fortan suchen gingst . Du fandest ihn , den gleißnerischen , falschen . Man rief dir Hosiannah zu , obgleich es nur ein Esel war , auf welchem du durch die schreiende Menge rittest . Er trat mit seinen Hufen die Palmenzweige deines Ruhmes nieder . Sie waren es auch wert ! Denn schon begannen Stimmen hinter dir das Kreuzige zu rufen - - - « » Effendi ! « unterbrach er mich erstaunt . » Du weißt es , was geschah ? Wie kannst denn du es wissen ? ! « » Nur ich ? Das weiß doch jedermann ! Wer nach der Wahrheit strebt , hat durch den Jubel sogenannter Freunde hinauf nach Golgatha zu steigen , um von ihnen verlassen , von den Feinden aber gezwungen zu werden , seinen Geist aufzugeben . « » Seinen - - Geist - - aufzugeben ! « wiederholte er . » Wie wahr , wie wahr das ist ! Sage mir : Hat man es zu thun ? Muß man es thun ? « » Warum fragst du mich , den Sterblichen ? Frage den , der uns noch heut dadurch erlöst , daß er uns vorangestorben ist ! Vater , in deine Hände befehle ich meinen Geist ! so rief er aus , indem er von seinen Leiden Abschied nahm . Sag mir , o Ustad , hast du dieses sein Beispiel befolgt ? Hast du , als man dich deines Geistes wegen marterte , ihn so , wie er den seinen , dem Herrn befohlen ? Hier liegt die Leiche ; so sagtest du . Wohin aber ist ihr Geist gegangen ? Hast du dich zwingen lassen , ihn aufzugeben ? Hättest du ihn in die Hände seines Herrn gelegt , so würde er in diesem seinem Leibe wieder auferstehen können , wie einst Isa Ben Marryam in ganz demselben Leibe auferstanden ist ! « Da setzte der Herr des » hohen Hauses « die Lampe langsam , langsam wieder auf den Tisch . » Warte , Effendi ! « sagte er . Dann ging er hinaus ins Freie , Schritt um Schritt , als ob er plötzlich eine schwere Last zu tragen habe . Als er schon draußen war , drehte er sich noch einmal um . » Glaubst du an eine Auferstehung solcher Toten ? « fragte er . » Ja ! « antwortete ich . » Wirklich ? « » Ich glaube nicht nur an sie , sondern ich kenne sie sogar ! « » Du ? « » Ja , ich ! « » So wollte ich , ich wäre du ! « » Du kannst und darfst es sein ; du brauchst es nur zu wollen ! « » Effendi , Effendi ! Für wen wurde hier diese Lampe wieder angebrannt ? Für dich ? Für mich ? Für uns beide ? Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken , und meine Wege sind nicht eure Wege . So spricht der Herr ! Warte ! Laß mir Zeit ! « Während er nun draußen vor der Thür verschwand , nahm ich das noch offen vor mir liegende Manuskript , um es zuzuschlagen . Es fiel mir der Titel in die Augen . » Geist und Wahrheit « lautete er . Da setzte ich mich nieder , das Buch in der Hand behaltend . Es war mir , als sei ich plötzlich müd , sehr müd geworden . War es eine wirkliche , körperliche Schwäche , die mich überkommen hatte , oder mußte ich mich unter der intellektuellen Wucht dieser beiden Worte niedersetzen ? Wer ist der Mensch daß er es wagt , trotz allem , was ihm dazu fehlt , an eine solche Arbeit zu treten ? ! Dieses Buch war ganz gewiß in jener Zeit der Jugend begonnen worden , für welche das Land der Möglichkeit fast ohne Grenzen ist . Wenn dann das Alter alles , was unter größter Kraftanstrengung für die Unmöglichkeit geleistet wurde , als unbrauchbar vernichten soll , so geschieht dies fast nie , sondern es wird in allen Winkeln aufgestapelt , um dann irgend einem infallibeln Pessimisten als Beweis dafür zu dienen , daß auf der Erde alles , alles eitel sei . Es verlangte mich , dieses Manuskript lesen zu dürfen , und doch wäre ich wohl kaum mit Lust an diese Arbeit gegangen , weil ich mir ja sagen mußte , daß ich nicht damit einverstanden sein könne . So saß ich lange Zeit in beinahe trüben Gedanken da , bis der Ustad wieder hereinkam und mich abermals bat , mit ihm in die Bibliothek zu gehen . Ich stand auf und ließ unwillkürlich einen forschenden Blick an seiner Gestalt niedergleiten . War er ein anderer geworden ? Es hatte sich weder an seiner Figur noch überhaupt an seinem sichtbaren Menschen etwas verändert . Und doch war es mir , als ob er nicht mehr so vor mir stehe , wie er mir unten an meinem Lager erschienen war . Es wollte mich eine Art von Beschämung über diese meine Undankbarkeit beschleichen ; aber gegen dieses Gefühl stand in mir etwas auf , was mächtiger und , wie ich jetzt weiß , auch richtiger und gerechter war und mich aufforderte : » Schmeichle nicht dir selbst , indem du ihn zu schonen scheinst . Die Sonde , welche du an ihn legst , muß dich so wie ihn schmerzen ! « Er sah diesen meinen Blick auf sich ruhen und fragte mich : » Du schaust mich an . Du hast mein Werk da in der Hand . Lasest du vielleicht darin . « » Nur den Titel ? « » Und darum dieser dein Blick ? « » Ja . « » Ich verstehe dich . Geist und Wahrheit ! Vielleicht hätte es besser geheißen : Geist oder Wahrheit ! « » Auch das nicht . « » Also weder und noch oder ! « » Glaubtest du , dem Geiste , der Wahrheit durch