wie eine Waare untersucht , ihre Gestalt , ihr Wuchs , ihre Augen , ihre Zähne , aber das geschieht nur einige Mal in ihrem Leben ; die Tänzerin dagegen muß sich allabendlich von dem gesammten Publikum untersuchen lassen : jedes Glas richtet sich scharf auf sie und jedes Auge prüft genau die Formen ihres Körpers , um dem Nachbar sagen zu können : » Sie ist schöner geworden , sie blüht auf , « oder : » Sie nimmt ab , es geht zu Ende mit ihr . « - Und das setzt sich auch hinter den Coulissen fort und spielt in ' s gewöhnliche Leben hinüber . Wem es nur irgend möglich ist und wer hiezu ein Recht zu haben glaubt , macht sich ein Vergnügen daraus , zu untersuchen , ob eine Tänzerin fest geschnürt sei , und jeder Geck glaubt eine Verpflichtung zu haben , diesem armen Mädchen nachzulaufen , eben weil es eine Tänzerin ist . - - Und da bei hat sie nicht einmal das Mitleid ihres Geschlechtes für sich . Was ist eine Tänzerin ? - Ein Geschöpf , über welches die Nase zu rümpfen man berechtigt ist , der es ja ein Vergnügen macht , sich so und so vor dem Publikum zu präsentiren . - Nein , ihr Damen vom ersten und zweiten Rang , es macht ihnen in den meisten Fällen kein Vergnügen und es ist nur ein Beweis , daß es auch bei uns Sclaven und freie Menschen gibt , ein Beweis , auf welch ' traurige Weise auch bei uns die Glücksgüter vertheilt sind ; denn wenn immer nach der Reinheit der Gesinnung und den Gefühlen des Anstandes die Stellen des gesellschaftlichen Lebens vertheilt wären , so säße manche Tänzerin in eurer Loge , nachlässig zurückgelehnt mit verächtlich zugedrücktem Auge , und Manche von euch zeigte sich da unten dem lachenden Publikum . Das heißt , wenn an ihr irgend etwas zu zeigen ist . - - - - Im dritten Zimmer ist dasselbe Treiben , dieselbe Geschäftigkeit wie in den beiden anderen . Hieher entlud sich der Inhalt des letzten Wagens , den wir begleitet , und da diese Tänzerinnen später kamen als ihre Colleginnen , so ist man hier auch noch weiter im Anzuge zurück . Doch ist jede Tänzerin eifrig beschäftigt ; die Ankleiderinnen helfen ihnen angelegentlichst und bald schält sich aus dem Chaos von Tricots , Weißzeug , gestickten Kleidern , falschen Blumen und dergleichen mehr etwas Solides und Fertiges heraus , und das stellt sich nun vor die Spiegel , probirt vorläufig die neue Frisur , schminkt sich nach der Lancaster ' schen Methode , oder läßt sich von einer der Schneiderinnen noch hie und da etwas am Anzuge ändern . Vor einen der Spiegel tritt gerade eine als Nymphe des Waldes gekleidete Tänzerin ; fleischfarbene Tricots sind oben mit einem äußerst kurzen Rock bedeckt , der Oberkörper steckt in einem Leibchen von hellgrünem Atlas , das bei jeder Bewegung des Körpers kracht und sich dehnt . Neben ihr auf einem Stuhl sitzt eine andere Tänzerin , die Arme über einander geschlagen , die Füße weit , von sich abgestreckt , so daß der Tanzrock mehr als eine Spanne über dem Knie bleibt . Beide sind sehr schöne Mädchen , die vor dem Spiegel hat dunkle Haare , blitzende Augen und ist tadellos gewachsen . Die Andere , eine Blondine , hat ein sanftes Gesicht und ruhige , weniger leidenschaftliche Bewegungen . » Hast du bemerkt , « sagte Letztere , » daß die Marie dort in der Ecke wieder eine Thräne um die andere fallen läßt ? Warum nimmt das Mädchen auch keine Vernunft an ! « » Wird schon kommen , « erwiderte die vor dem Spiegel , indem sie sich übermäßig stark zurückbog , um zu sehen , ob die Verbindung zwischen Rock und Leibchen nichts zu wünschen übrig ließe . » Wem ist es am Ende nicht so ergangen ? Wer von uns hat ein Verhältniß ganz vollkommen nach seiner Neigung anfangen können ? « » Ich , « versetzte die Blonde ; » und deßhalb dauert mich die Marie . « » Nun , du hast was Rechtes , « entgegnete die Andere lachend und hob mit einem gelinden Ausdruck der Verachtung ihre Oberlippe , während sie mit den Händen ihre Hüfte umspannte und sich selbstzufrieden in dem Spiegel besah . » Aber er wird mich heirathen , « fuhr die Blonde fort . » Und dann bist du fertig ! Nein , nein , Elise , da macht ' s unsereins ganz anders . Und wenn die Marie nun einmal nicht will , wer kann sie zwingen ? « » Du weißt , daß sie keine Eltern mehr hat und bei ihrer Tanze wohnt . « » Bei dem Drachen am Kanal ! Oeffentlich hat sie Aepfel feil und verkauft Singvögel ; was sie aber im Geheimen treibt , wissen wir . - Pfui Teufel ! Nun , zwingen soll sie sich nicht lassen ; man muß mit ihr sprechen . « » Thu ' das , Therese , « sagte die Blondine . » Du weißt , die Marie ist ein gutes Geschöpf , ruhig und sanft , sie ist keines großen Widerstandes fähig und eine intime Freundin hat sie auch nicht . « » Man muß mit ihr sprechen , « wiederholte stolz Therese . » Laß mich nur machen . « Mit diesen Worten trat sie noch einmal fest vor den Spiegel hin , hob den Kopf hochmüthig in die Höhe , besah sich rechts und links , griff nochmals sich lang streckend um ihre Taille und wandte sich dann höchlich zufrieden mit einer halben Pirouette vom Spiegel , worauf sie stolz wie eine Kaiserin nach der vorhin angedeuteten Ecke schritt . Hier war der unvortheilhafteste Platz des ganzen Gemaches ; er war neben einem Fenster , wo wenig Licht hinfiel und sich nur ein kleiner Wandschrank befand . Hier mußten sich die Jüngsten