und wenn er auch ein bißchen über die Schnur haut , mein Gott , das sind Jugendstreiche , die man strafen , aber auch verbessern und verzeihen kann , und oft geben die wildesten Füllen später die besten Rößlein . Dagegen so ein weibischer , saft- und kraftloser Kopfhänger , der einem nicht ehrlich und offen in die Augen sieht , vom Morgen bis zum Abend in den Wäldern herumschleicht , sich von aller Welt absondert , an keinem gesunden körperlichen Spiel , an keinem fröhlichen Fest , an keiner Versammlung teilnimmt , sich besser dünkt als alle andern und doch hinten und vorn nichts ist und nichts kann - die Galle überläuft mir , wenn ich nur daran denke . « » Daß wir zwei über Ihren Max verschiedener Meinung sind « , erwiderte der Herr Balsiger ruhig , » wissen wir schon lange . Doch jetzt ist nicht von Max die Rede , sondern von Gesima und den Buben . Ich wünsche einfach einen bestimmten Bescheid . Kann ich darauf rechnen , daß die Buben punkt sechs Uhr reisefertig sind ? Wenn ja , gut , so wartet der Wagen ; wenn nein , so laß ich Gesima allein fahren . Also , ich bitte um eine deutliche Antwort ; ich denke , das wird wohl kein unbilliges Ansinnen sein . Oder ? « Da lenkte der Statthalter ein . » Gut , gut , einverstanden , ich habe ja nie im mindesten etwas dagegen gesagt . Aber die Kinder können ja ebensogut direkt von hier abfahren ; schicken Sie doch einfach um sechs Uhr den Wagen zu mir . Und Gesima soll ein halbes Stündchen früher kommen , damit die drei Kinder Zeit finden , Freundschaft zu schließen . « » Das hat etwas für sich . Also ich schicke ungefähr in einer halben Stunde die Gesima und um sechs Uhr den Wagen . « » Abgemacht . Und nichts für ungut , nicht wahr , Herr Balsiger ? Ich bin ein einfacher Gemütsmensch und verstehe nicht , meine Worte auf die Goldwaage zu legen . Auf Wiedersehen . « » Auf Wiedersehen . « All die Zeit , da der Statthalter redete , hasteten der Statthalterin Hände , welche den Gerold pflegten , in aufgeregter Eile ; wenn er mit der Antwort einsetzte , zuckte sie zusammen , als ob man ihr an einen hohlen Zahn rührte ; erhob er die Stimme , so suchte sie den Atem ; wie er aber gegen den Sohn wetterte , irrte sie fieberhaft in der Stube umher und faßte allerlei Gegenstände an , ohne zu wissen , was sie tat oder tun wollte . Nachdem Gerold als erster säuberlich hergestellt und angekleidet war , entließ ihn die Statthalterin . » Sobald dein Bruder gleichfalls fertig ist , könnt ihr essen . « Der Götti Statthalter jedoch , empört über diese , Grausamkeit , befahl , dem Gerold sein Essen sofort aufzutragen , und als Monika dem Befehl trotzte , schickte er den Wachtmeister Mazzmann in die Küche , die Suppenschüssel zu holen , worauf Monika sich endlich herbeiließ . Nun bediente er eigenhändig den hungrigen Kanonier mit der Sorgfalt eines Krankenwärters , redete ihm beweglich Appetit zu , lobte ihn wegen seiner Natürlichkeit , liebkoste ihn mit weichen , schmelzenden Seufzertönen , wie wenn man einen Kanarienvogel lockt , damit er einem Zucker aus dem Munde nehme , so daß Gerold in Wonne und Freundschaft schwamm . Bis zum Gemüse , da änderte sich die Szene . » Das sind Rapünzlein « , schmeichelte der Statthalter , » oder Schwarzwurzeln , wenn du das besser verstehst . Die habe ich eigens für euch kochen lassen ; liebst du die Rapünzlein ? « » Nicht gar so sehr . « » Sags nur offen , du brauchst dich nicht zu fürchten , ich bin doch kein Tyrann . Ja oder nein ? « » Nein . « Da schickte ihm der Götti Statthalter einen häßlichen , stechenden Blick zu : » Nun gut ; es zwingt dich ja kein Mensch , sie zu essen , wenn du sie nicht magst . Aber was ich nicht leiden kann , das ist , wenn man sich ziert und Faxen macht und Komödie spielt . Da hast du die Rapünzlein , die du so gerne magst ; also laß die Stempeneien , greif zu , iß , und laß dirs schmecken ; es sind genug da . « Hiemit häufte er ihm den Teller voll Rapünzlein , und Gerold mußte sie wider Willen aufessen . » Es sind noch mehr da , falls du etwa wünschest . Willst du noch mehr ? sags offen ! « » Nein , ich danke . « Der Götti Statthalter runzelte die Stirn und rollte die Augen . » Gerold , Gerold « , drohte seine Stimme mit feindseliger Betonung , » ich habe dich bisher für einen gesunden , unverdorbenen , wahrhaftigen Buben gehalten . Was ich auf den Tod nicht ausstehen kann , das ist ein hinterhältiges , duckmäuserisches Benehmen . Also gesteh es ehrlich und aufrichtig , wenn du noch mehr begehrst , und sag nicht nein . « Und schob ihm abermals den gehäuften Teller voll hin . So oft Gerold , der einfach nicht mehr konnte , mit Essen einhalten wollte , warf ihm der Götti einen hässigen Blick zu , wenn er dagegen weiter würgte , nannte er ihn einen guten , braven Buben . Schließlich , als es dem angsterfüllten Opfer gelang , sich von dem halsnotpeinlichen Stopftisch zu retten , » Gelt , wir zwei verstehen einander ? « triumphierte der Götti Statthalter , hängte ihm eine Flinte über die Schulter , drückte ihm ein Signalhorn in die Hand : » So , jetzt spaziere das Dorf hinab und zeig dich . « Gehorsam spazierte Gerold durchs Dorf , mitunter einen Ton durch das Signalhorn tutend . Dabei geriet er an einer höllisch tosenden Fabrik vorüber , auf den