihre Hände darüber , man sah nur die schwarze Gestalt und die Hände über der Spiritusflamme , die in dieser Beleuchtung ganz grünlich aussahen . Und nun waren alle ganz begeistert und sagten wieder , das sei enorm . Um auch irgend etwas zu sagen und mich gegen das junge Mädchen höflich zu zeigen , meinte ich , dieses offene Feuer in der Schale habe etwas von einem alt-heidnischen Brauch . Das war nur so hingesagt , weil mir nichts anderes einfiel , aber sie sahen mich bedeutungsvoll an , als ob ich einen großen Ausspruch getan hätte , und Heinz sagte zu dem Indianer : » Sehen Sie - und er weiß gar nicht , was er damit gesagt hat . « - » Das ist es ja gerade « , antwortete der , » er muß das Heidnische ganz unbewußt erlebt haben . « Ich wollte fragen , was er meinte , da klingelte es , und dann kam der Professor Hofmann - der mit dem Kreis - der aus dem Traum - ich dachte mir gleich , daß er es wäre . Er war ungemein gesprächig und liebenswürdig , bewunderte das Feuer in der Schale und nannte es fabelhaft , ebenso die grünlichen Hände der Malerin und sagte , es sei ganz unglaublich schön , wie sie dastände . - Ich mußte dabei an die Geschichte neulich im Café denken - die Wahnmochingerei , wie der Philosoph es nannte . Dann ging die Flamme aus , und die Lampe wurde wieder angezündet . Da niemand an Vorstellen zu denken schien , tat ich es selbst . Der Professor sah mich plötzlich verwirrt und ganz entgeistert an , ich dachte , er hätte mich nicht verstanden , wiederholte meinen Namen und setzte hinzu : » Ich heiße nämlich Dame . « Er schüttelte mir nun mit großer Lebhaftigkeit die Hand und sagte , es freue ihn unendlich , mich kennenzulernen . Dann unterhielt man sich über dieses und jenes . Der Professor ging dabei mit etwas stürmischen Schritten auf und ab , nahm jeden Augenblick einen Gegenstand in die Hand , betrachtete ihn ganz genau und stellte ihn wieder hin . Im Laufe des Gespräches fragte er mich , ob ich auch in Wahnmoching wohnte . Ich fragte wieso und hielt es für einen Witz - » ich wohne in der K ... Straße « . Darüber brachen sie alle in Gelächter aus und fanden es enorm , daß ich nicht wüßte , was Wahnmoching sei . Man erklärte mir , daß der ganze Stadtteil von dem großen Tor an so heiße . Wie sollte ich das wissen , ich habe mich gar nicht darum gekümmert , wie der Stadtteil heißt , in dem ich wohne . In Berlin weiß man es , aber hier doch nicht . Ich begriff wirklich nicht , was daran enorm sein sollte . Ja , sagten sie , das sei es ja eben - ich wäre in allem so unbewußt . Sonst bin ich wirklich ein geduldiger Mensch , aber ich hatte allmählich den Eindruck , als ob man mich mystifizieren wollte , und sagte , den Ausdruck Wahnmochingerei hätte ich schon gehört . Der Professor wurde stutzig und fragte , von wem denn ? » Von Doktor Sendt , dem Philosophen . « » Ah - Sie kennen Doktor Sendt ? « es klang beinah , als ob ihn das verstimmte . Aber dann wurde er wieder sehr herzlich und lud mich ein , ihn zu besuchen und zu seinem Jour zu kommen . den 18 .... Nachts um ein Uhr den Philosophen auf der Straße getroffen - wir gehen noch lange auf und ab , ich erzähle ihm von dem Abend bei Heinz und bitte um einige Aufklärungen . Warum es enorm ist , wenn man Spiritus in Kupferschalen verbrennt und jemand die Hände darüberhält - ich kann immer noch nicht vergessen , wie grünlich das ganze Mädchen aussah - warum geraten sie darüber in solches Entzücken ? oder wenn man von einem heidnischen Brauch spricht ? » Junger Mann « , sagte Sendt , » enorm ist einfach ein Superlativ , der Superlativ aller Superlative . Sie werden überhaupt mit der Zeit bemerken