Dete genau und wußten , wem das Kind gehörte , und alles , was mit ihm vorgegangen war . Als es nun aus allen Türen und Fenstern tönte : » Wo ist das Kind ? Dete , wo hast du das Kind gelassen ? « rief sie immer unwilliger zurück : » Droben beim Alm-Öhi ! Nun , beim Alm-Öhi , Ihr hört ' s ja ! « Sie wurde aber so maßleidig , weil die Frauen von allen Seiten ihr zuriefen : » Wie kannst du so etwas tun ! « und : » Das arme Tröpfli ! « und : » So ein kleines Hilfloses da droben lassen ! « und dann wieder und wieder : » Das arme Tröpfli ! « Die Dete lief , so schnell sie konnte , weiter und war froh , als sie nichts mehr hörte , denn es war ihr nicht wohl bei der Sache ; ihre Mutter hatte ihr beim Sterben das Kind noch übergeben . Aber sie sagte sich zur Beruhigung , sie könne dann ja eher wieder etwas für das Kind tun , wenn sie nun viel Geld verdiene , und so war sie sehr froh , daß sie bald weit von allen Leuten , die ihr dreinredeten , weg- und zu einem schönen Verdienst kommen konnte . Beim Großvater Nachdem die Dete verschwunden war , hatte der Öhi sich wieder auf die Bank hingesetzt und blies nun große Wolken aus seiner Pfeife ; dabei starrte er auf den Boden und sagte kein Wort . Derweilen schaute das Heidi vergnüglich um sich , entdeckte den Geißenstall , der an die Hütte angebaut war , und guckte hinein . Es war nichts drin . Das Kind setzte seine Untersuchungen fort und kam hinter die Hütte zu den alten Tannen . Da blies der Wind durch die Äste so stark , daß es sauste und brauste oben in den Wipfeln . Heidi blieb stehen und hörte zu . Als es ein wenig stiller wurde , ging das Kind um die kommende Ecke der Hütte herum und kam vorn wieder zum Großvater zurück . Als es diesen noch in derselben Stellung erblickte , wie es ihn verlassen hatte , stellte es sich vor ihn hin , legte die Hände auf den Rücken und betrachtete ihn . Der Großvater schaute auf . » Was willst du jetzt tun ? « fragte er , als das Kind immer noch unbeweglich vor ihm stand . » Ich will sehen , was du drinnen hast , in der Hütte « , sagte Heidi . » So komm ! « und der Großvater stand auf und ging voran in die Hütte hinein . » Nimm dort dein Bündel Kleider noch mit « , befahl er im Hereintreten . » Das brauch ' ich nicht mehr « , erklärte Heidi . Der Alte kehrte sich um und schaute durchdringend auf das Kind , dessen schwarze Augen glühten in Erwartung der Dinge , die da drinnen sein konnten . » Es kann ihm nicht an Verstand fehlen « , sagte er halblaut . » Warum brauchst du ' s nicht mehr ? « setzte er laut hinzu . » Ich will am liebsten gehen wie die Geißen , die haben ganz leichte Beinchen . « » So , das kannst du , aber hol das Zeug « , befahl der Großvater , » es kommt in den Kasten . « Heidi gehorchte . Jetzt machte der Alte die Tür auf und Heidi trat hinter ihm her in einen ziemlich großen Raum ein , es war der Umfang der ganzen Hütte . Da stand ein Tisch und ein Stuhl daran ; in einer Ecke war des Großvaters Schlaflager , in einer anderen hing der große Kessel über dem Herd ; auf der anderen Seite war eine große Tür in der Wand , die machte der Großvater auf , es war der Schrank . Da hingen seine Kleider drin und auf einem Gestell lagen ein paar Hemden , Strümpfe und Tücher und auf einem anderen einige Teller und Tassen und Gläser und auf dem obersten ein rundes Brot und geräuchertes Fleisch und Käse , denn in dem Kasten war alles enthalten , was der Alm-Öhi besaß und zu seinem Lebensunterhalt gebrauchte . Wie er nun den Schrank aufgemacht hatte , kam das Heidi schnell heran und stieß sein Zeug hinein , so weit hinter des Großvaters Kleider als möglich , damit es nicht so leicht wiederzufinden sei . Nun sah es sich aufmerksam um in dem Raum und sagte dann : » Wo muß ich schlafen , Großvater ? « » Wo du willst « , gab dieser zur Antwort . Das war dem Heidi eben recht . Nun fuhr es in alle Winkel hinein und schaute jedes Plätzchen aus , wo am schönsten zu schlafen wäre . In der Ecke vorüber des Großvaters Lagerstätte war eine kleine Leiter aufgerichtet ; Heidi kletterte hinauf und langte auf dem Heuboden an . Da lag ein frischer , duftender Heuhaufen oben , und durch eine runde Luke sah man weit ins Tal hinab . » Hier will ich schlafen « , rief Heidi hinunter , » hier ist ' s schön ! Komm und sieh einmal , wie schön es hier ist , Großvater ! « » Weiß schon « , tönte es von unten herauf . » Ich mache jetzt das Bett ! « rief das Kind wieder , indem es oben geschäftig hin- und herfuhr ; » aber du mußt heraufkommen und mir ein Leintuch mitbringen , denn auf ein Bett kommt auch ein Leintuch , und darauf liegt man . « » So , so « , sagte unten der Großvater , und nach einer Weile ging er an den Schrank und kramte ein wenig darin herum ; dann zog er unter seinen Hemden ein langes , grobes Tuch hervor , das mußte so etwas sein wie ein Leintuch . Er kam damit die Leiter herauf . Da war auf