, und das schöne , sonngebräunte Volk in bunten Fetzen tanzte und flog in der Wiesenfläche . Einhart hatte gleich etwas empfunden , wie um sich selber gebracht . Er hatte das ganze Abendneigen schon erst in der Nähe gestanden , die grünen Planwagen , die im Rubinlicht ragten , umschlichen und die falben , struppigen Pferde angestaunt , die an den Wagenkästen knabberten oder das Gras am Boden nagten . Einhart hatte dann an der Böschung sich unter die Kinder der Armen und einige Arbeitsleute gemischt , die auch herumstanden und auf die seltsame Horde staunten . Eine junge Mutter , wie ein gelbes , ägyptisches Weib , stand mit dem Kind an der Brust im Freien . Während eine alte , großäugige Zigeunermutter im Wageninnern kochte , daß der Rauch unaufhörlich dick aus der kleinen Esse schlug . Weiße Ziegen weideten am Hange . Einhart stand - und starrte und starrte , als wenn rein nur das wäre , was sich vor seinen Blicken und Ohren begab . Wie nicht wirklich dünkte er sich und ihm diese Welt . Wie selbst verjagt hinziehend und doch in Tänzen und flüchtiger , lustiger Rast . Die Lust daran machte seine Augen wie verzehrt . Da waren auch zwei halbwüchsige Zigeunerdirnen , melancholisch und träge . Die trockenen Schwarzhaare hudelten um die Stirn , wie ihm . Die beiden kamen zu ihm nahe heran und lachten ihn gutmütig an . Sie nahmen seine Hände prüfend in ihre dünnen , harten Finger . Er mußte an sich halten , daß er nicht einen Sprung in die Lüfte tat , wie ein Bajazzo , oder wie ein junger , dummer Frühlingsfaun mit Nymphen , sich im tollen Wirbel drehend , als Pavos Geige eingesetzt . Ein Rausch ging in ihm , eine Selbstvergessenheit ohnegleichen , eine richtige Ohnmacht . Nicht , als wenn er die Sinne verlor . Durchaus nicht . Nur allen Willen , etwas anderes noch zu sein , als was ihn jetzt erfüllte . Die dunklen , lumpigen Dirnen konnten zudem ihr Lachen nicht lassen , ihr weiches , kindliches Locken . Weil er in seiner fiebernden Unruhe doch noch einmal zurückgetreten . Seine Blicke suchten ununterbrochen den jungen , schönen Zigeunerspieler . Die junge Mutter war unter die Arbeitsleute gekommen . Sie hatte das Kind in den Wagen zurückgetragen und drehte jetzt eine Zigarre in ihrem Munde . Ein Gesicht , wie das einer Koptin , gelbgrau , mit gebogener Nase , streng , knisterndes Zottelhaar um die Stirn , nicht voll , dürftig , und ein dürftiges Zöpfchen hinten , das ihr nachlässig , blau gebunden , im Nacken starrte . Die blaue Kattunjacke stand offen , daß man die knospenfrischen Brüste sah . Sie kam Schritt um Schritt , mit ihren Dunkelblicken lautlos und achtlos um Feuer bittend . Die Arbeiter machten ein paar gemeine Glossen und lachten . Einhart hörte es nicht . Es zog ihn und trieb ihn gleichzeitig . Der Gedanke an Rosa , und daß sie es sehen müßte , war in ihm erwacht . Der Sternenhimmel begann schon zu blinken . Immer wieder kamen die zwei stahlschlanken Dirnen , die seine Augen suchten , als hätten sie an ihm etwas Besonderes ausgefunden , und lachten über ihn kindlich schalkisch untereinander . Und die Geigentöne gingen jetzt schon im stillen Reigen . Der Mond ging auf und stieg stummgolden in den Raum , ferne über den schwarzen Wäldern . Von ferne hallte ein Kuckucksruf , unaufhörlich weich sich wiederholend . Es war eine Juninacht . Unermeßlich die silberne Blankheit des sanften Wasserspiegels , weil das Mondlicht ihn streichelte . Einhart hatte es nicht mehr ausgehalten . Er war wie sinnlos fortgeeilt , geirrt , weil noch immer zurückgebunden , und doch wie im Wirbel . Die heißen Geigentöne des braunen Zigeuners gingen mit ihm und die weiße Dunkelnacht , und die Mädchenblicke , und es schwirrte rings , wie von Dämonen in weicher Dämmerluft . So war er in Zwängen in die Wohnung der Geheimrätlichen zurückgerannt . Der Zufall wollte , daß nur Frau Selle und die Schwestern daheim waren . Der Herr Geheimrat selbst hatte im Amt eine Hinderung gehabt und hatte heimgeschickt , daß er auswärts äße . Er saß unterdessen in einer kleinen Weinstube mit einigen Herren seines Ressorts beim Glase , und man erzählte allerhand Postvorkommnisse , besprach auch einen Fall schwerer Defraudation genauer und ernstlich , ehe man wieder lachte und pokulierte . So war Einhart gut ins Haus gekommen . Aber sein Herz , so voll tollen Spaßes es war , sank jetzt wie demütig zusammen , daß er sein Fieber plötzlich niederpreßte und nur einfältig lächelnd dastand , als Frau Selle ihm die Strähne liebevoll aus der Stirn strich . Frau Selle hatte in einem losen Sommerkleide am Fenster gestanden . Auch sie lächelte nur gütig . Johanna und Katharina verstanden nicht recht , warum Einhart heut nicht redete . Dann waren die beiden mit Mutter auf den Balkon getreten . Auch für sie alle hatte sich jetzt der Silbermond in die Welt gehoben . Auf den Dächern lagen Spiegelscheine , und es umfloß alle Dinge mit Silberfäden . Johanna redete laut , wie glänzend der Mond im Äther schwämme . Sie machte einen Witz von Liebenden im Mondenschein . Einhart mußte hell hinauslachen . Er war im Zimmerdunkel zurückgeblieben . Auch Rosa , die gleich mit der feinen Witterung der Seele zu ahnen begonnen , daß in Einhart neugesponnene Träume sich rührten und laut werden wollten - nur für sie . Sie hatte ihn jetzt unter den Arm gefaßt und legte ihre Wange sanft an die seine . Da begann Einhart auch schon erregt zu flüstern . » Komm ! « sagte er ganz leise , » komm ! « - - - » Wohin ? « sagte Rosa . Und man hatte kaum draußen eine Weinranke am Balkon im Silberlichte wanken sehen . Und dann war Einhart nach einigen bestimmten , stummen Zeichen plötzlich