seines geliebten Zöglings . An dem Abend des Tages versammelte sich eine auserwählte Gesellschaft in dem alten Palast des Herzogs von Santomara . Die prunkvollen Säle strahlten von Licht , in denen eine Anzahl der schönsten Frauen in reichem Schmuck , Kardinäle und Prälaten , auswärtige Gesandte , Künstler und Dichter durcheinanderwogten und mit Spannung die angekündigte Abendunterhaltung erwarteten . Die damalige aristokratische Gesellschaft war durchaus nicht so abgeschlossen , wie sie es nachher wurde , und besonders ließ es die Herzogin von Santomara sich angelegen sein , Leute , die sich durch Geist und Bildung auszeichneten , Dichter und Künstler , in ihren Kreis hereinzuziehen und der Geselligkeit in ihrem Hause dadurch einen höheren Reiz zu verleihen . Sie war selbst fein gebildet und voll geistiger Interessen , wie zu jener Zeit überhaupt viele römische Frauen der Aristokratie . Prinz Waldemar mit seinen zwei Begleitern war eben erschienen und von Donna Giulia mit besonderer Liebenswürdigkeit , vom Herzog mit kalter Höflichkeit empfangen worden . Erst seit kurzem in Rom , hatte er noch nicht Zeit gehabt , sich näher mit einzelnen Persönlichkeiten der Gesellschaft zu befreunden , und seine noch etwas schüchterne , fein prüfende Zurückhaltung war bis jetzt erst dem lebhaften Entgegenkommen der schönen Herzogin gewichen . Sie war jetzt zu sehr mit dem Empfang ihrer Gäste beschäftigt , um sich ihm besonders zu widmen , und so erging er sich , den Professor im Gespräch mit römischen Gelehrten und Raden in Unterhaltung mit einer schönen Mailänderin , die sehr gut deutsch sprach , zurücklassend , in den weitläufigen Prunkgemächern , in denen einzelne Kunstgegenstände seine Aufmerksamkeit fesselten . So kam er endlich an ein kleineres Zimmer , das ihm bereits als das eigentliche Boudoir oder besondere Lieblingszimmer der Donna Giulia bekannt war und in dem sich weniger Pracht als das Gepräge der feinen Bildung und des künstlerischen Sinnes der Bewohnerin zeigte . Er wollte vorübergehen , da sah er eine schlanke weibliche Gestalt in weißem Kleid , die in dem Dämmerlicht , das eine rosa Ampel , verbreitete , die von der Decke des Zimmers hing und die einzige Beleuchtung dieses auserlesen poetischen Raumes bildete , wie eine Feengestalt seiner Phantasie entstiegen schien . Er erkannte in ihr die junge Improvisatrice , deren holde Erscheinung ihm schon am Abend vorher einen so anmutigen Eindruck gemacht hatte . Ohne zu überlegen , trat er über die Schwelle des Kabinetts und begrüßte sie , indem er fragte , wie es komme , daß sie hier allein verweile . Zugleich bemerkte er , daß das junge Mädchen nicht allein war , sondern daß eine ältere Frau da war , die sich tief vor ihm verneigte . » Dies ist die Signora Amadei , meine einzige lebende Verwandte und Begleiterin , « sagte Rosa und fuhr fort , während die andere sich fortwährend verbeugte und Anstalten machte , das Wort zu nehmen : » Ich bin hier auf den Wunsch der Herzogin , die dachte , es sei mir lieber , hier ruhig zu bleiben , bis die Gesellschaft sich versammelt habe und es möglich sei , Stille und Aufmerksamkeit zu erlangen . « » Würde es Sie dann stören , wenn ich ein wenig hier verweile , da es mir auch lieber ist , wenn sich dort das Gewoge ein wenig beruhigt « sagte der Prinz . » Nein , gewiß nicht , « erwiderte Rosa mit ihrem anmutigen Lächeln ; » es ist ja nichts Vorbereitetes in mir , wenn ich improvisiere , es ist das Resultat augenblicklicher Anregung und bedarf weiter keiner vorhergehenden Sammlung . « » Wollen Hoheit nicht Platz nehmen ? « fiel die Amadei ein , indem sie dem Prinzen einen Armstuhl hinschob . » Kind , du vergissest ganz , mit wem du die hohe Ehre hast , zu reden ! Seine Hoheit der Prinz von Deutschland , wenn ich nicht irre , « setzte sie hinzu , indem sie sich abermals tief verbeugte . » Ach ja , ich wußte nicht - ich sah so viele Menschen gestern abends - ich bitte um Vergebung ... « brachte Rosa verlegen hervor . » O , seien Sie unbesorgt ; ich bin hier ein einfacher Tourist , nichts anderes , und freue mich , wenn ich , aller Etikette ledig , einfach menschlich mit Menschen verkehren kann , « sagte der Prinz lachend . Er hatte neben Rosa Platz genommen und auch die Amadei mit freundlicher Handbewegung eingeladen , sich zu setzen . Er fragte nun mit großem Interesse nach der Art , wie und zu welcher Zeit sie sich ihrer großen Begabung bewußt geworden sei und ob sie viele Studien gemacht habe über Versifikation und die verschiedenen Formen des poetischen Ausdrucks , da das doch unmöglich auch angeboren sein könne . » Mein Vater war ein Deutscher , ein hochgebildeter Mann , den nur äußerste Armut gezwungen hatte , ein kleines , dürftiges Amt in Venedig anzunehmen , wo er sich mit meiner Mutter verheiratet hatte und wo er bereits für die Existenz einer Familie zu sorgen hatte , denn es waren schon zwei Kinder vor mir da , die aber früh starben , « erzählte Rosa . » Ihn freute es so , als ich schon als kleines Mädchen bei jedem Anlaß meinen Ausdruck in gebundener Rede fand , kindisch , unvollkommen , aber doch ein inneres Bedürfnis und eine Begabung verratend . Nun fing er an , mich zu unterrichten und mir das Verständnis für alles zu geben , was meine natürliche Anlage , die sonst immer unvollkommen geblieben wäre , unterstützen und veredeln konnte . Dann starb er , als ich kaum erwachsen war , gleich nach ihm auch die Mutter . Ich blieb mittellos und allein zurück , da kam diese Kusine meiner Mutter ( auf die Amadei zeigend ) und erbot sich mir zur Beschützerin und Begleiterin . « » O ja , ich habe Mutterstelle an der armen Waise vertreten , « fiel ihr die Amadei ins Wort