einer des andern Gott sein sollte , und machte nun freilich Forderungen , worüber der andre sich wunderte . Er wollte ja nur Kurzweil , nichts so Ernstes ! Einem jungen Manne , Gorgonda Notara nannt er sich , war ich immer gut geblieben . Ich hatte so oft umsonst gehofft , ein Wesen zu finden , wo ich sagen könnte , nun bin ich zufrieden auf ewig ! hatte so oft mit Schmerzen mich losgerissen , wo mein Herz so schnell und innig sich angehängt hatte , ich hatte mich durch Dornen gewunden , und sie hatten mit jedem Schritte mich festgehalten , um mich ihren Stachel fühlen zu lassen , ich hatte so oft mich hingedrängt , wo es besser gewesen wäre , auszuweichen , ich war nun froh , doch etwas an ihm zu haben , und wenn ich mich entfernen wollte in meiner Ungenügsamkeit , zog er mich immer wieder an sich . Er war etwas vielseitig , und das kam mir zustatten ; gab mir freilich auch oft ein Mißtrauen gegen ihn . Er wußte jedem Dinge einen Wert zu geben ; er war äußerst duldsam gegen mich , das tat mir wohl , aber er war es auch gegen andre , die meine Gegenteile waren , und das war mir unbegreiflich . Er bestritt mich oft gerade in meinen liebsten Überzeugungen , aber mit Freundlichkeit und Bedacht , - ich verglich uns , wenn wir so zusammen stritten , oft mit den jungen Lämmern , die sich scherzend einander an die Stirne stießen , als wollten sie sich so das Gefühl ihres Daseins in sich wecken - und , wie es schien , mehr um das Gespräch zu beleben , mehr zum Versuche , was wohl aus dem Für und Wider sich ergeben möchte , als in strengem Ernste , und indes er wider mich sprach , schien er doch auch seine Freude zu haben an dem sonderbaren Geschöpfe , das so ungelenksam und unersättlich wäre in seinen Forderungen , und doch so leicht und oft gerade dem Kleinsten sich hingäbe ; ich hätte in meinem Leben noch keinen Menschen gesehen , meinte er , ich wandelte von je her unter Geistererscheinungen , und es wäre nur schade , daß diese verschwänden , sobald ich näher käme , aber man müßt ihm doch gut sein , dem wunderlichen Phantasten ! - Einst saßen wir mit andern zusammen ; es war ein alter Bekannter von einer Fahrt zurückgekommen , und wir feierten das fröhliche Wiedersehn . Alle waren inniger , wie sonst ; ich glühte , und sprach ungewöhnlich viel . Ich fühlte wirklich zum ersten Male die Freude jugendlicher Verbrüderung ganz . O man lebt doch nicht umsonst , ihr Lieben ! rief ich in meines Herzens Trunkenheit , und streckte die Hand aus über dem Tische , und jeder bot die seinige dar . - Öffne geschwinde die Fenster , rief ich einem , der gegen mir über saß , nach einer Weile zu . Was hast du , Hyperion ? fragt ' ein andrer . Dort gehn die Dioskuren am Meer herauf , rief ich freudig . Zufällig sah ich einen Augenblick darauf in den Spiegel , und glaubte drin ein zweideutig Lächeln an Notara zu bemerken . Betroffen blickt ich um mich , und es war mir , als fänden sich auch auf andern Gesichtern solche Spuren . Das war mir ein Dolch ins Herz ! Ich glaubte mein Innerstes verunehrt , meine beste Freude verlacht , von meinem letzten Freunde mein Herz verspottet . Ich sprang auf , und eilte fort . - Alle die traurigen Täuschungen , die ich von je her erfahren , jede Miene , jeder Laut , der mein Herz zurückgestoßen hatte , seit ich unter die Menschen gekommen war mit meinen Hoffnungen , jeder unfreundliche Scherz , womit man sich an meinen kleinen Unaufmerksamkeiten gerächt , jede Mißdeutung , womit man meine unbefangenen innigen Äußerungen lächerlich gemacht , jede Falschheit , womit man , wie mir itzt schien , meine Liebe und meinen Glauben nachgeäfft hatte , alles , was ich längst verziehen hatte und vergessen , gesellte sich nun zu den unverhofften Entdeckungen , die ich eben gemacht , - ich dachte mir einen um den andern aus dem Zirkel , den ich verlassen hatte , wie er mir wohl seine bittern Bemerkungen nachschicken werde ; der rauhe Seemann stand lebendig vor mir mit seinem Ärger und gegenüber Notara mit seinen hämischen Entschuldigungen . Itzt kam ich an dem Hause vorüber , wo der edle Fremdling gewohnt hatte . Du hattest recht , guter Mann ! dacht ich , o du hattest recht ! Ich sollte mich nicht zu viel befassen mit dieser Welt , sagtest du . Ach ! daß ich dir nicht folgte , mein Schutzgeist ! Nun bist du gerächt . Man belächelt oft den Menschen , und findet es ungereimt , wenn oft von einer kleinen Wunde sein Innerstes erkrankt , und nur sehr schwer genest . Man würde besser tun , wenn man teilnehmend das Übel zu ergründen suchte . Man würde dann finden , daß auch dem schwächsten Feinde der Sieg sehr leicht wird , wenn ihm ingeheim ein Stärkerer vorarbeitete , und unsre stärksten Feinde sind wir selbst . Das arme Wesen wollte sich nun zurückflüchten in sich selbst , und hatte doch längst sein Selbst verloren . Ich hatte mich gewöhnt , Ruh und Freude aus fremder Hand zu erwarten , und war nun dürftiger geworden , als zuvor . Ich war , wie ein Bettler , den der Reiche von seiner Türe stieß , und der nun heimkehrt in seine Hütte , sich da zu trösten , und nur um so bittrer sein Elend fühlt zwischen den ärmlichen Wänden . Je mehr ich über mir brütete in meiner Einsamkeit , um so öder ward es in mir . Es ist wirklich ein Schmerz ohne gleichen , ein fortdaurendes Gefühl der Zernichtung , wenn das Dasein