Busch und Bäumen . Hell glitzerten die über alle Felsen niederrinnenden Wasserfäden , und in buntem Feuer leuchteten die vom Dächlein der Klause fallenden Tropfen . Nun erlosch der rote Sonnenschein , und alle Farben der Umgebung dämpften sich wie von einem zarten Schleier überzogen . 2 Kitty vermochte noch immer kein Wort zu sprechen ; die Hände im Schoß und ohne Bewegung saß sie auf der Steinbank und sah dem Jäger nach , der den Wetterbach schon wieder überschritten hatte . Auch der junge Fremde schwieg . Er stand neben der Bank und betrachtete forschend den gesenkten Mädchenkopf , als möchte er diese feingeschwungenen Linien und die schimmernden Töne des gewellten Haares in sein Gedächtnis prägen . Hätte nicht der Feldstuhl , die zusammengeklappte Staffelei und der Malkasten , der an der Mauer im Trockenen lag , den Beruf des jungen Mannes bezeichnet - schon dieser prüfend gleitende Blick und die schlanken Hände hätten den Künstler verraten . Er mochte einige Jahre über zwanzig zählen ; seiner Jugend widersprach die stille Schwermut der dunklen Augen und der gereifte Ernst des schmalen , herb geschnittenen Gesichtes ; glatt legte sich das kurze Braunhaar über die Stirn und mischte sich an den Schläfen mit dem schattigen Flaum des jungen Bartes , der sich um Wangen und Lippen kräuselte . Dieser Mund mit dem strengen Zug , in dem sich Kraft und Entschlossenheit verriet , war doch sanft geschwellt und hatte ein mildes , verträumtes Lächeln . Das Gesicht war nicht schön zu nennen , aber dieser Mund und diese Augen fesselten . Der hager aufgeschossene Körper war unausgeglichen , jugendlich eckig ; dazu eine leicht vorgeneigte Haltung , wie sie nachdenklichen Naturen eigen ist ; dennoch war die Gestalt nicht übel anzusehen ; der leichte graue Sommeranzug , so bequem er saß , hatte modischen Schnitt , die Wäsche war wie Schnee , die weiße Seidenkrawatte tadellos geknüpft . Man merkte an ihm keine Spur von jener bei jungen Künstlern häufigen Vorliebe für das Nachlässige , aber auch keinen Zug vom Stutzer ; er schien für seine äußere Erscheinung zu sorgen , weil es die Art eines wohlerzogenen Menschen ist , sich gut zu kleiden . Je länger er niederblickte auf das liebliche Bild des Mädchens , desto wärmer wurde der Glanz seiner Augen ; er schien eine Freude zu genießen : die Freude des Künstlers an jener Schönheit , die noch unberührt ist von der rauhen Hand des Lebens und einer Blütenknospe am Morgen gleicht . Als hätte Kitty diesen Blick empfunden , so hob sie plötzlich die Augen . Das fremde Gesicht verwirrte sie , und dennoch hielt die stumme Sprache dieser Züge ihren Blick gefangen ; das war eines von jenen Gesichtern , die auch ohne Worte von trüber Zeit erzählen . Ihre Verwirrung schien ansteckend zu wirken . Verlegen suchte der junge Künstler nach Worten , und endlich brachte er die Frage heraus , ob sie den Schreck des kleinen Abenteuers völlig überstanden hätte . Da fand sie ihre heitere Laune ; lachend nickte sie und reichte ihm die Hand . » Ich danke Ihnen ! Sie haben mich vor einem unangenehmen Bad behütet . Der Wetterbach hat heut seine böse Stunde . Das hätte übel für mich ausfallen können . « Sie rührte die Schultern , als empfände sie ein leises Grauen ; doch gleich wieder lachte sie und erzählte vom Gewitter , vom Unterschlupf in der Wildscheune und von dem glücklichen Zufall , der » unseren guten Franzl « als Retter in der Not geschickt . Drollig schilderte sie den » kopflosen Schreck « , der sie befallen , als der Jäger den schwankenden Baum betrat . » Und ich hätte mir doch sagen müssen , daß ich sicher bin ! Ich kenne doch unseren Franzl ! « Sie unterbrach sich und blickte auf . » Wie waren Sie denn eigentlich so flink bei der Hand ? « » Das hab ' ich meinem Fleiß zu danken . Ich bin schon seit dem Morgen hier und habe gearbeitet . « » Gearbeitet ? « Sie schien den Sinn dieses Wortes nicht zu verstehen . Da gewahrte sie die Geräte des Künstlers . » Ach , Sie malen ! « Dem respektvollen Staunen , mit dem sie ihren jungen Retter betrachtete , war es anzumerken , daß vor ihren Augen ein lebendiger Künstler nicht viel geringer wog als einst in vergangenen Zeiten vor dem Blick des Burgfräuleins der tapfere Ritter , der den Drachen überwand . Neugierig spähte sie nach dem Leinwandrahmen , der gegen die Mauer gelehnt stand . Der junge Maler schien nicht eitel zu sein ; sonst hätte er diesen Blick zu deuten gewußt . » Auch mich hat das Gewitter überrascht , mitten in der besten Arbeit , « erzählte er , » und ich mußte eine Stunde hier unter der Tür sitzen . Aber es war herrlich , so hineinzuschauen in den Zorn der Natur . Sie ist immer schön , ob sie lächelt oder grollt , fast schöner noch in ihrem Zorn als in ihrem Frieden . Wenn ich sie so toben sehe , fühl ' ich auch , daß ich ihr in solchen Augenblicken näher komme als in sonniger Stunde . In der Sonne steht sie vor mir wie ein Geheimnis in bunten Kleidern . Im Sturme seh ' ich die Riesin , wie sie vor meinem Blick die Hülle zerreißt . Ich spähe ihr in das wildpochende Herz , und mir ist , als flösse in mich etwas über von ihrer Kraft . « Er sagte das ruhig , wie man selbstverständliche Dinge äußert . Kitty blickte zu ihm auf mit großen Augen . Er begegnete diesem Blick , und leichte Röte schlich über seine schmächtigen Wangen . » Als es vorüber war , hörte ich den Wildbach kommen . Und da lief ich hinunter . Es war prachtvoll anzusehen , wie das harmlose Wasserschlänglein in wenigen Minuten sich zum brüllenden Ungeheuer auswuchs . Und wie ich so