, ein Baron Grenwitz , ist eine Null , die Frau Baronin ein X , das ich noch nicht habe herausrechnen können . Jedenfalls ist sie eine gescheite Frau . Ich weiß , daß dies für Sie keine geringe Empfehlung ist . Sie spricht drei oder vier lebende Sprachen gut , ihre Muttersprache nicht mit gerechnet . Ich habe sie sogar in Verdacht , daß sie mit ihrem jetzigen Hauslehrer , einem gewissen Bauer , der hier studirt hat und ein grundgelehrter - Jüngling war , in aller Stille Latein und Griechisch treibt . Und Sie , der Sie mir selber sagten , daß Sie ein Buch über den Adel und gegen den Adel geschrieben haben , das leider in Deutschland , für das es berechnet ist , nirgends gedruckt werden kann , - Sie rathen mir , der ich über die Braminenkaste dieselben Pariasideen habe , mich in das Lager unserer Erbfeinde zu begeben ? Das ist ja eben der Humor davon , sagte Berger lachend ; Sie sollen hingehen wie ein Mohicaner in das Lager der Irokesen ; und ich freue mich schon im voraus auf die prächtigen Zöpfe , die Sie zurückbringen werden . Die hängen wir dann als Trophäen in unserm Wigwam auf und haben unsere Freude daran . Und wenn man mich selbst dort scalpirt , wie dann ? Dann bin ich der letzte Mohicaner und rauche meine Friedenspfeife einsam und melancholisch auf dem Grabe meines Uncas . Er stützte den Kopf in die Hand und starrte düster vor sich nieder . Ja , ja , ich weiß es , murmelte er , die große Schlange , wenn sie es endlich müde ist , die Menschen anzuzischen , wird in einen Sumpf kriechen und da einsam verrecken . Ich ergriff seine Hand . Das wird nicht geschehen , wenigstens nicht , so lange ich lebe . Er schaute mich wehmüthig an . Aber Du wirst vor mir sterben , sagte er ; die große Schlange hat ein zähes Leben , und Du bist weich , viel zu weich für diese harte Welt . Doch das bei Seite . Was sagen Sie zu meinem Vorschlag ? Daß er mir nur halb und weniger als halb gefällt . So muß ich denn doch den letzten Trumpf ausspielen , rief Berger aufspringend . So hören Sie denn , Sie Ungläubiger , daß jenes Haus , in das ich Sie senden will , einen Engel in sich schließt , in Gestalt eines wunderlieblichen Mägdeleins . Sie ist die Schwester Ihres Alexander , und Gott sei Dank , vorläufig noch in Hamburg in Pension . Ich hasse sie , denn sie hat mir viel Qual bereitet . Alle wahnsinnigen Träume meiner Jugend lebten in mir auf bei ihrem Anblick und ängstigten mich wie schöne Gespenster . Zuletzt lief ich davon , so oft ich sie unter ihrem leichten Strohhute über den glatten Sand des Strandes herankommen sah . Ja , ich will es nur gestehen , ich habe die Sonette , die ich Ihnen neulich vorlas , die Sie freundlich genug waren , liebedurchglüht und Gott weiß , was noch sonst , zu finden , und die ich in der seligen Jugendzeit vor dreißig Jahren auf Helgoland gedichtet zu haben vorgab , im vorigen Jahre in Ostende , vom Anblick der schönen Teufelin berauscht , mit meinem Herzblut geschrieben . Das sagen Sie aber Niemand wieder . Weshalb nicht ? Es würde mir ja doch keine Menschenseele glauben . Da haben Sie freilich Recht und nun ? Nun habe ich noch weniger Lust , als vorhin . Ich wünsche nicht , die alberne Geschichte der Liebschaft eines Hauslehrers mit der Tochter des hochadeligen Hauses , eine Geschichte , die ich mir schon in so und so vielen Romanen zum Ekel gelesen habe , an mir selbst zu wiederholen . Und wenn das Mädchen wirklich so schön und liebenswürdig ist , daß - Daß selbst das dürre Holz frische Blätter treibt , was da am grünen geschehen soll ? unterbrach mich lachend Berger . Nun wohl ! verlieben Sie sich ! weßhalb nicht ! Lieber Freund , das Buch des Lebens für Leute unseres Schlages führt denselben Titel , wie einer der Romane Balzac ' s : » Illusions perdues . « Jeder Tag schreibt nur ein neues Capitel hinein , und je kürzer das Buch , desto besser und interessanter ist es . Aber da es nun einmal geschrieben werden muß und nicht anders geschrieben werden kann , so ist es auch im Grunde gleichgültig , ob wir nach Westen gehen , oder nach Osten . Wir machen dieselben Erfahrungen hier wie dort . Darum sage ich noch einmal : gehen Sie nach Grenwitz ! Was sollte ich thun . Es erschien mir als eine Pflicht , den Wunsch meines Freundes , dem ich so viel verdanke , zu erfüllen . Und dann , hatte Berger nicht Recht , daß es gleichgültig sei , ob ich nach Osten gehe oder nach Westen ? Genug , ich packte meine Sachen , sagte meinem Mentor Lebewohl und fuhr hinüber nach diesem Eiland . - - - Drittes Capitel Oswald hatte bis jetzt nur in Städten gelebt . Seine Sitten , seine Anschauungen , seine Neigungen waren die eines Städters . So kam es denn , daß , als er sich jetzt plötzlich wie mit einem Zauberschlage auf das Land versetzt sah , der unsägliche Reiz der ersten leuchtenden Sommertage in einem schönen ländlichen Aufenthalte für ihn mehr als für die meisten Menschen etwas unsäglich Anziehendes , ja Hinreißendes und Berauschendes hatte . Es war ihm Alles so neu und doch wieder so seltsam bekannt , wie wenn Jemand in eine Gegend kommt , die er schon lange vorher in seinen Träumen gesehen . War dieser blaue Dom , der sich immer tiefer und tiefer wölbte , derselbe Himmel , der sich so trostlos bleiern über das Häusermeer der Residenzstadt spannte ? waren diese funkelnden Lichter dieselben öden Sterne , zu denen er