der von hohen Felsen umgeben ist . Warum er gerade mit diesem Namen bedacht worden ist , konnte ich nicht ergründen . In allen Ländern kommt aber diese Benennung so häufig vor , dass man unwillkürlich annehmen muss , der Glaube an die Allgegenwart des Teufels sei weit mehr als derjenige an eine andere Allgegenwart im tiefinnersten Bewusstsein der Menschen lebendig . Der Glaube an Gespenster , an böse Geister , anders auch Teufel genannt , ist ja sicherlich älter als der eigentliche Gottesglauben , denn aus der Angst vor bösen , unerklärlichen Mächten ist aller Kultus entstanden ; er diente anfänglich immer dazu , Unheil von den armen Menschen abzuwenden , die von den bösen Geistern verfolgt wurden : die ursprünglichen Kultformen sind immer abwehrender Art und vielen , vielleicht den meisten Menschen , erscheint ihre Gottheit auch heute ja noch als ein erzürntes Wesen , das versöhnt werden muss . Dieser kanadische Teufelssee erinnerte mich sehr an einen kleinen See in den Pyrenäen , den ich vor Jahren einmal sah . Dort steht auf einem Felsen ein kleines Kreuz , und der baskische Führer zog das breite wollene Barett ab , bekreuzigte sich und sagte , an der Stelle sei ein Liebespaar ertrunken . Jung , wie ich damals war , rührte mich das sehr . Als ich aber bis zu dem Kreuz geklettert war , las ich eine so alte Jahreszahl , dass das Liebespaar , wenn es statt zu ertrinken , alt und grau geworden wäre , und Urenkel erlebt hätte , unter allen Umständen doch längst hätte tot sein müssen . Das dämpfte meine Rührung . So oder so - ein Kreuzchen wäre doch schon längst das Ende - vielleicht war ' s besser so . 6 Banff , September 1899 . Lieber Freund ! Die Welt ist hier so schön , dass ich Ihnen gleich wieder schreiben muss ! Ich fürchte , dieser Briefanfang ist nicht sehr logisch - aber Sie werden ihn doch verstehen , Sie haben ja immer alles verstanden - Gesprochenes und Unausgesprochenes . Wir haben uns in einem Lande gekannt , das wohl niemand als besonders schön bezeichnen würde , im Gegenteil , es war oft recht öde und hässlich , und über all unseren gemeinsamen Erinnerungen liegt es wie ein Schleier von Wehmut . Und doch , seitdem ich von dort fort bin , fühle ich mich Ihnen niemals näher , als gerade , wenn ich etwas wirklich Schönes sehe . Nach den drei Jahren in Peking , wo mir das Schöne so selten durch die Natur offenbart wurde , sondern wo ich es nur in eines Menschen Herz und Seele fand , ist es mir wie eine Offenbarung , zu sehen , wie köstlich die übrige Welt doch ist . Jetzt beim Anblick dieser herrlichen Berge , wenn die Sonne auf die Gletscher scheint und die Bäche von den Felswänden herabstürzen in einen tiefgrünen See , wenn ich die harzige Luft einatme und an den hohen Stämmen hinauf schaue , die hier standen , lang ehe der weisse Mann das Land betrat - da frag ich mich oftmals : ist dies dieselbe Welt ? Hat das alles so gerauscht , geleuchtet , gefunkelt , geduftet , während der drei letzten , grauen Jahre , die ich in jener fernen Stadt verlebt , wo alles so unendlich fremd war und sich mir das Herz oft zusammenzog in beklemmender Angst , wie vor unheimlichem , unabwendbarem Schicksal ? Es ist so schön , wieder etwas schön finden zu können , plötzlich zu fühlen , dass die Jugend und die Begeisterungsfähigkeit nur schlummerten , dass sie aber noch da sind und bloss warteten , wieder aufleben zu dürfen . Es ist so schön , lieber Freund , sich noch einmal freuen zu können - ohne besonderen Wunsch , ohne irgend welche eigennützigen Gedanken , die ganz eigene , harmonische Freude zu empfinden , die die Natur in uns erweckt , die klärt und beruhigt , und durch die das Sorgen , Fürchten und Trauern für ein Weilchen wie in fernem Nebel verschwimmen . In solchen Augenblicken kommt es uns zum Bewusstsein , dass wir selbst eben auch ein Stückchen Natur sind , trotz alles Künstlichen und Gequälten , das uns die Erbschaft von Hunderten von Generationen auferlegt hat , und für einen kurzen Augenblick scheint es uns möglich , zu werden , wie die Lilien auf dem Felde . - Für eine kleine Spanne Zeit vermag das Schöne uns von der Last des Erlebten , des Gewollten , des nie Erreichten zu befreien . Wir atmen einmal frei auf , möchten vergessen und verweilen - aber schon müssen wir wieder hinein in die Mühe und die Qual , die uns Leben sind . - Doch auch für die kurze Rast sei diesen Wäldern Dank ! 7 Banff , September 1899 . In der hiesigen Waldesstille , die so beruhigend auf uns Weitgewanderte wirkt , denke ich oft staunend an das Hasten und Ringen zurück , in dem wir in Peking gelebt haben . Dort schien Streben und Kämpfen , andere verdrängen und sich selbst einen Platz erobern der einzige Zweck des Daseins zu sein . Ich glaube , dass Sie , lieber Freund , verstehen werden , welche Erquickung dieser weltabgeschiedene Frieden mir gewährt . Denn oft , wenn ich Sie in Peking reden hörte , hatte ich die Empfindung , dass Sie das ganze dortige Treiben und Drängen wie von einer Höhe aus betrachteten , zu der all die kleinlichen Motive nicht heranreichten , dass Sie mit Ihren Gedanken in einer Stadt lebten , die allem Niedrigen wirklich eine » verbotene « war . Sie dachten und fühlten ja sogar für die Chinesen , deren Wünsche und Anschauungen allen anderen als eine quantité négligeable erschienen , und die nur dazu da waren , um mit Gewalt in sogenannte Fortschritte getrieben zu werden , die dafür gestraft wurden , dass sie sich von dem einen hatten berauben lassen , indem der