gerade da , wo die beiden Arme derselben sich kreuzten , einen ziemlich geräumigen Podest mit Säulchengalerie bildete . Zwischen den Säulchen aber , und zwar mit Blick auf den Flur , war eine Rokokouhr angebracht , mit einem Zeitgott darüber , der eine Hippe führte . Czako wies darauf hin und sagte leise zu Rex : » Ein bißchen graulich « - ein Gefühl , drin er sich bestärkt sah , als man bis auf den mit ungeheurer Raumverschwendung angelegten Oberflur gekommen war . Über einer nach hinten zu gelegenen Saaltür hing eine Holztafel mit der Inschrift : » Museum « , während hüben und drüben , an den Flurwänden links und rechts , mächtige Birkenmaser- und Ebenholzschränke standen , wahre Prachtstücke , mit zwei großen Bildern dazwischen , eines eine Burg mit dicken Backsteintürmen , das andre ein überlebensgroßer Ritter , augenscheinlich aus der Frundsbergzeit , wo das bunt Landsknechtliche schon die Rüstung zu drapieren begann . » Is wohl ein Ahn ? « fragte Czako . » Ja , Herr Hauptmann . Und er ist auch unten in der Kirche . « » Auch so wie hier ? « » Nein , bloß Grabstein und schon etwas abgetreten . Aber man sieht doch noch , daß es derselbe ist . « Czako nickte . Dabei waren sie bis an ein Eckzimmer gekommen , das mit der einen Seite nach dem Flur , mit der andern Seite nach einem schmalen Gang hin lag . Hier war auch die Tür . Engelke , vorangehend , öffnete und hing die beiden Plaidrollen an die Haken eines hier gleich an der Tür stehenden Kleiderständers . Unmittelbar daneben war ein Klingelzug mit einer grünen , etwas ausgefransten Puschel daran . Engelke wies darauf hin und sagte : » Wenn die Herren noch was wünschen ... Und um sieben ... Zweimal wird angeschlagen . « Und damit ging er , die beiden ihrer Bequemlichkeit überlassend . Es waren zwei nebeneinandergelegene Zimmer , in denen man Rex und Czako untergebracht hatte , das vordere größer und mit etwas mehr Aufwand eingerichtet , mit Stehspiegel und Toilette , der Spiegel sogar zum Kippen . Das Bett in diesem vorderen Zimmer hatte einen kleinen Himmel und daneben eine Etagere , auf deren oberem Brettchen eine Meißner Figur stand , ihr ohnehin kurzes Röckchen lüpfend , während auf dem unteren Brett ein Neues Testament lag , mit Kelch und Kreuz und einem Palmenzweig auf dem Deckel . Czako nahm das Meißner Püppchen und sagte : » Wenn nicht unser Freund Woldemar bei diesem Arrangement seine Hand mit im Spiele gehabt hat , so haben wir hier in bezug auf Requisiten ein Ahnungsvermögen , wie ' s nicht größer gedacht werden kann . Das Püppchen pour moi , das Testament pour vous . « » Czako , wenn Sie doch bloß das Necken lassen könnten ! « » Ach , sagen Sie doch so was nicht , Rex ; Sie lieben mich ja bloß um meiner Neckereien willen . « Und nun traten sie , von dem Vorderzimmer her , in den etwas kleineren Wohnraum , in dem Spiegel und Toilette fehlten . Dafür aber war ein Rokokosofa da , mit hellblauem Atlas und weißen Blumen darauf . » Ja , Rex « , sagte Czako , » wie teilen wir nun ? Ich denke , Sie nehmen nebenan den Himmel , und ich nehme das Rokokosofa , noch dazu mit weißen Blumen , vielleicht Lilien . Ich wette , das kleine Ding von Sofa hat eine Geschichte . « » Rokoko hat immer eine Geschichte « , bestätigte Rex . » Aber hundert Jahr zurück . Was jetzt hier haust , sieht mir , Gott sei Dank , nicht danach aus . Ein bißchen Spuk trau ich diesem alten Kasten allerdings schon zu ; aber keine Rokokogeschichte . Rokoko ist doch immer unsittlich . Wie gefällt Ihnen übrigens der Alte ? « » Vorzüglich . Ich hätte nicht gedacht , daß unser Freund Woldemar solchen famosen Alten haben könnte . « » Das klingt ja beinah « , sagte Rex , » wie wenn Sie gegen unsern Stechlin etwas hätten . « » Was durchaus nicht der Fall ist . Unser Stechlin ist der beste Kerl von der Welt , und wenn ich das verdammte Wort nicht haßte , würd ich ihn sogar einen perfekten Gentleman nennen müssen . Aber ... « » Nun ... « » Aber er paßt doch nicht recht an seine Stelle . « » An welche ? « » In sein Regiment . « » Aber , Czako , ich verstehe Sie nicht . Er ist ja brillant angeschrieben . Liebling bei jedem . Der Oberst hält große Stücke von ihm , und die Prinzen machen ihm beinah den Hof ... « » Ja , das ist es ja eben . Die Prinzen , die Prinzen . « » Was denn , wie denn ? « » Ach , das ist eine lange Geschichte , viel zu lang , um sie hier vor Tisch noch auszukramen . Denn es ist bereits halb , und wir müssen uns eilen . Übrigens trifft es viele , nicht bloß unsern Stechlin . « » Immer dunkler , immer rätselvoller « , sagte Rex . » Nun , vielleicht daß ich Ihnen das Rätsel löse . Schließlich kann man ja Toilette machen und noch seinen Diskurs daneben haben . Die Prinzen machen ihm den Hof , so geruhten Sie zu bemerken , und ich antwortete : Ja , das ist es eben . Und diese Worte kann ich Ihnen nur wiederholen . Die Prinzen - ja , damit hängt es zusammen und noch mehr damit , daß die feinen Regimenter immer feiner werden . Kucken Sie sich mal die alten Ranglisten an , das heißt wirklich alte , voriges Jahrhundert und dann so bis Anno sechs . Da finden Sie bei Regiment Garde du Corps oder bei Regiment Gensdarmes unsere guten alten Namen : Marwitz ,