aufs Beste bedienen . « » Ist sie wirklich gut ? « fragte Hildegard schüchtern . » Sie sieht « - Fräulein Schulze lachte . » Sie ist häßlich . Aber auf das Äußere darf man nie gehn . Sehen Sie , mein Bräutigam ist auch kein Adonis , und doch ist er ein vorzüglicher Mensch . Anna ist die Aufopferung selbst . Denken Sie , einmal als ich schwer krank war , hat sie mich acht Wochen lang allein gepflegt . Sie ist kolossal ehrlich . Das bischen Häßlichkeit , na , das vergißt man in Anbetracht ihrer sonstigen Eigenschaften . Früher schlief sie nicht hier . Aber seit ich so elend war , bin ich froh , daß sie selbst gewünscht hat , hier nachts über zu bleiben . Sie erspart sich Schlafgeld , und ich weiß , daß Jemand da ist , wenn ich nach Hause komme . « Sie plauderten noch eine Weile , dann trennten sie sich mit einem freundlichen Gutenacht . Hildegard kroch in das große Bett hinter dem dunklen Vorhang . Das Fenster stand weit offen . » Lassen Sie ' s geöffnet , damit Luft hereinkommt « hatte Fräulein Schulze gesagt . Hildegard horchte anfangs auf jedes Geräusch ; sie hatte sich hier ebenso wenig wie im Vorderzimmer einschließen können ; beide Thürschlösser waren schadhaft . Aber endlich versank sie in Schlummer . Hier rückwärts wars wirklich ruhig , drückend ruhig . Das Geräusch der Stadt drang wie fernes Wogenrauschen herein , einschläfernd , müde machend . - - - - - Hildegard wußte nicht , was vorgegangen war . Ihre Lider hatten sich plötzlich geöffnet , und ein Schauern rann ihren Leib hinab . Sie starrte mühsam vor sich hin ins Dunkel , ohne jedoch die schwarze Finsternis durchdringen zu können . Es war etwas da , unfehlbar war etwas da , hier innen im Zimmer , ein Körper , etwas Fremdes , etwas Athmendes .... Die junge Frau blickte angestrengt auf den Vorhang ; da teilte er sich , eine Hand glitt herein , strich über das Nachtkästchen neben dem Bett und zog sich zögernd zurück . Hildegard vermochte sich nicht zu regen ; die Sinne vergingen ihr . Als sie erwachte , war heller Tag . Sie blieb eine Zeitlang liegen und ließ das Ereignis der Nacht an ihrem Geiste vorüberziehen . Wie , wenn sie nur geträumt hätte ! Wenn nur der Genuß des starken Thees an dieser Hallucination schuld war . Oder ihr dummes Grauen vor dem dunklen Bettvorhang ! Wenn , wenn aber nicht ? Wenn es keine Wahnvorstellung , kein Traum war ? An allen Gliedern zerschlagen , erhob sie sich und kleidete sich an . Sie wußte noch nicht , was sie thun sollte . Ob sie sich Fräulein Schulze mitteilen sollte oder nicht ? Sie verließ das Zimmer , um zum Frühstück zu gehen . » Juten Morjen , Frau Wallner . Jut jeschlafen im neuen Bett ? Heut is zeitijer als jestern . Na is et da hinten ruhijer ? « Das Dienstmädchen näherte sich ihr freundlich . Hildegard wollte zuerst nicht antworten , dann bezwang sie sich . » Ja , ich habe besser geschlafen . « » Na sehn Se woll . Nu wern Se immer so schlafen . « Die graugrünen , von hellen Wimpern beschatteten Augen folgten der jungen Frau zum Ausgang . 3 Hildegard hatte durch das Adreßbuch die Wohnung von Frau von Werdern erfahren . Dorthin lenkte sie jetzt ihre Schritte . Die Dame wohnte in der Charlottenstraße ; bald war ihr Haus erreicht . Mit Herzklopfen klingelte die junge Frau an einer Thür des zweiten Stockwerks und gab ihre Karte dem öffnenden Mädchen . Gleich darauf wurde sie in einen Salon geführt , in dem ihr eine ältere Dame entgegentrat . Was ihr die Ehre verschaffe ? Sie wies leicht auf einen der herumstehenden Sessel und ließ sich selbst nieder . Hildegard stotterte zuerst einige Phrasen , dann sagte sie : » Es ist eigentlich kühn von mir , Sie , gnädige Frau , zu belästigen . Ich bin fremd hier , kenne keinen Menschen , und wollte Sie bitten , mir gütigst die Adresse von Frau Blatt mitzuteilen . « » Ah « , Frau von Werdern zuckte bedauernd die Schultern , » das thut mir leid . Meine Freundin ist heute Morgen abgereist . « Hildegard erblaßte . » Abgereist ? Nach Frankfurt ? « » Ja , nach Frankfurt . Sind Sie bekannt mit ihr ? « » Wir schrieben einander ab und zu . Sie war so liebenswürdig , mir ihre Schriften zuzuschicken , nachdem ich ihr einmal mitgeteilt hatte , wie sehr ich mich für sie und die Richtung ihrer Thätigkeit interessiere . « » Das freut mich sehr . Je mehr Freunde wir uns gewinnen , um so sicherer wird die Aussicht , unsere große Aufgabe zum Sieg zu führen . Es wäre an der Zeit . « » Ja , es wäre an der Zeit « bestätigte Hildegard . » Das Verhältnis , das die Frau gezwungener Weise zur Gegenwart , zu all den neuen herrlichen Fortschritten einnimmt , ist ein geradezu unerhörtes . « Frau von Werdern nickte zustimmend . Ihre grauen Augen blickten mit erwachendem Interesse auf Hildegard . » Sie sprechen wohl aus - Erfahrung . « Die junge Frau errötete leicht . » Gewiß gnädige Frau . Ich habe ein Leben der Bequemlichkeit , der Sorglosigkeit hinter mir gelassen , um mich ganz in den Dienst der großen Aufgabe zu stellen , die uns Frauen zugefallen ist . « » Ja es ist eine große Aufgabe , und wir werden siegen . Sie sind verheiratet ? « » Ich war es . « » Hm , ich verstehe . Lebt Ihr Mann ? « » Oja , er ist kaum älter als ich . « Frau von Werdern wollte offenbar nicht als neugierig erscheinen und lenkte das Gespräch auf anderes . Was Frau Wallner