und sprach : » Beim ersten Blick ist mir etwas an Ihnen aufgefallen - ich wußte nur nicht gleich , was es war ... « Sie erwachte , lächelnd über diesen Traum und mit unglaublich leichtem Herzen für ein junges Mädchen , dem eben eine erste Illusion zerstört worden . Es ist aus , dachte sie , ich hätte nicht geglaubt , daß man so schnell mit einem Gefühl fertigwerden kann , das doch wie Neigung ausgesehen hat ... Nein , nicht nur ausgesehen ! ... Die anderen wollen belogen sein - warum aber mich selbst belügen ? ... Ich habe ihn geliebt , innig und heiß . Und aufschluchzend drückte sie ihr tränenüberströmtes Gesicht in das Kissen . 3 Am nächsten Tage machte Hermann Dornach seinen ersten Besuch , wurde für morgen zu Tische geladen und brachte einige Abende im Familienkreise zu . Gräfin Dolph fand ihn charmant und unglaublich gescheit für einen Majoratsherrn . Sie rechnete es ihm hoch an , daß er mit ihr , der bösen Zunge , die den meisten Scheu einflößte , so rasch vertraut wurde . » Einfach die Folge seines guten Gewissens « , erklärte sie . » Eine Anklage gegen ihn wäre ein Schuß ins Blaue ; der sieht ruhig zu , wie ich meine Pfeile spitze ; er gehört nicht zu den Leuten , denen vor mir graut . « Und wirklich schwand in ihrer Gegenwart die leise Befangenheit , die bei einem Manne , den zu verwöhnen alle Welt wetteiferte , für den Laien so befremdlich und dem Herzenskundigen eine Bürgschaft echten Seelenadels war . Man sagte , diese Befangenheit sei die Folge der übertriebenen Strenge , mit welcher er unter der Leitung seiner Mutter erzogen worden war . Die Gräfin hatte ein Gegengift anwenden wollen gegen die Kriecherei der Parasiten , des Beamtenheeres , der Dienerschaft und gegen die grenzenlose Nachsicht eines schwachen und kränklichen Vaters für sein einziges Kind . Aber die Dosis war zu stark gewesen und hatte nicht nur keine Selbstüberhebung aufkommen lassen , sondern auch kein rechtes Selbstvertrauen . Die Gräfin sah den begangenen Fehler ein und suchte ihn noch beizeiten gutzumachen . Sie hatte nach dem Tode des Grafen die Vormundschaft über Hermann , die sie tatsächlich immer geführt , auch formell angetreten und schenkte nun dem achtzehnjährigen Jüngling uneingeschränkte Freiheit . Ein kleiner Mißbrauch derselben wäre leicht verziehen gewesen , kam aber nicht vor . Hermann besuchte landwirtschaftliche Schulen in Deutschland und England , jagte Löwen in Nubien und Elefanten in Indien , diente einige Jahre in einem eleganten Kavallerieregimente und widmete sich später der Verwaltung seiner Güter . Er war dreiunddreißig Jahre alt geworden , ohne in die Lage gekommen zu sein , andere Schulden als die seiner Freunde bezahlen zu müssen , ohne ein Mädchen verführt , ohne den Ruf einer Frau gefährdet zu haben . Und doch kochte das Blut in seinen Adern so heiß wie in denen irgendeines seiner Alters- und Standesgenossen , und doch hatte er in seinen wenigen Liebesverhältnissen mehr echte und wahrhafte Empfindungen ausgegeben als sie alle zusammengenommen in ihren zahllosen Zirkus- und Halbweltsabenteuern . Übrigens erschienen ihm von dem Augenblick an , in dem er Maria kennenlernte , seine ernsthaftesten Schwärmereien und Leidenschaften wie Kinderspiel . Es geschah auf einem Balle , den er aus Gehorsam gegen seine Mutter besucht hatte . Er kam ja überhaupt nur aus Gehorsam zu ihr nach Wien , um dort in die große Welt zu gehen , wo er kein Vergnügen fand und wo die Bemühungen um seine Gunst ihn anekelten . Tante Dolph war Zeuge seiner ersten Begegnung mit Maria und dann selbst der Gegenstand seiner eifrigsten und ehrfurchtsvollsten Aufmerksamkeiten gewesen . Sie erinnerte sich plötzlich ihrer Jugendfreundschaft mit Gräfin Agathe Dornach und machte ihr einen Besuch , der bald erwidert wurde . Die alten Damen sagten zueinander : » Liebes Kind « , und jede hatte das Gefühl ihrer Überlegenheit über die gute Bekannte von einst , mit der sie später auseinandergekommen war wegen völlig verschiedener Anschauungen und gleich schroffer Unduldsamkeit . Agathe berühmte sich , eine orthodoxe Katholikin zu sein ; Dolph , ganz ungläubig , ließ nicht gelten , daß ein vernünftiger Mensch fromm sein könne , es wäre denn ein Dienstbote , ein Bauer oder ein Prinz . Agathe fürchtete für Dolphs ewiges Heil , diese fürchtete Agathens Bekehrungsversuche , die stets in der Behauptung gipfelten , die Skepsis entstehe aus der Halbbildung , und weiter als bis zu einer solchen brächten Frauen es nicht . Ob sich diese Gegensätze zwischen den beiden Damen im Laufe der Jahre gemildert oder verschärft hatten , danach wurde jetzt nicht gefragt und das Berühren heikler Punkte sorgfältig vermieden . Der Graf , ein Konversationskünstler ohnegleichen , half spielend über ein paar Abendstunden hinweg ; das Gespräch , das er beherrschte , wurde lebhafter geführt als das zwischen den jungen Leuten am Teetisch nebenan . Maria war schweigsam , Hermann nicht beredt . Er sagte aber dennoch viel , denn jeder seiner Blicke enthielt eine glühende Erklärung der innigsten Liebe . Eines Tages nun geschah es , daß Gräfin Dornach sich bei Maria anmelden ließ und mit einer Miene eintrat , als ob sie die Schlüssel des Himmels zu überreichen hätte . In würdevoll gelassener Weise brachte sie im Auftrage Hermanns die Anfrage vor , ob er um Marias Hand werben dürfe . » Dein Jawort würde ihn beseligen « , schloß sie , » und du kannst es ihm getrost geben . Ich schmeichle niemandem , am wenigsten mir selbst in meinem Sohne . Mein Urteil über ihn ist das eines jeden Unparteiischen und lautet : Es gibt keinen vernünftigeren Menschen , keinen besseren , keinen edleren . « Sie hielt inne , sie wartete auf eine Erwiderung ; da keine erfolgte , fuhr sie fort : » Wenn deine Mutter lebte , würde ich mich zuerst an sie gewendet haben , und sie wäre es , die jetzt zu dir spräche . Nimm an ,