eine Heiterkeit , eine jubelnde Lebenssucht unter den schlichten armen Leuten , die mir selbst an ihnen , die das Leben nur in Ausnahmefällen schwerer nahmen , fast fremd erschien . Ich sah und horchte wohl darum so genau hin . Die Blaue Gans stand wie ausgestorben da , als der Zug in die Kirche ging , sogar der alte Türk und der Schuftl , die beiden Wächterhunde , rannten hinterher . Wo die Menschen in ihren Feiertagskleidern vorüberschritten , lief alles , was Beine hatte , an die Fenster und Haustore , und jeder , der sich auf längere Zeit von der Arbeit losmachen konnte , schloß sich dem Zuge an . Das kleine Kirchlein konnte die Menge gar nicht aufnehmen , da wurden denn wieder , wie bei allen besonderen Festen , wenn Mangel an Raum war , die Kinder , die zu erwischen waren , hinausgejagt . Eine Weile heulten sie vor der Kirchentüre , dann kletterten sie auf das niedere Schindeldach , welches seitwärts in Manneshöhe von der Kirchenmauer abstand , weil unter diesem Schutze die Feuerleitern und die roten Löscheimer der Gemeinde aufbewahrt hingen . Mit einer langen eisernen Kette und einem großen Anhängeschloß daran waren sie fest zusammengesperrt , das Wetter konnte diesem Gemeindestolz nicht bei , und ich glaube , selbst freundnachbarliche Diebe hatten Ehrfurcht vor ihnen . Auf diesem Vordach über den Feuerleitern und Eimern hockten die Ausgewiesenen ; die Röcke der Mädeln verfingen sich in den langen Schindelnägeln , die Sonntagshosen der Buben bekamen ausgebohrte Knie , alle saßen elendiglich da oben , aber halb aus Trotz über ihre Verweisung , halb aus Behagen an der Gefährlichkeit ihres Vergnügens fanden sie doch den Platz viel schöner als die heiße , vollgestopfte Kirche . Es war ein wunderheller Frühlingstag , die Sonne schien so warm auf die weiße Kirchenmauer und auf das rohe Schindeldach , die Tauben flatterten hin und her , denn sie nisteten in den Luken des Türmchens , die Spatzen schrien und zankten sich in den Kirchenfenstern genauso keck wie unten auf der staubigen Straße . Die Ausgewiesenen aber saßen unbeweglich und lauschten , ob sie nichts erhaschen könnten von der langen Rede , die drinnen der Priester dem Brautpaare hielt ; als sie jedoch nichts hörten , begannen sie sich erst zu hecheln und zu knuffen , und endlich schwatzten sie über das Ereignis des Tages , zuerst halblaut , dann mit der schrillen Verbissenheit ärgerlicher junger Stimmen , so daß man sie bis in die stille Kirche hinein streiten hörte . » Dem Leopold wachst doch kein neuer Arm , wenn er auch heut heiraten tut ! « keifte ein dürres kleines Ding mit Sommersprossen und Blatternarben im Gesichte . » Aber die Lene ist heut schön ! « sagte das älteste Mädchen und schaute mit großen ahnungsvollen Augen hinauf in die goldflimmernde Luft , und als ein duckmäuserischer Knirps von einem Buben , der neben ihr saß , nicht gleich beistimmte , gab sie ihm mit dem Ellenbogen einen Stoß und sah ihn herausfordernd an . » Was willst denn ? ... Schaust am Stephansturm und redst dabei ! ... Auweh ! ... Freilich ist sie schön ! ... Ich rück weg von dir ! « zeterte der Bursche , setzte sich aber aus Furcht vor ihrem Ellenbogen ganz nahe zu ihr . » Da kann ' s nicht puffen « , lachte er schlau . » Freilich ist sie heute schön , aber rote Haare hat sie doch « , sagte nachdenklich ein blasses kleines Mädchen mit einer stark vorgebauten Stirne . Die Kleine knüpfte ihre dichten blonden Zöpfe unter dem Kinn zu einer Schleife ; sie saß ganz vorne am Rand , schief , als ob sie davonreiten wollte , und so ließ sie auch die Beine in der Luft baumeln . » Jetzt kann sie aber den ganzen Tag spielen , muß gar nichts arbeiten , kann in der seligen Frau Weis ihrem Zimmer sitzen , muß nicht alleweil Handschuhknöpfe annähen wie wir « , seufzte ein puppenhaft feinzartes Ding , die jüngere Schwester der Brautjungfer , und schaute dabei auf ihre zerstochenen Finger . Aus dem Bierhause neben der Kirche scholl jetzt Musik herüber , zwei kernfrische Mädchenstimmen sangen hellaut : » Ist wieder einmal Hochzeit , Gibt ' s wieder ein neues Paar . Das Mädel - war eine Gredel , Und das Mannsbild ein Narr . Na ? - ist ' s etwa nicht wahr ? « Schallendes Gelächter war die Antwort der Bierhausgäste . Die Türe flog auf , und im Tanzschritt sprangen zwei junge ganz gleich gekleidete Mädchen heraus . Sie hatten ihre nachtschwarzen Haare sorgfältig geordnet , als gingen auch sie zu einem Feste , ihre knappen blaugestreiften und gesteiften Kleider , die blütenweißen Schürzen , die buntseidenen Halstücher waren der echte Wäschermädchenstaat . Jede der im Äußeren so gleichen und eigentlich doch ungleichen Gestalten trug einen schmalen Korb am Arme , der war sauber und zierlich , als ob er gerade aus dem Kaufladen käme , trotzdem man die beiden nie ohne Deckelkörbe sah . Hinter ihnen gab es eine bunte Gesellschaft , die nachzottelte mit den Händen in den Taschen . Da waren drei oder vier Hausherrensöhne der Vorstadt , ein paar Soldaten , Gesellen , die bis Mitte der Woche blauen Montag machten , ein bekannter alter Fabrikant , der die große üppige Klara ins Herz geschlossen hatte , aber von einer Heirat nichts wissen wollte . Als die übermütigen Leute an der Kirche vorbeizogen , lachten sie laut auf , und mit heiserer Stimme sang einer der Soldaten : » Ist wieder einmal Hochzeit . « » Möchtest mich nicht heiraten , Marie ? Schau , es ginge jetzt gleich in einem « , rief mit ironischer Zutunlichkeit das jüngste Hausherrnsöhnlein der zierlicheren von den beiden zu . » Dich ? ... Lieber den alten Mesner , der drei Nasen übereinander hat . Zu ebener Erde die natürliche , im ersten Stock die