Glanz die Augen geblendet : viele haben griechische Kleider angetan und römische Gedanken : sie schämen sich , Barbaren zu heißen : sie wollen vergessen und vergessen machen , daß sie Goten sind - wehe über die Toren ! Sie haben das Herz aus ihrer Brust gerissen und wollen leben , sie sind wie Blätter , die sich stolz vom Stamme gelöst und der Wind wird kommen und wird sie verwehen in Schlamm und Pfützen , daß sie verfaulen : aber der Stamm wird stehen mitten im Sturm und wird lebendig erhalten , was treu an ihm haftet . Darum sollt ihr euer Volk wecken und mahnen überall und immer . Den Knaben erzählt die Sagen der Väter , von den Hunnenschlachten , von den Römersiegen : den Männern zeigt die drohende Gefahr und wie nur das Volkstum unser Schild : eure Schwestern ermahnt , daß sie keinen Römer umarmen und keinen Römling : eure Bräute , eure Weiber lehrt , daß sie alles , sich selbst und euch opfern dem Glück der guten Goten , auf daß , wenn die Feinde kommen , sie finden ein starkes Volk , stolz , einig , fest , daran sie zerschellen sollen wie die Wogen am Fels . Wollt ihr mir dazu helfen ? « » Ja , « sprachen sie , » das wollen wir . « » Ich glaube euch , « fuhr der Alte fort , » glaube eurem bloßen Wort . Nicht um euch fester zu binden - denn was bände den Falschen ? - sondern weil ich treu hange an altem Brauch und weil besser gedeiht , was geschieht nach Sitte der Väter - folget mir . « Zweites Kapitel . Mit diesen Worten nahm er die Fackel von der Säule und schritt quer durch den Innenraum , die Cella des Tempels , vorüber an dem zerfallenen Hauptaltar , vorbei an den Postamenten der lang herabgestürzten Götterbilder nach der Hinterseite des Gebäudes , dem Postikum . Schweigend folgten die Geladenen dem Alten , der sie über die Stufen hinunter ins Freie führte . Nach einigen Schritten standen sie unter einer uralten Steineiche , deren mächtiges Geäst wie ein Dach Sturm und Regen abhielt . Unter diesem Baum bot sich ihnen ein seltsamer Anblick , der aber die gotischen Männer sofort an eine alte Sitte aus dem grauen Heidentum , aus der fernen nordischen Heimat gemahnte . Unter der Eiche war ein Streifen des dichten Rasens aufgeschlitzt , nur einen Fuß breit , aber mehrere Ellen lang , die beiden Enden des Streifens hafteten noch locker am Grunde : in der Mitte war der Rasengürtel auf drei ungleich in die Erde gerammte hohe Speere emporgespreizt , in der Mitte von dem längsten Speer gestützt , so daß die Vorrichtung ein Dreieck bildete , unter dessen Dach zwischen den Speersäulen mehrere Männer bequem stehen konnten . In der so gewonnenen Erdritze stand ein eherner Kessel , mit Wasser gefüllt , daneben lag ein spitzes und scharfes Schlachtmesser , uralt : das Heft vom Horn des Auerstiers , die Klinge vom Feuerstein . Der Greis trat nun heran , stieß die Fackel dicht neben dem Kessel in die Erde , stieg dann , mit dem rechten Fuß vorauf , in die Grube , wandte sich gegen Osten und neigte das Haupt : dann winkte er die Freunde zu sich , mit dem Finger am Mund ihnen Schweigen bedeutend . Lautlos traten die Männer in die Rinne und stellten sich , Witichis und Teja zu seiner Linken , die beiden Brüder zu seiner Rechten und alle fünf reichten sich die Hände zu einer feierlichen Kette . Dann ließ der Alte Witichis und Hildebad , die ihm zunächst standen , los und kniete nieder . Zuerst raffte er eine Handvoll der schwarzen Walderde auf und warf sie über die linke Schulter . Dann griff er mit der andern Hand in den Kessel und sprengte das Wasser rechts hinter sich . Darauf blies er in die wehende Nachtluft , die sausend in seinen langen Bart wehte . Endlich schwang er die Fackel von der Rechten zur Linken über sein Haupt . Dann steckte er sie wieder in die Erde und sprach murmelnd vor sich hin : » Höre mich , alte Erde , wallendes Wasser , leichte Luft , flackernde Flamme ! Höret mich wohl und bewahret mein Wort : Hier stehen fünf Männer vom Geschlechte des Gaut , Teja und Totila , Hildebad und Hildebrand und Witichis , Waltaris Sohn . Wir stehen hier in stiller Stunde , Zu binden einen Bund von Blutsbrüdern , Für immer und ewig und alle Tage . Wir sollen uns sein wie Sippegesellen In Frieden und Fehde , in Rache und Recht . Ein Hoffen , Ein Hassen , Ein Lieben , Ein Leiden , Wie wir träufen zu Einem Tropfen Unser Blut als Blutsbrüder . « Bei diesen Worten entblößte er den linken Arm , die andern taten desgleichen , eng aneinander streckten sich die fünf Arme über den Kessel , der Alte hob das scharfe Steinmesser und ritzte mit Einem Schnitt sich und den vier andern die Haut des Vorderarmes , daß das Blut aller in roten Tropfen in den ehernen Kessel floß . Dann nahmen sie wieder die frühere Stellung ein , und murmelnd fuhr der Alte fort : » Und wir schwören den schweren Schwur , Zu opfern all unser Eigen , Haus , Hof und Habe , Roß , Rüstung und Rind , Sohn , Sippe und Gesinde , Weib und Waffen und Leib und Leben Dem Glanz und Glück des Geschlechtes von Gaut , Den guten Goten . Und wer von uns sich wollte weigern , Den Eid zu ehren mit allen Opfern « - Hier traten er , und auf seinen Wink auch die andern , aus der Grube und unter dem Rasenstreifen hervor : » Des rotes Blut soll rinnen ungerächet Wie dies Wasser unterm Waldwasen « - Er erhob den Kessel , goß sein blutiges Wasser in