ich würde die Sachen schon selber zu betreiben suchen . Der Vater ging auf meinen Wunsch ein , und ich war nun sehr freudig , keinen Lehrer mehr zu haben und auf mich allein angewiesen zu sein . Ich fragte Männer um Rat , welche einen großen wissenschaftlichen Namen hatten und gewöhnlich an der einen oder der andern Anstalt der Stadt beschäftigt waren . Ich näherte mich ihnen nur , wenn es ohne Verletzung der Bescheidenheit geschehen konnte . Da es meistens nur eine Anfrage war , die ich in Bezug auf mein Lernen an solche Männer stellte , und da ich mich nicht in ihren Umgang drängte , so nahmen sie meine Annäherung nicht übel , und die Antwort war immer sehr freundlich und liebevoll . Auch waren unter den Männern , die gelegentlich in unser Haus kamen , manche , die in gelehrten Dingen bewandert waren . Auch an diese wandte ich mich . Meistens betrafen die Anfragen Bücher , und die Folge , in welcher sie vorgenommen werden sollten . Ich trieb anfangs jene Zweige fort , in denen ich schon Unterricht erhalten hatte , weil man sie zu jener Zeit eben als Grundlage einer allgemeinen menschlichen Bildung betrachtete , nur suchte ich zum Teile mehr Ordnung in dieselben zu bringen , als bisher befolgt worden war , zum Teile suchte ich mich auch in jenem Fache auszudehnen , das mir mehr zuzusagen begann . Auf diese Weise geschah es , daß in dem Ganzen doch noch eine ziemliche Ordnung herrschte , da bei der Unbestimmtheit des ganzen Unternehmens die Gefahr sehr nahe war , in die verschiedensten Dinge zersplittert und in die kleinsten Kleinlichkeiten verschlagen zu werden . In Bezug auf die Fächer , die ich eben angefangen hatte , besuchte ich auch Anstalten in unserer Stadt , die ihnen förderlich werden konnten : Büchersammlungen , Sammlungen von Werkzeugen und namentlich Orte , wo Versuche gemacht wurden , die ich wegen meiner Unreifheit und wegen Mangel an Gelegenheit und Werkzeugen nie hätte ausführen können . Was ich an Büchern und überhaupt an Lehrmitteln brauchte , schaffte der Vater bereitwillig an . Ich war sehr eifrig und gab mich manchem einmal ergriffenen Gegenstande mit all der entzündeten Lust hin , die der Jugend bei Lieblingsdingen eigen zu sein pflegt . Obwohl ich bei meinen Besuchen der öffentlichen Anstalten zu körperlicher oder geistiger Entwickelung , ferner bei den Besuchen , welche Leute bei uns oder welche wir bei ihnen machten , sehr viele junge Leute kennen gelernt hatte , so war ich doch nie dahin gekommen , so ausschließlich auf bloße Vergnügungen und noch dazu oft unbedeutende erpicht zu sein , wie ich es bei der größten Zahl der jungen Leute gesehen hatte . Die Vergnügungen , die in unserem Hause vorkamen , wenn wir Leute zum Besuche bei uns hatten , waren auch immer ernsterer Art. Ich lernte auch viele ältere Menschen kennen ; aber ich achtete damals weniger darauf , weil es bei der Jugend Sitte ist , sich mit lebhafter Beteiligung mehr an die anzuschließen , die ihnen an Jahren näher stehen , und das , was an älteren Leuten befindlich ist , zu übersehen . Als ich achtzehn Jahre alt war , gab mir der Vater einen Teil meines Eigentumes aus der Erbschaft vom Großoheime zur Verwaltung . Ich hatte bis dahin kein Geld zu regelmäßiger Gebarung gehabt , sondern , wenn ich irgend etwas brauchte , kaufte es der Vater , und zu Dingen von minderem Belange gab mir der Vater das Geld , damit ich sie selber kaufe . Auch zu Vergnügungen bekam ich gelegentlich kleine Beträge . Von nun an aber , sagte der Vater , werde er mir am ersten Tage eines jeden Monats eine bestimmte Summe auszahlen , ich solle darüber ein Buch führen , er werde diese Auszahlungen bei der Verwaltung meines Gesamtvermögens , welche Verwaltung ihm noch immer zustehe , in Abrechnung bringen , und sein Buch und das meinige müßten stimmen . Er gab mir einen Zettel , auf welchem der Kreis dessen aufge- zeichnet war , was Ich von nun an mit meinen monatlichen Einkünften zu bestreiten hätte . Er werde mir nie mehr von seinem Gelde einen Gegenstand kaufen , der in den verzeichneten Kreis gehöre . Ich müsse pünktlich verfahren und haushälterisch sein ; denn er werde mir auch nie und nicht einmal unter den dringendsten Bedingungen einen Vorschuß geben . Wenn ich zu seiner Zufriedenheit eine Zeit hindurch gewirtschaftet hätte , dann werde er meinen Kreis wieder erweitern , und er werde nach billigstem Ermessen sehen , in welcher Zeit er mir auch vor der erreichten gesetzlichen Mündigkeit meine Angelegenheiten ganz in die Hände werde geben können . 2. Der Wanderer Ich verfahr mit der Rente , welche mir der Vater ausgesetzt hatte , gut . Daher wurde nach einiger Zeit mein Kreis erweitert , wie es der Vater versprochen hatte . Ich sollte von nun an nicht bloß nur einen Teil meiner Bedürfnisse von dem zugewiesenen Einkommen decken , sondern alle . Deshalb wurde meine Rente vergrößert . Der Vater zahlte sie mir von nun an auch nicht mehr monatlich , sondern vierteljährig aus , um mich an größere Zeitabschnitte zu gewöhnen . Sie mir halbjährig oder gar nach ganzen Jahren einzuhändigen wollte er nicht wagen , damit ich doch nicht etwa in Unordnungen geriete . Er gab mir nicht die ganzen Zinsen von der Erbschaft des Großoheims , sondern nur einen Teil , den andern Teil legte er zu der Hauptsumme , so daß mein Eigentum wuchs , wenn ich auch von meiner Rente nichts erübrigte . Als Beschränkung blieb die Einrichtung , daß ich in dem Hause meiner Eltern wohnen und an ihrem Tische speisen mußte . Es ward dafür ein Preis festgesetzt , den ich alle Vierteljahre zu entrichten hatte . Jedes andere Bedürfnis , Kleider , Bücher , Geräte oder was es immer war , durfte ich nach meinem Ermessen und nach meiner Einsicht befriedigen . Die