Geschöpf aufzunehmen . In einer Stimmung , wie die meine damals war , und mit siebenundzwanzig Jahren schlägt man das Leben nicht eben hoch an . Es fiel mir also nicht sonderlich schwer , ein gutes Beispiel zu geben . Trotz aller Bitten und Warnungen meines Vaters half ich die Frau bestatten , fuhr ich selbst das kranke Kind , dem der Arzt das Leben abgesprochen hatte , zu meiner Amme , die damals noch eine rüstige , unverzagte Frau war , und sich mir zu Liebe , seiner Pflege zu unterziehen versprach . Der Baron hielt einen Augenblick inne , dann sagte er , an seinen früheren Ausspruch anknüpfend : Diese That war Freiheit ; was ihr folgte , möchte ich Verhängniß nennen . Denn als ich mit dem kranken Kinde durch den Wald fuhr und es so elend in seinen Kissen auf dem Rücksitze des Wagens vor mir liegen sah , schoß mir plötzlich der Gedanke durch den Kopf : wenn das Kind wider alles Erwarten genese , wenn es mir die tödtliche Krankheit nicht übertrage , so solle mir das ein Zeichen sein , daß mir noch Freude und Wirksamkeit hienieden bestimmt sei , und wie ein Pfand meines Glückes wolle ich dann die Kleine ansehen und in meiner Nähe behalten . Der Baron hatte das alles in eigenem Rückerinnern gesprochen . Jetzt blickte er dem Caplan fest ins Auge , als wolle er dessen innerste Meinung erforschen , ohne daß er um dieselbe zu fragen oder sie anzuhören brauchte , und sagte : Ich weiß , was Sie über solch ein Würfelspielen mit dem Zufalle denken . Sie nennen es unchristlich ; ich nenne es thöricht , und doch übte es damals , übt es noch in dieser Stunde seinen Einfluß auf mich aus . - Um des Beispiels willen , so sagte ich mir damals , in der That jedoch mehr , um mein Schicksal zu erproben , fuhr ich im Laufe der nächsten Woche häufiger nach Rothenfeld hinüber , um nach dem Kinde zu sehen . Was der Mensch aber zu beobachten anfängt , darauf richtet er seine Neigung , und hatte ich doch ohnehin meine eigene Zukunft in meiner Phantasie an dieses Kind geknüpft ! Ich sorgte mich um dasselbe , sein Ergehen beschäftigte mich lebhafter , als ich es für möglich gehalten hätte , ja ich empfand eine große Freude und Beruhigung , als die Kleine sich zu erholen begann und endlich vollständig genas . Ich glaubte von jenem Zeitpunkte ab wieder an die Zukunft , ich hoffte für mich wieder etwas von der Zukunft . Ihre Theilnahme an dem Kinde hatte , als wir von Venedig heimkehrten , für die verstorbene Frau Baronin und auch für mich allerdings etwas Auffallendes . Wir wußten uns Ihr Verhalten nicht zu enträthseln und fanden Sie überhaupt ganz ungemein verändert . Indeß die Mittheilungen , welche Sie mir eben zu machen belieben , erklären mir jene Theilnahme wie jene Veränderung , bemerkte der Caplan , der immer nur dann sich in die Rede des Freiherrn mischte , wenn er befürchtete , daß sie ins Stocken gerathen , und die Angelegenheit , um welche es sich handelte , dadurch nicht zu ihrem Ende geführt werden möchte . Die Wandlung in meinem Wesen war natürlich genug , meinte der Baron . Der Wechsel der Umgebungen und der Zustände war für mich sehr grell gewesen . In Dresden ein Leben des Genusses , welches mir das Herz zerrissen , hier Noth und Elend , an denen ich mich aufgerichtet hatte . Nun kamen Sie mit meiner Mutter von dem Sterbebette meiner Schwester aus Venedig heim .... Ja , fiel der Caplan ihm mit einer Weise in die Rede , als wünsche er bei dieser Erinnerung nicht zu verweilen , der Verlust , welchen die Frau Baronin , welchen das Haus erlitten hatte , machte dieselbe nur geneigter , sich der Unglücklichen auf den Gütern anzunehmen . Das kam Ihrem Schützlinge damals sehr zu Statten . Gewiß ! Auch verlor ich Pauline , so lange meine Mutter lebte , mehr und mehr aus den Augen , sprach der Baron , der sich von dem Caplan schnell wieder zu seiner Erzählung zurückgeführt fand . Mein Sinn hatte sich allmählich erheitert , ich überließ mich wieder den Neigungen meines damaligen Alters . Ich wechselte öfter den Aufenthalt , und wenn ich dazwischen die Kleine einmal wiedersah , so freute ich mich ihres Gedeihens , sah mit Vergnügen , wie hübsch sie sei , und ließ mir von meiner Mutter und von der alten Margarethe erzählen , daß das Kind mich wie seinen Herrgott verehre und liebe , während ich selbst es nicht vergessen konnte , daß ich es einst als Glückspfand betrachtet hatte . - Jahre gingen so hin . Man schickte Pauline in die Schule , in der freilich wenig genug zu lernen war ; aber sie ließ sich gut an , und als man sie dann nach dem Tode meiner Mutter confirmirte - ich lebte eben wieder im Auslande - , fragte man mich , ob man sie jetzt in fremde Dienste thun oder versuchen solle , sie im Schlosse unter die Dienstboten einzureihen . Um der Anfragen ledig zu werden , bestimmte ich , daß sie bei Margarethe bleiben solle ; und vor der Wohnung meiner Amme , unter ihrer Thüre sitzend , sah ich Pauline eines Abends zum ersten Male wieder , als ich nach längerer Abwesenheit von Hause einmal nach Rothenfeld hinüberritt , meine Amme zu besuchen . Mein Vetter Waldern begleitete mich auf diesem Ritte . Mich erblicken , auf mich zustürzen , meine Hände küssen war für Pauline , sobald ich vom Pferde gestiegen , das Werk eines Augenblickes . Es überraschte mich , sie so erwachsen zu sehen , wie meinen Vetter der ganze Vorgang überraschte . Um ihn aufzuklären , sagte ich , daß ich das Mädchen hätte erziehen lassen . Für sich ? fragte er lächelnd , und ich ließ die