Brot macht die Wangen roth ! « sagte sie , und - Lucinde aß Salz und Brot . Aber da purren und gurren ja noch die Tauben in dem Waschkorbe ! Den armen Dingern muß drinnen recht bang geworden sein und verschmachtet sind sie gewiß auch . Morgen sollte der Tischler kommen , hatte es auf der Landstraße geheißen , und sollte auf dem Dache eine wundervolle Vorrichtung treffen , einen Taubenschlag , der nie einen Marder zulassen würde . Einstweilen aber wurde jetzt die Höhlung unter dem Feuerherde ausgeräumt und eins nach dem andern von vierzehn der trefflichsten veredelten Feldflüchter in diese unbequeme Wohnung eingelassen . Einen Vorbau machte man aus umgekehrten Schemeln , Besen , ausgebreiteten Scheuerlappen . Die » gnädige Frau « lachte ganz vergnüglich über die lieben Thierchen , nahm den Sack mit Zwetschen und ging erst jetzt in ihre vordern Zimmer . Auch hier die Prüfung der vorgelegten Schlösser . Auch hier ein behutsames Aufschließen und ebenso sorgfältiges Wiederanziehen der geöffneten Thür . Lucinde wurde nicht aufgefordert zu folgen . Da stand sie nun , todmüde , in der linken Hand ihr hartes Brot , in der rechten eine Küchenlampe . Sie durfte nicht näher kommen , weil erst gestern gescheuert worden war , und die Decken lagen noch nicht wieder , die kostbaren , zusammengerollten , über die Lucinde einigemal im Vorsaal schon gestolpert war . Es verging wol eine Viertelstunde , bis die Frau Hauptmännin zurückkehrte und Licht gemacht hatte . Wie sie sah , daß Lucinde so im Vorsaal stand und unnützerweise den leeren Wänden leuchtete , sagte sie : Donnerwetter , das Oel ist theuer ! Du kannst jetzt zur Ruhe gehen ! In der Küche gab es noch einen gemüthlichen Verschlag in die Mauer hinein . Dort öffnete die gnädige Frau und zeigte Lucinden etwas , was wie ein Bett aussah . » Jettchen « allerdings war so müde , daß sie nicht einmal ihre Bewunderung vor diesem Bette , das man wieder unsichtbar machen konnte durch zwei Thürflügel , aussprach . Sie war nur froh , den mitgenommenen Vorrath von Erbsen , den sie vorhin ausgeschüttet hatte , unterm Feuerherde verknuspert zu hören ; ein paar ihr sehr liebe Kropftauben gurgelten ihre Atzung ganz hörbar hinunter . Na , und nun kleide dich aus ! Gute Nacht ! Schlaf nicht zu lange ! Träume gut ! Sage : Ich wünsche Ihnen wohl zu schlafen , meine liebe gnädige Frau ! Na , wird ' s ? Nein , ordentlich ! Ich - wünsche - Ihnen - wohl - zu - schlafen , - meine - liebe - gnädige - Frau ! So ! Das war recht ! O , wir verstehen uns schon ! Wir passen zusammen ! Um fünf Uhr aber Reveille ! Verstanden ? Gute Nacht ! Ahnend , was Reveille sagen wollte , und etwas ungewiß , ob sie wirklich am Ziel der verheißenen Seligkeiten war , ging Lucinde , sich reckend und dehnend , barfuß und im Hemde noch einmal nach vorn und sah durch die Glasthür . Der Vorhang ließ ein Ritzchen offen , durch das sie hindurchschielte . Ei , kaut nicht die gnädige Frau gerade ihre Zwetschen frisch aus dem Sack heraus ? Es muß doch wol sein , wenn ' s auch ein Anblick war , als wenn zwei concentrische Mühlräder sich umeinander drehten , nur jedes nach entgegengesetzter Richtung hin ... Und wie die Zwetschen auch schwierig zu schroten waren , so mundeten sie der gnädigen Frau doch vortrefflich , sodaß sie schon einen Haufen Steine vor sich hin und zwar sehr sauber auf ein Papier gelegt hatte . Sie hielt offenbar ihr » Souper « und blinzelte dabei so listig mit den Augen ringsum wie eine Katze , die sich auf ihre nächtliche Wanderung nach Mäusen freut , und sonderbar - auch mit den Steinen liebäugelte sie , als wenn sie der lockendste Speck wären , an den jemand anderes noch anbeißen sollte . Und endlich gar noch sonderbarer ! Wenn die schwarzen Augen der gnädigen Frau einen recht stechenden Glanz bekamen , dann schien sie ganz blind zu werden . Lucinde wußte das schon aus Vorkommnissen der Reise ; auch sie beobachtete scharf . Jetzt bewegte sich der Vorhang . Rasch schlich sie zur Küche zurück , wo sie sich ihren Bettkasten heraustappte und zusammengekrümmt auf einen Strohsack sich niederwarf . Die Lade war zu kurz für ihren aufgeschossenen Wuchs . Doch entschlummerte sie und hatte sogar die angenehme Ahnung - morgen in der Frühe doch noch Wonnen des Paradieses zu entdecken . 3. Von dem Morgen an , wo Lucinde erwachte und im Auffahren fast lebensgefährlich an die spitze Nase der Frau von Buschbeck stieß , die sie ein für allemal bedeutete : So lange dürfe sie niemals schlafen ! ( es schlug eben eine Uhr mit heiserm Tone , nicht unähnlich dem Bellen eines alten asthmatischen Mopses , fünf ! ) - von diesem Morgen an blieb Lucinde ein Jahr , neun Monate , funfzehn Tage und drei Stunden bei der Frau » Hauptmännin « von Buschbeck und in den seltsamsten Verhältnissen . Schon von der Frau , die fünfeinviertel Uhr die Milch brachte , hörte Lucinde ein lautes Lachen : Wieder einmal eine in die Falle gegangen ! Weiter war die Milchfrau nicht gekommen , denn schon schlorrte die Frau Hauptmännin im » Nachtjoppel « und mit einer Haube , deren Spitzen sich in die uns schon bekannte liebende Umarmung von Kinn und Nase als Drittes im Bunde einzumischen suchten , aus der vordern Stube heraus und verwies Lucinden jeden unnützen Aufenthalt mit den Leuten , die » ins Haus kämen « . » Ins Haus « nannte sie ihre Wohnung , bestehend , wie Lucinde sah , aus der Küche , einem dunkeln Entrée mit Guckloch durch die Thür zur Hausflur , einer Schlaf- , einer Wohn- und Putzstube . Ueberladen aber war die Möblirung der kleinen Etage allerdings . Für ein zweistöckiges Haus